02:27 20 Januar 2018
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    Wachsende Ungleichheit – einer der Gründe für den Brexit

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    Wedomosti
    Was wird mit dem Brexit? (339)
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    Der Ausgang des Brexit-Referendums ist ein Schock für die Wall Street geworden – im Lande, wo es weder eine Wirtschafts- noch Finanzkrise gibt, stimmte die Mehrheit für die Änderung des Status quo, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Dienstag.

    Dieser Ausgang widerspiegelt teilweise die Tatsache, dass der Wiederaufbau der Wirtschaft vom Wachstum der Ungleichheit und Deflationsdruck begleitet wurde, meinen Analysten der Bank of America Merrill Lynch (BofAML). „Diese Abstimmung widerspiegelt teilweise die Verzweiflung derer, die vom Wirtschaftswachstum nicht profitiert haben“, sagte der Vorstandschef von Fair Education Alliance, Richard Lambert, der Zeitung „Financial Times“.

    Es wurde nicht geschafft, die Wirtschaft mit monetären Anreizen zu fördern. Die Menschen stimmten immer häufiger gegen den zurückgehenden realen Lohn, eine hohe Arbeitslosenquote und Migranten, schreibt BofAML. Die Ungleichheit innerhalb des Landes steige. Der Krieg gegen die Deflation sei verloren worden, an der Reihe sei der Krieg gegen die Ungleichheit. Seine Waffen könnten Handels-Protektionismus, Erhöhung der Mindestlöhne und neue fiskalische Anreize sein.

    Nach OECD-Angaben stieg die Ungleichheit innerhalb der Länder seit 2008. So liegt der Unterschied bei der Arbeitslosenquote zwischen den Regionen Italiens, Spaniens und der Türkei bei bis 20 Prozent, der Unterschied bei der Lebensdauer zwischen den Bundesstaaten in Australien und in den USA – bei sechs Jahren. In Großbritannien sind die größten regionalen Unterschiede bei der Arbeitslosenquote zu erkennen. Der Südosten Englands gehört zu den obersten 15 Prozent der Regionen der OECD, der Nordosten – zu der unteren Hälfte.

    Rund 80 Prozent des BIP Großbritanniens entfallen auf den Dienstleistungssektor. Wegen des Defizits des laufenden Kontos (5,1 Prozent des BIP 2014) hängt das Land von Kapitalzufluss ab, was kein Problem für das Welt-Finanzzentrum ist. Auf London entfielen rund 75 Prozent des Umsatzes des europäischen Investitions-Bankengeschäfts, sagte Natalja Orlowa von Alfa-Bank. Der EU-Austritt habe bedeutende Folgen für den Bankensektor und die Wirtschaft des Landes, was das Problem der Ungleichheit weiterhin zuspitzen werde.

    Die Verschlechterung der Konjunktur des Immobilienmarktes werde wegen des Rückgangs des ausländischen Kapitalzuflusses zur Senkung der Kreditqualität führen, so Orlowa. Die Ratingagenturen drohten bereits mit der Abstufung der Bonitätsnoten Großbritanniens. Zudem werden die britischen Banken das Recht verlieren, in den EU-Ländern ohne entsprechende Genehmigungen zu funktionieren. Die Finanzaktivitäten werden sich von London nach Paris bzw. Frankfurt am Main verschieben, so Orlowa. Die Pfund-Abschwächung würde die prognostizierenden Verluste des Wirtschaftswachstums angesichts der Deindustrialisierung des Landes und der Bedeutung des Finanzsektors nicht kompensieren, so Analysten des Zentrums für makroökonomische Studien von Sberbank.

    Wie die Zeitung „The Guardian“ schreibt, wird der Brexit zum Rückgang der Investitionen und zum Anwachsen der Kündigungen führen. Auch das Flüchtlingsproblem werde kaum gelöst. Die Beamten Tschechiens, der Slowakei, Polens und Ungarns betonten bereits, dass die Beibehaltung der Vergünstigungen für die Staatsbürger dieser Länder, die in Großbritannien leben (das sind mehr als 1,2 Millionen Menschen), die wichtigste Forderung bei den Verhandlungen über den Ausstritt Großbritanniens aus der EU sein wird, schreibt FT.

    Europa werde wohl eine möglichst harte Position vertreten, um den Austritt Großbritanniens als Beispiel einer falschen Entscheidung darzustellen, so Orlowa.

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