06:48 20 November 2017
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    Russlands Olympia-Sperre: IOC rudert zurück

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    Nesawissimaja Gaseta
    Olympia Rio-2016 (173)
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    Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will die Situation um die russische Mannschaft kurz vor den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro nicht zuspitzen, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch.

    Allerdings stehen die russischen Sportler nach den Doping-Tests am Pranger – diejenigen, die in den Skandal verwickelt waren, wurden von internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen. Zudem wurde die Disqualifikation der Gesamtrussischen Leichtathletik-Föderation verlängert. Dennoch dürfen einige Athleten an den Olympischen Spielen unter der russischen Flagge teilnehmen.

    Der Olympic Summit in Lausanne am Dienstag zog die Aufmerksamkeit der Medien auf sich. Zunächst hatte IAAF die Leichtathleten gesperrt, später ging der „Der Spiegel“ davon aus, dass das gesamte russische Olympia-Team gesperrt wird. Das deutsche Nachrichtenmagazin berichtete ebenfalls, dass Präsident Wladimir Putin kurz vor dem Olympic Summit persönlich mit Thomas Bach sprechen wollte, um Einfluss auf ihn zu nehmen. Allerdings dementierte Putins Sprecher Dmitri Peskow diese Informationen. Auch bei Bach lösten diese Gerüchte ein Lächeln aus.

    Es ist nicht mehr wichtig, ob es ein Gespräch zwischen Putin und Bach gegeben hat. Viel wichtiger ist die Tatsache, dass das IOC halbgare Maßnahmen traf. Das IOC billigte den IAAF-Beschluss über die Disqualifikation der russischen Leichtathleten. Zugleich scheute das IOC  die Verantwortung für den Fall und betonte, dass es nicht für  Sportverbände entscheiden könne, wer zugelassen werden dürfe und wer nicht. Das Olympische Komitee Russlands wurde vom IOC nicht ausgeschlossen.

    Dem IOC-Beschluss zufolge können einzelne Athleten an den Olympischen Spielen in Brasilien nach Zustimmung durch die internationalen Sportverbände teilnehmen. „Russische Sportler, die zu den Spielen zugelassen werden, werden an ihnen als Mitglieder des russischen Teams, des russischen Olympischen Komitees teilnehmen“, sagte Bach. Die Disqualifikation erstreckt sich nur auf die Gesamtrussische Leichtathletik-Föderation. Es geht nicht um die anderen 27 Verbände.

    Kurz vor Bach nahm der Präsident des Russischen Olympischen Komitees, Alexander Schukow, beim Olympic Summit Stellung zu diesem Thema.  Er zeigte sich zwar enttäuscht über den IAAF-Beschluss, äußerte jedoch die Hoffnung, dass einige russische Sportler bei den Spielen in Rio de Janeiro an den Wettbewerben teilnehmen dürfen. „Der Ausschluss von sauberen Athleten von den Spielen in Rio widerspricht den Werten der Olympischen Bewegung und verletzt die Prinzipien der Olympischen Charta, das ist ein rechtlich unbegründeter Schritt und entwertet den Erfolg ihrer Rivalen“, sagte Schukow.

    Der russische Sportminister Witali Mutko sagte vor dem Summit, dass die Sportler ihre Rechte vor Gericht verteidigen können. Die russische Stabhochspringerin und zweifache Olympia-Siegerin Jelena Issinbajewa kündigte bereits an, vor dem Menschenrechtsgericht Protest gegen den IAAF-Beschluss einzulegen. Sie schloss eine Teilnahme an den Spielen unter der Olympia-Flagge aus und wolle nur unter der russischen Nationalflagge auftreten.

    Andere russische Leichtathleten, die ebenfalls nicht gegen die Antidopingregeln verstoßen haben, sowie die Vertreter des russischen Leichtathletikverbandes kündigten bereits an, sich an den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne zu wenden.

    Der russische Politologe Alexej Muchin sieht einen politischen Hintergrund in dem IOC-Beschluss. „Einerseits traf das IOC einen Halb-Beschluss, der den Auftraggebern dieser Geschichte, den USA, eindeutig nicht gefallen wird. Andererseits sperrt das IOC die russische Mannschaft aus, was ein großer Imageschaden für Russland sei. Allerdings bedeutet der letzte Beschluss, dass es in den internationalen Organisationen keine einheitliche Meinung gibt, doch die Tatsache liegt auf der Hand, dass diese Organisationen unter politischem Druck stehen, was von vielen Mitgliedern äußerst negativ wahrgenommen wird“, so Muchin.

    Die Öffentlichkeit und die Medien würden ihren Blick jetzt auf Russland richten. „Europäische Medien, die Besitzern aus den USA gehören, sind nicht frei bei der Berichterstattung – sie betrachten einige Ereignisse unter der Lupe und lassen andere überhaupt außer Acht, was am Beispiel der russischen Fans in Frankreich gut zu sehen ist, wo Fans aus anderen Ländern sich ebenfalls daneben benahmen“, so Muchin.

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    Tags:
    Doping, Leichtathletik, IOC, IAAF, Russland
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