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21:43 20 Oktober 2019
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    10 Billionen Dollar: Ausländische Investoren knüpfen Engagement an Putins Stimmung

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    XX. Internationales Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg (71)
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    Am Donnerstag beginnt das 20. Internationale Petersburger Wirtschaftsforum. Was erwarten ausländische Investoren von Russlands Präsident Wladimir Putin? Die Versprechen makroökonomischer Stabilität sorgen kaum für mehr Investitionen in Russland.

    Nötig sind ein Entwicklungsprogramm und der Schutz der Eigentumsrechte, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Mittwoch.

    Nach dem Krim-Beitritt wurde das Petersburger Wirtschaftsforum zum Härtetest für die Organisatoren – das Forum soll zwar international ausgerichtet sein, allerdings wurde den Chefs der westlichen Unternehmen empfohlen, die Einladungen nicht anzunehmen. Die wenigen Investoren, die trotzdem kamen, reisten mehr oder weniger inkognito an.

    In diesem Jahr würden knapp 500 ausländische Unternehmen aus 60 Ländern und 600 russische Firmen an dem Wirtschaftstreffen in der Newa-Metropole teilnehmen, so Präsidentenberater Juri Uschakow. 2015 waren es 319 bzw. 486 Firmen. 230 ausländische Unternehmen werden von ihren Chefs vertreten, so Uschakow. An den Sessionen des Wirtschaftsforums nehmen 110 Leiter bzw. Vorstandschefs ausländischer Firmen teil, es werden viele Politiker erwartet.

    20. Internationale Petersburger Wirtschaftsforum
    20. Internationale Petersburger Wirtschaftsforum

    Einige hätten auch in diesem Jahr Anweisungen vom US-Außenministerium  bekommen, allerdings sei die Zahl der Unternehmen nicht gesunken, nur das Niveau der Delegation könne sich ändern, sagte der Präsident der US-Handelskammer in Russland, Alexej Rodsjanko. Der Kurs sei milder geworden. „Vor zwei Jahren wurde direkt gesagt – Top-Manager dürfen nicht reisen. In diesem Jahr wird gesagt, es wäre gut, wenn sie dort nicht so sehr auffallen.“

    Das Kapital der Investmentfonds, mit deren Vertreter sich Putin treffe, liegt bei zehn Billionen US-Dollar, was doppelt so viel wie beim vorjährigen Treffen sei, sagte der Generaldirektor des Russischen Fonds für Direktinvestitionen, Kirill Dmitrijew. Bei dem Treffen werden mehr als 40 Chefs von Großfonds aus 18 Ländern erwartet, 20 von ihnen kommen zum ersten Mal, vor allem aus dem Nahen Osten und anderen Ländern Asiens.

    Unter den Gästen sind auch Investoren aus Europa und Amerika. Der Fonds für Direktinvestitionen wolle Deals mit den Europäern verkünden, so Dmitrijew. 

    Wozu reisen Ausländer zu dem Forum? Viele wollen die Stimmung der Wirtschaftseliten verstehen, vor allem des Präsidenten, meint ein Top-Manager eines US-Ölkonzerns. Putins Rede beim Wirtschaftsforum ist nach ihrer Bedeutung mit der Botschaft an die Föderale Versammlung zu vergleichen. Noch wichtiger sei das Abendessen des Präsidenten mit Vertretern der Investmentfonds und der Wirtschaft.

    Beim Petersburger Wirtschaftsforum werden in diesem Jahr erwartet: der Generaldirektor von Exxon Mobil, Rex Tillerson, der Vorstandschef der Bank Intesa, Antonio Fallico, der Präsident von GE Oil & Gas, Lorenzo Simonelli, der Chef von Boeing, Marc Allen, der Chef von Pirelli, Marco Tronchetti, die Chefin von Enel, Patrizia Grieco, der Vorstandschef von Nestlé, Peter Brabeck-Letmathe, der Generaldirektor von BP, Robert Dudley, der Exekutivdirektor von Royal Dutch Shell, Ben van Beurden, der Präsident von Alibaba, Jack Ma, u.a. Unter den Politikern reisen der italienische Premier Matteo Renzi, UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und der EU-Kommissionsvorsitzende Jean-Claude Juncker nach St. Petersburg.

    Was erwarten die Ausländer von Putin? Die Meinungen der Beamten sind geteilt. Einige sprechen von Anreizen und aktiven Maßnahmen. Andere erwarten eine makroökonomische Stabilisierung. Diejenigen, die vor einem Jahr an die Stabilisierung glaubten, haben an Russland viel verdient, so ein Beamter aus dem Wirtschaftsbereich. Dmitrijew zufolge sind jetzt mikroökonomische Diskussionen wichtiger. Man müsse jetzt verstehen, wie man denn Wettbewerb erhöht, die staatliche Beteiligung in der Wirtschaft senkt und die Privatisierung abwickelt.

    In einem Punkt sind sich die Experten allerdings einig. Russland soll zeigen und beweisen, dass es voraussagbar und offen ist. Putin weiß das und sprach davon im Präsidium des Wirtschaftsrates.

    Russland versuche, die geopolitischen Spannungen nicht zu verschärfen, so Wladimir Tichomirow von der Finanzgruppe BKS. „Allerdings werden die geopolitischen Ambitionen wegen der Investoren wohl kaum eingeschränkt.“ Putin könnte zum vorjährigen Trick greifen – bei Treffen hinter verschlossenen Türen könnte er versuchen, die ausländische Wirtschaft zu einem Verbündeten im politischen Konflikt zu machen. Die Schwierigkeit des diesjährigen Wirtschaftsforums bestehe nicht im äußeren Druck, sondern darin, dass es immer schwieriger werde, Investoren mit Thesen anzulocken, die jedes Jahr wiederholt werden.

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    XX. Internationales Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg (71)

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    Wirtschaftsforum in St. Petersburg 2016, Wladimir Putin, Kirill Dmitrijew, Alexej Rodsjanko, USA, Russland