10:55 30 März 2017
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    Jo Cox

    Mord auf englische Art: Wer profitiert vom Tod der Abgeordneten vor dem Brexit?

    © REUTERS/ Phil Noble
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    Rossijskaja Gaseta
    Was wird mit dem Brexit? (325)
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    Wenige Tage vor dem für den 23. Juni angesetzten Volksentscheid über den Austritt Großbritanniens aus der EU ist die Abgeordnete der Labour Party, Jo Cox, ermordet worden. Es ist allerdings nicht ganz klar, wer davon profitieren könnte, schreibt die „Rossijskaja Gaseta“ am Montag.

    Cox wurde am 16. Juni bei einem Treffen mit ihren Wählern im Vorfeld des „Brexit“-Referendums von einem gewissen Thomas Mair erschossen. Laut Medienberichten soll er dabei „Britain first!“ gerufen haben. Nach seiner Festnahme erklärte er vor Gericht: „Tod den Verrätern, Freiheit für Großbritannien!“

    Die Kampagne für bzw. gegen den Brexit wurde nach dem Mord an der Labour-Politikerin unterbrochen. Allerdings bleiben einige Fragen unbeantwortet. Jo Cox hatte sich in letzter Zeit wegen mehrerer Morddrohungen an die Polizei gewandt, aber es wurden keine Maßnahmen zu ihrem Schutz ergriffen. Deshalb hatte der Mörder die Möglichkeit, an jenem Tag seine schreckliche Tat auszuführen. Dennoch haben die Offiziellen in London keine Vorwürfe gegen die Untätigkeit der Polizei geäußert.

    Experten weisen darauf hin, dass Premier David Cameron den Mord an Jo Cox zur Konsolidierung  der Brexit-Gegner ausgenutzt habe, wobei die getötete Abgeordnete zu einer Art „sakralem Opfer“ des Verbleibs in der EU geworden sei. Denn vor ihrer Ermordung hatten die Brexit-Befürworter einen Vorsprung von einem bis sieben Prozent. Jetzt aber liegen die Chancen wieder bei fifty-fifty.

    Nach der Festnahme des Mörders bleibt eine weitere Frage ohne Antwort: Wer trägt die moralische Verantwortung für den Tod der zweimaligen Mutter? Cameron hatte im Frühjahr bei einem EU-Gipfel mit dem Austritt seines Landes aus der Union gedroht und auf der Insel absichtlich eine Hysterie ausgelöst, weil er den Briten den Eindruck vermittelt hatte, dass sie in einer solchen EU nichts zu suchen hätten. Damals genoss der Premier die Unterstützung der meisten Wähler, darunter der Anhänger nationalistischer Parteien. Als aber die Union in Panik geriet und die meisten Forderungen Londons akzeptierte, wurde Cameron über Nacht zum Brexit-Gegner. Allerdings wurde auch der Volksentscheid nicht abgesagt. Mit seinen Handlungen könnte der Premier also den vermutlich geisteskranken Mair zum Mord bewegt haben – in einer Situation, als die Spannungen auf der Insel ihren Höhepunkt erreichten.

    Finanzminister George Osborne warnte derweil die Brexit-Anhänger, dass er im Falle ihres Sieges bei dem Referendum die Einkommens-, Benzin- und Alkoholsteuer erhöhen und gleichzeitig die Ausgaben für das Gesundheits- und Bildungswesen, die Verteidigung und die Polizei reduzieren müsste. Auch die EU-Führung steht London zur Seite. Die deutsche Zeitung „Der Tagesspiegel“ schrieb dazu unlängst: „Hochrangige Vertreter der EU haben bereits deutlich gemacht, dass es dabei nicht harmonisch zugehen wird. Brüssel habe nichts zu verschenken. Potenzielle Nachahmer sollen abgeschreckt werden. London darf nicht auf Gnade hoffen.“ EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker soll die Briten bereits gewarnt haben: „Ich bin mir sicher, dass die Deserteure nicht mit offenen Armen aufgefangen werden.“

    Die Brexit-Befürworter haben allerdings im Gegenzug ihren möglichen Aktionsplan veröffentlicht, dem zufolge sechs neue Gesetze verabschiedet werden sollten. In erster Linie geht es um die Beschränkung der Zu- bzw. Einwanderung auf die Insel, darunter aus den EU-Ländern. Zudem sollen die britischen Gesetze wieder die Oberhand gegenüber den EU-Normen bekommen.

