04:16 20 Januar 2018
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    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan

    Erdogans Versuch einer Entschuldigung – Moskau ringt um richtige Antwort

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    Normalisierung der russisch-türkischen Beziehungen (108)
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    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sich am Montag in einer Botschaft an den russischen Präsidenten Wladimir Putin für den Abschuss des russischen Su-24-Jets im November 2015 entschuldigt, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Dienstag.

    Erdogan zeige Interesse an der Regelung der Situation. Russland sei ein Freund und strategischer Partner der Türkei, mit dem man doch nicht die Beziehungen verderben wolle, schreibt Erdogan. Die Türkei hätte keine böswillige Absicht gehabt, das Flugzeug abzuschießen.

    Der Su-24-Jet wurde am 24. Novemberabgeschossen. Russland forderte Entschuldigungen und Entschädigungen. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Föderationsrats, Konstantin Kossatwschow, sagte im TV-Sender Rossija-24, dass Entschuldigungen nicht ausreichen und die Auseinandersetzungen viel tiefer gingen und mit dem Vorgehen der Türkei in Syrien zusammenhingen, wo die Türkei eigene Probleme löse, die unter anderem mit den Aktivitäten der Kurden zusammenhingen. 

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    Laut dem Direktor des Zentrums für Wirtschafts- und außenpolitische Studien in Istanbul, Sinan Ülgen, hat das Schreiben zwei Versionen. „Die Türkei sagt zu Hause, dass ein Schreiben nach Moskau geschickt wurde, wo ein gewisses Bedauern ausgedrückt werde. Moskau zufolge geht es in dem Brief um Entschuldigungen. Anscheinend interpretieren sowohl Ankara als auch Moskau das Schreiben so, damit ihre Version den Erwartungen des Publikums entspricht“, so der Experte.

    Die Wirtschaftsprobleme und die Sanktionen hätten die Tourismusbranche und den Export in der Türkei stark getroffen und spielten eine große Rolle bei der Entscheidung Erdogans, allerdings sei der Hauptgrund des Schreibens ein anderer, so der Experte.

    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan
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    Nach dem arabischen Frühling und einer beharrlichen Politik Ankaras in der Region habe Erdogan verstanden, dass eine solche Außenpolitik den nationalen Interessen schadet, und versuche jetzt, die sich verschlechternden Beziehungen zu den Nachbarn zu verbessern. Ankara brauche mehr Verbündete und weniger Feinde. Die Ankündigung des Wiederaufbaus der Beziehungen zu Israel am selben Tag sei nicht zufällig gewesen, so der Experte.

    Laut dem Carnegie-Experten Alexej Malaschenko meint Erdogan, dass jetzt ein guter Zeitpunkt sei, um neue Trümpfe zu erhalten. „Die Situation um die Türkei hat sich stark geändert. Die Beziehungen zur Europa haben sich verschlechtert. Erdogan begrüßt den Austritt Großbritanniens aus der EU. Die Verbesserung der Beziehungen zu Moskau würde Ankara es ermöglichen, Europa erneut als nicht ernsthaftes ‚Kontor‘ darzustellen, wovor alle flüchten und das den Flüchtlingsstrom nicht meistern wird, weil es die Türkei beleidigte“, so Malaschenko.

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    Moskau sollte jetzt einen neuen Kurs ausarbeiten. Putin sollte solch einen Ton wählen, der die Gefühle Erdogans nicht verletzt, sonst könnte er sich wieder abwenden. Der russischen Diplomatie stehe eine Prüfung bevor – beispielsweise in Bezug auf die russischen Behauptungen über Verbindungen zwischen der Türkei und dem IS. Doch auch Moskau könnte die türkische Karte ausspielen – die sei der Trumpf sowohl bei den Beziehungen zu den GUS-Ländern, wo Turkvölker dominieren, als auch mit Europa und dem Nahen Osten.

    Auf dem Wege der Normalisierung der Beziehungen gebe es viele Hindernisse, so der türkische Experte. „Das wichtigste sind die polaren Interessen und Ziele Moskaus und Ankaras in der Region, von der Ukraine und der Krim bis zu Syrien mit der sehr delikaten Kurden-Frage.“

    Falls bei der Regelung der Beziehungen das Verbot für den Verkauf von Türkei-Reisen aufgehoben wird, könnten innerhalb eines Monats wieder die Touristen strömen, meint der Vizepräsident der Assoziation der russischen Touristenverbände, Dmitri Gorin. Vor der Einführung des Verbots entfielen auf die Türkei rund 30 Prozent der Reisen – rund 2,4 Millionen Menschen pro Jahr. Doch selbst bei einer baldigen Genehmigung für den Verkauf von Türkei-Reisen sei eine völlige Wiederherstellung des Touristenstroms in diesem Jahr unmöglich, so Gorin.

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    Su-24, Su-24-Abschuss, Recep Tayyip Erdogan, Türkei, Russland