20:19 26 September 2017
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    Bau der Gasleitung Nord Stream

    Russisches Gas für Europa: Merkel greift Nord-Stream-2 unter die Arme

    © RIA Novosti. Mikhail Fomichev
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    Nesawissimaja Gaseta
    Nord Stream 2 (91)
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    Wirtschaftliche Gründe werden die Europäer zur Erhöhung des Imports russischen Gases bewegen, heißt es in Deutschland. Auch Lieferungen aus Aserbaidschan bzw. Flüssiggaslieferungen aus den USA und anderen Ländern würden den Anteil Gazproms am europäischen Gasmarkt nicht verringern, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

    Wie Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Pressekonferenz in Berlin mit dem Regierungschef der Slowakei, Robert Fico, sagte, wird Nord Stream als wirtschaftliches Projekt betrachtet. Nord Stream sei von den Sanktionen nicht betroffen, so Merkel. Damit verteidigt Deutschland seine Position zur notwendigen Aufrechterhaltung und Erweiterung der russischen Gaslieferungen.

    Zuvor tauchten in der deutschen Presse Berichte über den wahrscheinlichen Anstieg des russischen Anteils am europäischen Gasmarkt auf. „Quasi parallel zur bestehenden Nord-Stream-Leitung soll die neue Pipeline von 2019 an russisches Gas nach Deutschland schaffen, vorbei an der Ukraine, an Polen, den baltischen Staaten“, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“. Obwohl einige europäische Länder und die EU-Kommission dagegen seien, laufe das Projekt in aller Stille weiter. „Die Aufträge für die Rohre sind erteilt, eine Ausschreibung für deren Verlegung läuft gerade – alles mit dem Wohlwollen der Bundesregierung, ungeachtet der Russland-Sanktionen“, so die Zeitung. Nach deutschen Einschätzungen wird die Abhängigkeit vom russischen Gas in Zukunft wachsen.

    Auch Gazprom-Chef Alexej Miller meint, dass der russische Gasanteil in Europa wachsen werde. „Diese Wachstumstendenz wird mittel- und langfristig andauern. Wir wissen von alternativen Bezugsquellen, doch verstehen sehr gut, dass russisches Gas auf dem europäischen Markt gefragt sein wird“, sagte Miller beim Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum.

    Die Gaslieferungen nach Europa stiegen im vergangenen Jahr um acht Prozent auf 45,4 Milliarden Kubikmeter. 2015 erreichte Gazprom eine Rekordzahl beim Anteil am europäischen Markt – 31 Prozent. Diese Tendenz wird wohl bestehen bleiben. In den ersten Monaten dieses Jahres kaufte Europa mehr Gas als in derselben Periode des Vorjahres.

    Diese Ergebnisse zeigen, dass die europäischen Politiker, die ständig von der notwendigen Senkung der russischen Gaslieferungen sprechen, sich irren. In den vergangenen Monaten kam es auch zu häufigen Angriffen auf das Nord-Stream-2-Projekt sowohl seitens der EU-Kommission als auch der osteuropäischen Länder. Die heftigsten Gegner des Projekts sind die Ukraine und Polen, die über das Schicksal des Gastransits nach Europa besorgt sind. Die baltischen Länder befürchten eine zunehmende Energieabhängigkeit Europas von Russland.

    Das Thema Energieabhängigkeit widerspricht in der Tat den Wirtschaftsinteressen dieser Länder. Litauen und Polen bauten Flüssiggasterminals, die jedoch leer stehen, weil Flüssiggas viel teurer als russisches Gas aus der Pipeline ist. Parallel arbeitet die EU an dem so genannten südlichen Korridor mit den Pipelines Tanap und Tap, durch die Gas aus dem Kaspischen Meer in Richtung Griechenland und danach nach Italien und Mitteleuropa fließen soll. Allerdings betonte der stellvertretende Gazprom-Chef Alexander Medwedew am Donnerstag, dass Europa 2030-2035 zusätzlich bis zu 100 Milliarden Kubikmeter Gas brauchen könnte, wobei es keine Beförderungsvarianten gebe.

    Miller zufolge ist der Hauptfaktor beim Anstieg des Verbrauchs von russischem Gas in Europa der Rückgang der eigenen Gasförderung. „Unabhängig davon, ob die Gasnachfrage in Europa sinken, stabil bleiben bzw. wachsen wird, werden die russischen Gaslieferungen und der Anteil am europäischen Markt steigen“, sagte Miller.

    Die Gasförderung in Europa gehe zurück und dieser Trend werde andauern, insbesondere in den Niederlanden, stimmte Energieexperte Sergej Prawossudow zu. „Wegen des Preisrückgangs ist das russische Gas jetzt sehr konkurrenzfähig im Vergleich zur Kohle, geschweige denn erneuerbarer Energiequellen. Ein Anwachsen des Gasverbrauchs in Europa ist zwar möglich, doch selbst in ferner Zukunft wird der Anteil der Gaszprom-Lieferungen in Europa kaum bedroht, weil die Eigenkosten niedriger als die beim Flüssiggas sind“, so der Experte.

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    Tags:
    Gas, Nord Stream-2, Alexej Miller, Angela Merkel, Europa, Deutschland, Russland
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