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    Brexit, EU, Thomas Mair, David Cameron, Jo Cox, Großbritannien
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    Alle Kommentare

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      g.pfeil53
      Wem nützt es. Einzig und allein den Brexit Gegnern. Dafür wird gerne auch mal eine Frau mit gleicher Gesinnung geopfert. Diese Vorgehensweise ist hinlänglich bekannt.
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      Hat sich da ein Irrer "scharfgemacht"? Oder WURDE da ein Irrer "scharfgemacht"?

      Bei der Hausdurchsuchung wurde an Material, das auf politische Affinitäten hinweisen würde, keine sehr reichhaltige Ausbeute gemacht. Allerdings soll Mair vor längerer Zeit einer der ersten Abonnenten der Pro-Apartheid-Publikation „S.A. Patriot“ gewesen sein und auch eine Anleitung zum Bau von Waffen beim Verlag des „National Vanguard“ der neonazistischen National Alliance in den USA bestellt haben, deren langjähriger Anführer William Pierce die berüchtigten „Turner Diaries“ verfasst haben soll, die den „führerlosen Widerstand“ in Form von Anschlägen durch Einzeltäter priesen und auch die mutmaßlichen NSU-Attentäter in Deutschland inspiriert haben sollen.

      Ich gehöre sicher nicht zu jenen Zeitgenossen, die hinter jeder Katastrophe und jedem schrecklichen Ereignis reflexartig eine False-Flag-Aktion vermuten würden. Manchmal – und wahrscheinlich fast immer – sind die Dinge tatsächlich so, wie sie scheinen. Ein Amokläufer ist im Regelfall tatsächlich ein Amokläufer, ein Terrorist ein Terrorist, ein Autounfall ein Autounfall.

