08:49 06 Dezember 2019
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    Minusgeschäft bei Bundesanleihen: Wer Deutschland Geld leiht, zahlt drauf

    © AFP 2019 / Julian Stratenschulte / dpa
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    Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen ist am Montag erstmals unter null Prozent gefallen, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Mittwoch.

    Der Zins bei zehnjährigen Bundesanleihen öffnete am Montag bei minus 0,002 Prozent. Nach „Wall Street Journal“-Angabe kennzeichnete das die Flucht der Investoren in sichere Anlagen.

    Staatsanleihen im Wert von 10,4 Billionen US-Dollar befinden sich derzeit weltweit im negativen Bereich. Dies steht im Zusammenhang mit massiven Anleihekäufen durch die Zentralbanken zur finanziellen Unterstützung der Wirtschaft, mit der fehlenden Sicherheit der Investoren wegen den ungewissen Aussichten der Weltwirtschaft, der weiteren Bewegung der Märkte sowie den Folgen mehrerer wichtiger Ereignissen wie etwa dem Referendum über den EU-Verbleib Großbritanniens.

    Nach Barclays-Angaben von Anfang Juni brachten die deutschen Staatsanleihen seit Jahresbeginn 4,2 Prozent Rendite, obwohl sie durchschnittlich bei minus 0,1 Prozent rentierten. Mit japanischen Staatsanleihen hätte man in derselben Periode eine Rendite von 5,2 Prozent bekommen.

    Wie die Commerzbank in der vergangenen Woche berichtete, rentieren fast zwei Drittel der Staatsanleihen in Deutschland bei weniger als minus 0,4 Prozent.

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    Der Rückgang der Renditen widerspiegelt die anhaltende Nachfrage der Investoren nach Anleihen, die traditionell als risikolos gelten. Die Bundesanleihen gelten bereits seit den 1970er-Jahren als eine der sichersten, als die Politik der Bundesbank Deutschland dabei half, hohe Inflationsraten zu verhindern, was damals in vielen Industrieländern der Fall gewesen war. Auch die wachsende Wahrscheinlichkeit eines Brexit habe die Stimmung auf den Märkten beeinflusst, sagte der Analyst Sam Hill von RBC Capital Markets der Zeitung „Financial Times“. Laut jüngsten Umfragen äußern zunehmend mehr Briten den Wunsch, für den Austritt Großbritanniens aus der EU zu stimmen.

    Einigen Experten zufolge sollte man wegen den aktuell negativen Renditen der Staatsanleihen den Begriff „Risiko“ neu bewerten. „Was ist es für ein risikoloses Instrument, wenn der Investor garantiert Geld verliert, wenn er es bis zur Tilgung hält?!“, sagte Tim Price von PFP Wealth Management. So niedrige Renditen auf dem globalen Markt habe es im dokumentierten Zeitraum von 500 Jahren nicht gegeben, schrieb Bill Gross von Janus Capital Group in der vergangenen Woche. Das sei ein Supernovum, das früher oder später explodieren werde, so Gross.

    Experten von BNP Paribas zufolge kann die Rendite der Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren wegen saisonaler Faktoren weiter fallen. Seit 2004 sank sie jedes Jahr von der dritten Woche im Juni bis Mitte Juli um durchschnittlich 0,14 Prozent. Langfristig würde sich die Situation aber nicht stark ändern, meint der Wirtschaftsexperte von Citigroup, Willem Buiter. Da die Schuldenmenge nach der globalen Krise nicht zurückgegangen ist und die Regierungen die Wirtschaft nicht mit fiskalischen Methoden unterstützen wollen, drohen weltweit noch viele Jahre mit niedrigen Prozentsätzen, niedrigen Renditen und niedrigem Wachstum, so der Experte.

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    Barclays, EU, Willem Buiter, Großbritannien, Deutschland