21:38 20 Januar 2020
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    Migrationsproblem in Europa (1282)
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    Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat seinen Jahresbericht „Global Trends“ vorgelegt. Demnach verwandelt sich das Flüchtlingsproblem von einem humanitären in ein politisches Problem, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Dienstag.

    Der rasante Anstieg der Flüchtlingszahlen seit 2011, als der Syrien-Bürgerkrieg ausbrach, nimmt dramatische Züge an. Während 2004 weltweit 37,5 Millionen Menschen auf der Flucht waren, lag die Zahl 2013 zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg bei mehr als 50 Millionen. 2014 waren es 59,5 Millionen und Ende des vergangenen Jahres 65,3 Millionen Menschen. Heute entfällt in der Welt auf 121 Menschen ein Flüchtling.

    Die größten „Flüchtlingslieferanten“ sind Syrien, Afghanistan und Somalia (54 Prozent der Flüchtlinge). Nach der Zahl der Inlandsflüchtlinge ist Kolumbien der Spitzenreiter. 2014 sorgten der Irak und die Ukraine für höhere Flüchtlingszahlen. Die größten Länder, die die Flüchtlinge aufnehmen, sind die Türkei, Pakistan, der Libanon, der Iran, Äthiopien und Jordanien.

    Der Grund dieses Wachstums sind nicht nur Militärkonflikte, sondern auch der Globalisierungseffekt. Wegen der Entwicklung der Informationstechnologien ist die Diskrepanz zwischen Arm und Reich bezüglich des Lebensstandards so groß wie nie. Immer mehr Flüchtlinge drängen in die Industrieländer. Nach der Zahl der Asylanträge liegen Deutschland, die USA und Schweden ganz vorn (auf Platz vier liegt Russland wegen der Flüchtlinge aus der Ukraine).

    Konservative Parteien gehen gewöhnlich mit dem Thema Einwanderung auf Stimmenfang. Jetzt ist es aber eine Herausforderung für alle Politiker. Die Reaktion auf die Krise ist ein wichtiger Punkt im Wahlprogramm von Donald Trump in den USA, Marine Le Pen in Frankreich und Victor Orban in Ungarn. Die Flüchtlingspolitik könnte Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr Amt kosten und ein entscheidender Faktor beim Brexit-Referendum sein.

    Unter den möglichen Lösungen sind leise Aufrufe zur Unterstützung der armen Länder zu hören. Initiativen wie den Programmen der Stiftung von Bill und Melinda Gates, die jedes Jahr Milliarden investieren, wird Kurzfristigkeit vorgeworfen, was die Abhängigkeit der armen Länder von den Spendern nur erhöht. Zudem gibt es keine verständlichen Mechanismen, die Militärkonflikte im Nahen Osten und Afrika zu stoppen.

    Eine reale Antwort auf das Flüchtlingsproblem sei nur die Bereitschaft der Industrieländer, die Einwanderer zu integrieren, schreibt Mark Leonard vom European Council on Foreign Relations für „Project Syndicate“. Diese Politik dürfe keine Reaktion mehr auf Krisen sein, man müsse Mechanismen der Asylgewährung, Bildungsprogramme und Arbeitsbeschaffung entwickeln, die alle Industrieländer teilen würden. Die Suche nach diesen Lösungen wird beim UN-Gipfel im September in New York diskutiert.

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    Migranten, Mark Leonard, Somalia, Afghanistan, Syrien