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    Russische Reserven schlittern in den Euro – Yuan keine Alternative zu Westwährung

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    Nesawissimaja Gaseta
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    Der chinesische Yuan könnte in absehbarer Zeit zur zweiten Währung auf der Welt werden und den Euro auf den dritten Platz verdrängen, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag.

    Ein entsprechender Trend zeichnet sich inzwischen ab: Im Herbst 2015 gehörte der Yuan laut dem Zahlungssystem SWIFT zu den fünf am meisten verbreiteten Währungen, wobei er es im Laufe von nur drei Jahren vom zwölften auf den vierten Platz schaffte. Fast 45 Prozent der internationalen Zahlungen erfolgten im vorigen Jahr in US-Dollar, etwa 27 Prozent in Euro und jeweils etwa drei Prozent in Yen und Yuan.

    Ende 2015 beschloss der Internationale Währungsfonds (IWF), den Yuan in den Korb der Sonderziehungsrechte (SDR) aufzunehmen, wobei sein Anteil elf Prozent erreichen sollte (auf den Dollar entfallen etwa 42 Prozent und auf den Euro etwa 31 Prozent). Dann würde die chinesische Währung das britische Pfund und den Yen überholen, auf die je etwa acht Prozent entfallen. Die Entscheidung des IWF tritt im Oktober in Kraft.

    Dadurch ist nicht auszuschließen, dass Russland seine internationalen Berechnungen und auch seine Reserven zugunsten des Yuan korrigieren könnte. Wie Präsident Wladimir Putin während seines offiziellen Besuchs in Peking Ende der vergangenen Woche sagte, „erweitern wir zwecks Reduzierung unserer Abhängigkeit von der äußeren Konjunktur die Verwendung nationaler Währungen bei unseren gegenseitigen Berechnungen“. Zugleich führte er an, dass auf den Rubel dabei etwa drei Prozent und auf den Yuan etwa neun Prozent entfallen.

    Zuvor hatten russische Medien berichtet, die Zentralbank würde den Yuan auf die Liste der Währungen setzen, in die Russland seine Reserven investiert. Zum 1. Januar 2016 habe das Geldinstitut 43,1 Prozent der Reserven in US-Dollar, 40,1 Prozent in Euro, 10,7 Prozent in Pfund, 3,9 Prozent in kanadischen Dollar, 1,2 Prozent in australischen Dollar und ein Prozent in Yen angelegt.

    Die meisten Probleme sind dabei mit dem Euro verbunden. 2012 waren Russlands Reserven wegen des Verfalls der europäischen Währung gegenüber dem Dollar um mehr als 30 Milliarden Dollar geschrumpft. Angesichts des bevorstehenden Brexits ist eine neue Abwertung der europäischen Währung nicht ausgeschlossen.

    Aber auch mit dem Yuan könnte es Probleme geben. Die meisten Befürchtungen der Investoren rufen derzeit Chinas Auslandsschulden hervor. Laut IWF-Angaben beliefen sie sich 2015 mit mehr als 23 Billionen Dollar auf mehr als 225 Prozent vom BIP. Größtenteils handelte es sich dabei um korporative Schulden.

    In Peking behauptete man jüngst, alle Schuldenrisiken unter Kontrolle zu haben. Dabei war jedoch vor allem von staatlichen, aber nicht von korporativen Schulden die Rede. Laut der Nachrichtenagentur Xinhua betragen die Regierungsschulden „nur“ etwa vier Billionen Dollar (39,4 Prozent vom BIP). Zusammen mit den regionalen Schulden mache das 41,5 Prozent aus.

    Von den chinesischen Risiken sprach der Leiter des russischen Zentrums für strategische Entwicklungen, Ex-Finanzminister Alexej Kudrin, beim jüngsten Petersburger internationalen Wirtschaftsforum. „China bemüht sich derzeit um die Aufrechterhaltung des Yuan-Wechselkurses und hat eine Billion Dollar seiner Reserven dafür verwendet. Laut einigen Expertenschätzungen wurden aber nicht alle Reserven in liquide Instrumente investiert, und deshalb können sie nicht alle für die Unterstützung des Wechselkurses ausgegeben werden.“

    Der Direktor des Instituts für strategische Analysen FBK, Igor Nikolajew, zeigte sich überzeugt, dass Russland lieber abwarten und seine Reserven nicht in den Yuan stecken sollte. Der Yuan könnte tatsächlich zur zweiten Reservewährung werden, aber nicht in drei bis fünf, sondern eher in sechs bzw. sieben Jahren, vermutete der Experte.

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    Tags:
    Dollar, Yuan, Euro, IWF, Russland