22:50 20 September 2018
SNA Radio
    Mavi Marmara

    Israel entschuldigt sich für Fähre – Neustart mit Türkei verschiebt Kräfte in Nahost

    © AP Photo / Ariel Schalit, File
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Kommersant
    41230

    Israel und die Türkei unterzeichnen heute ein Abkommen über die Normalisierung der bilateralen Beziehungen, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Dienstag.

    Damit wird der sechsjährige Konflikt zwischen Ankara und Tel Aviv zu Ende gehen, der nach einem Zwischenfall an Bord der türkischen Fähre „Mavi Marmara“ im Jahr 2010 ausgebrochen war.

    Damals hatten israelische Spezialeinheiten dieses Schiff, das im Rahmen der internationalen humanitären Aktion „Friedensflottille“ auf dem Weg zum Gaza-Streifen war, angegriffen, wobei zehn türkische Staatsbürger ums Leben kamen. Die Israelis wiesen die Vorwürfe gegen sie lange zurück und wollten sich nicht bei Ankara entschuldigen. Am Ende sahen sie sich jedoch gezwungen, dies zu tun.

    Den Kompromiss nach monatelangen Gesprächen, die unter aktiver Mitwirkung von US-Außenminister John Kerry verliefen, verkündete der israelische Premier Benjamin Netanjahu gestern auf einer Pressekonferenz in Rom. „Israel und die Türkei sind zwei große regionale Großmächte, und unsere ausbleibende Kooperation widersprach unseren lebenswichtigen Interessen, weil sich unser beiderseitig nützliches Zusammenwirken auf vielen Gebieten nicht entwickeln konnte“, betonte Netanjahu.

    „Die Welt und der Nahe Osten erleben Erschütterungen, und meine Politik ist darauf ausgerichtet, Stabilitätszentren in unserer instabilen Region zu schaffen. Wir tun das gemeinsam mit unseren Nachbarn, den arabischen Ländern. Wir tun das auch mit Griechenland und Zypern, mit Russland und der Türkei. Und natürlich mit unserem größten Verbündeten, den USA.“

    Auch der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim gab gestern eine Pressekonferenz, auf der er über die Zugeständnisse der israelischen Seite berichtete. Unter anderem sei in dem zu unterzeichnenden Abkommen eine Entschädigung von 20 Millionen Dollar vorgesehen, die für die Verwandten der Todesopfer an Bord der „Mavi Marmara“ bestimmt seien.

    Zudem kündigte Yildirim an, dass die Botschafter beider Länder bald wieder nach Tel Aviv bzw. Ankara zurückkehren werden. Außerdem werde die Türkei demnächst die humanitäre Unterstützung des Gaza-Streifens wiederaufnehmen.

    Allerdings haben sich die Israelis geweigert, die Blockade des Gaza-Streifens aufzuheben, was die Türken verlangten. „Die Aufrechterhaltung der Blockade entspricht den Schlüsselinteressen unserer Sicherheit, und in dieser Frage akzeptieren wir keine Kompromisse“, unterstrich Netanjahu.

    Die von „Kommersant“ befragten Experten zeigten sich überzeugt, dass es sich dabei um keine neuen Flitterwochen zwischen Ankara und Tel Aviv handelt, sondern dass beide Seiten ganz pragmatisch vorgehen. „Durch die wichtigen Zugeständnisse an die türkischen Behörden hofft Israel auf die Entsperrung der wirtschaftlichen und militärischen Kooperation mit Ankara“, sagte Viktor Nadejin-Rajewski vom russischen Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen. „Künftig könnte für das israelische Gas der Weg in die Türkei und auf den europäischen Markt freigemacht werden.“

    Dieser Auffassung stimmte auch Professor Grigori Kossatsch von der Russischen staatlichen humanitären Universität zu. „Genauso wie Israel an der Türkei interessiert ist, ist auch die Türkei an Israel interessiert, nämlich an seinen Waffen und seinem Erdgas. Deshalb geht es in diesem Fall um eine Art Zweibahn-Straße. Man kann wohl nicht sagen, eine Seite hätte mehr Zugeständnisse an die andere akzeptiert“, so der Experte.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    USA, Israel, Türkei