      Hier jedoch werfen einige Umstände doch Fragen auf, die man stellen dürfen muss. Dass selbst noch so durchgeknallte Rechtsextreme ausgerechnet zu einem solchen Zeitpunkt ein politisch motiviertes Attentat durchführen würden, erscheint nach allen Gesetzen der Logik als widersinnig. Dass überzeugte Rechtsextreme in der Ukraine für ein vereintes Großeuropa eintreten, okay, aber in EU-Ländern ist das eher unüblich.
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      Natürlich profitiren die Brexit Gegener.
      Den Befürwortern ist kanz klar vor Augen geführt worden, dass der Brexit Hass und Gewalt in ihrem Land gestreut hat. Angestachelt von deren Befürwortern. Ins doch verständlich, dass jetzt die Normalos langsam mal Gedanken machen, was für Typen sie hinterher gelaufen sind. Scade, dass die meisten Menschen erst hinterher anfangen nachzudenken.
    • ...profitieren tun die Menschen!...Weniger EU wieder mehr Demokratie.....England die alte Seekriegsnation weiß, die Rattern verlassen als erste das sinkende Schiff!...Adios EU!
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      boehlig,
      Die Ratten bekommen wohl eher langsam mit, dass sie Rattenfängern hinterher gelaufen sind.
    • avatar
      ewdw
      Der Mord an Jo Cox — ein Glücksfall für die Brexit-Gegner: jung, hübsch, 2 Kinder, sympathischer Neuling im Parlament, aufsteigender Star, kämpfte für Flüchtlinge! Wie bestellt! Gehört aber mangels Indizien bis jetzt ins Reich der Verschwörungstheorien! Das Attentat könnte aber für die "rechten" Immigrationsgegner eine andere fatale Folge haben: schärfere Maulkorb-Gesetze gegen "Rechts", was bisher den Brexit-Befürwortern nicht gelang, da sie kein einziges Beispiel für rechte Haß-Taten nachweisen konnten!
      Über die Schattenseiten der Jo Cox berichtet jedoch weder die britische noch die deutsche Lügenpresse: So edel, wie suggeriert, war Cox nämlich nicht! Die Labour-Abgeordnete jettete um die halbe Welt, immer im Einsatz für Vergewaltigungsopfer in Darfur, ausgebombte Dörfler in Afghanistan, kämpfte international gegen Aids und zuletzt für syrische Kriegsflüchtlinge, auch ständig im Parlament, anscheinend gab es nirgendwo auf der Welt Opfer, mit denen sie nicht mitlitt! Mit einer Ausnahme: der weißen minderjährigen Vergewaltigungsopfer moslemischer Gangs in ihrem Hinterhof! Liegt doch ihr West-Yorkshire- Wahlkreis nahe dem Epizentrum der moslemischen Kinder-Vergewaltigungsepidemie, die über das Labour-Herzland in Englands Norden schwappte, weitgehend ignoriert oder vertuscht von den Sozialarbeitern, Polizisten und Politikern; wir erinnern uns an den Skandal von Rotherham!
      Man kann nicht umhin zu fragen, ob ihr schlaues Schweigen zu den in aller Welt Schlagzeilen machenden Vorfällen, betreffend die ärmsten Weißen vor ihrer Haustür, weitgehend zusammenhing mit ihrem Angewiesen sein auf die Unterstützung der lokalen Moslemgemeinde in ihrem Wahlkreis Batley and Spen!? In ihrer Jungfern-Rede sagte Cox: Die Einwanderung habe ihre Gemeinde zutiefst bereichert! Und weibliche, z.T., wie Cox, gar feministische Labour-Abgeordnete verteidigten die Moslems, kritisierten die weißen Briten wg. ihrer mangelnden Aufnahmebereitschaft für Flüchtlinge und verstiegen sich zu dem Satz: Extrapoliere man den (moslemischen) Kindesmißbrauch aufs ganze Land, dann seien weiße Männer das Problem!!!
      Die allzeit politisch korrekte Cox, obwohl stets ihre moralische Überlegenheit zur Schau tragend, stimmte für britische Bomben auf Syrien und schaffte es zu einem Beraterposten in der Bill and Melinda Gates Foundation (Soros?). Vor allem aber reiste sie als politische "Beraterin" von Seminar zu Konferenz und Ausschuss in Brüssel, London oder sonstwo, z.B. auf ihrem Hausboot auf der Themse, wo sich wichtige und prominente (Ehe-)Frauen des linken Labour-Flügels trafen!
      Und ihr Mann Brendan Cox? Auch Berater in der Entwicklungshilfe, mußte er nach Vorwürfen mehrerer Frauen, er habe sich "unangemessen" verhalten, seine Stelle beim Save the Children Fund aufgeben — hochpeinlich für eine Ehefrau, die Gleichstellungs- und Antidiskriminierungs-Beraterin eines Labour-Frauen-Netzwerks war! Brendan Cox jettet jetzt um die Welt für das World Economic Forum und untersucht, wie man am besten die "rechtspopulistische" Opposition gegen den "refugee"-Bevölkerungstransfer bekämpfen kann, um herauszufinden, daß (angeblich!) die europäischen Völker gern noch weit mehr Flüchtlinge aufnehmen wollten! Sozen, in der Wolle gefärbt!!!
    • CIA- Aktion ?!
      Die Briten sollten sich besser sehr beeilen die Trennung vom Brüsseler Zentralregime endgültig zu vollziehen bevor ein "Ereignis" stattfindet, das abertausende Opfer fordert und die Insel von der "Hilfe" der EU abhängig macht. ( zB Strahlungseindämmung)
      Den wahnsinnigen transatlantischen Zinseszinsverbrechern ist ALLES zuzutrauen.
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      Gela-XAntwort anewdw(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      ewdw, gut recherchiert!
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