04:07 17 November 2019
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    Anaconda 2016: Nato-Großmanöver in Polen

    Manöver in Europa und Russland modellieren Szenarien künftiger Hybrid-Kriege

    © AFP 2019 / Janek Skarzinski
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    Die zahlreichen Nato-Manöver nahe der russischen Grenzen bleiben in Moskau nicht unbemerkt, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch. Die russische Führung reagiert auf die wachsenden Aktivitäten der Allianz mit spontanen Prüfungen der Einsatzbereitschaft der Streitkräfte.

    Inzwischen hat Verteidigungsminister Sergej Schoigu in einer Beratung verfügt, „eine Reihe von Waffen- und Militärlagern sowie einzelne Organe der Militärverwaltung zu überprüfen“. Dabei soll nach seinen Worten „die Mobilisierungsbereitschaft und die Fähigkeit zur Erfüllung der Aufgaben zur territorialen Verteidigung“ kontrolliert werden. Es geht im Grunde um die Aufnahme von dienstpflichtigen Zivilisten in die Armee, deren eventueller Wehrdienst in den jeweiligen Lagern bzw. in anderen Reserve-Truppenteilen vorgeschrieben ist.

    Das ist allerdings ein sehr heikles Thema für viele Länder, darunter auch für Russland. Als Beispiel kann die Ukraine genannt werden, wo wehrpflichtige Männer während der Mobilmachung in den vergangenen zwei Jahren sich zu Tausenden vor dem Wehrdienst drückten, um nicht in den Krieg in die Donbass-Region geschickt zu werden. 

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    Auch in Russland wäre das mit vielen Problemen verbunden, denn die Teilnahme der wehrpflichtigen Reservisten an der Mobilmachung würde bedeuten, dass sie an ihren Arbeitsstellen und in ihren Familien fehlen würden, usw. Im Verteidigungsministerium versteht man das offensichtlich und bemüht sich deshalb um die materielle Motivation der wehrpflichtigen Reservisten, wobei unter anderem die Erfahrungen der USA und anderer Länder berücksichtigt werden. Die Reservisten schließen beispielsweise Verträge mit dem Verteidigungsministerium ab, bekommen entsprechende Entlohnungen, müssen dafür aber an den Mobilmachungsveranstaltungen teilnehmen. Dieses Experiment hat in Russland erst begonnen, daran sind nur etwa 5.000 Reservisten beteiligt.

    Dennoch schätzt die Nato das russische Mobilmachungspotenzial enorm hoch ein. Der für Russland, die Ukraine und Eurasien zuständige US-Vizeverteidigungsminister Michael Carpenter bestätigte jüngst in einem Zeitungsinterview die im Februar veröffentlichten Angaben des Forschungszentrums RAND, dass Russland im Falle eines Konflikts mit der Nato in den baltischen Ländern höchstens 60 Stunden bräuchte, um die dortigen Nato-Kräfte zu zerschlagen und Tallinn oder Riga zu erobern. Die RAND-Experten hatten zudem behauptet, Russland könnte „innerhalb von etwa zehn Tagen“ 27 Bataillone aufstellen. 

    Fotos: Nato-Waffen in Riga

    Angesichts dessen versicherte Carpenter, die Allianz könnte bis Ende 2017 die Situation „verbessern“, weil die USA in Osteuropa eine zusätzliche Panzerbrigade stationieren wollen. Allerdings könnte Russland nach seinen Worten von seiner besseren geografischen Lage profitieren. Falls der Kreml gegen die baltischen Länder aggressiv vorgehen würde, hätte Moskau einen Vorteil aus zeitlicher und geografischer Sicht, so der US-Militär.

    „Es ist natürlich Unsinn, dass Russland einen Angriff auf die Nato-Länder plant“, sagte der russische Militärexperte Juri Netkatschew. „Aber die Amerikaner lassen gleich mehrere Faktoren außer Acht, die Russlands Position in den baltischen Ländern festigen könnten. Eine wichtige Rolle spielt dabei der ethnische Faktor: In den baltischen Ländern leben viele ethnische Russen. (…) Diese Menschen werden ‚die fünfte Kolonne‘ genannt. Aber ausgerechnet sie könnten im Falle eines Kriegs gegen die Nato unseren Sieg ermöglichen.“ Eben davor hätten die Amerikaner Angst, wenn sie zusätzliche Kräfte vor Russlands Grenzen aufstellen, zeigte sich der Experte überzeugt.

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    Davon hatte auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg im Januar beim Weltwirtschaftsforum in Davos gesprochen. Nach seinen Worten muss sich die Allianz bei ihrer Ausdehnung nach Osten der immer schwieriger werdenden Lage anpassen, zu deren Aspekten der „Hybrid-Krieg“ gehöre.

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