10:23 17 November 2019
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    Türkei will Frieden mit den Nachbarn – außenpolitischer Kurs bleibt dabei wacklig

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    Normalisierung der russisch-türkischen Beziehungen (108)
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    Der Kreml hat die Entschuldigung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für den Abschuss des russischen Kampfflugzeugs im November 2015 angenommen, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Mittwoch.

    Wie der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, sagte, machte Erdogan mit seiner Botschaft an Moskau einen wichtigen Schritt zur Normalisierung der Beziehungen. Am Mittwoch findet auf Initiative der russischen Seite ein Telefongespräch zwischen Putin und Erdogan statt, so Peskow. Ankara sei bereit, die Frage einer Entschädigung zu erörtern, falls es eine Anfrage seitens der Familie des ums Leben gekommenen Piloten geben wird, sagte der Sprecher des türkischen Präsidenten, Ibrahim Kalin.

    Zugleich begann Ankara den Versöhnungsprozess mit einem weiteren ehemaligen befreundeten Land. Am Dienstag wurde ein Abkommen über die Normalisierung der Beziehungen mit Israel unterzeichnet. Die Türkei und Israel waren früher strategische Partner, doch die Beziehungen wurden unterbrochen, nachdem israelische Kommandos 2010 den Schiffskonvoi „Flottille der Freiheit“, der die Blockade des Gazastreifens brechen wollte, gewaltsam gestoppt hatten. Neun Türken kamen dabei ums Leben.

    Die türkische Außenpolitik erlebt große Veränderungen, sagte der Professor der Universität Bilkent in Ankara, Onur Işçi. „Seit dem arabischen Frühling verfolgt Ankara eine super-ambitionierte Politik im Nahen Osten, die aber gegenteilige Ergebnisse brachte – statt ein regionaler Anführer zu werden, geriet die Türkei in Isolation.“

    Der neue Premier Binali Yildirim nannte die neue Außenpolitik eine Periode der Heilung, was ein bestimmtes Schuldgefühl für das Geschehene bedeute, so der Experte. Ihm zufolge spielt die Wiederherstellung der Beziehungen zu Moskau dabei eine besondere Rolle, weil die US-Unterstützung für die syrischen Kurden als Sicherheitsbedrohung wahrgenommen wird.

    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan
    © AP Photo / Murat Cetinmuhurdar/Presidential Press Service
    Erdogan werde auch durch eine schwierige Situation im Lande zum Kurswechsel bewegt, dazu gehörten die komplizierten Beziehungen zu den Islamisten und den Kurden. „Seit der Gründung der Republik Türkei ist Ankara mit zwei politischen Projekten gescheitert – dem politischen Islam, bei dem es versuchte, die islamistische und säkulare Ausrichtung zusammenzubringen, und in der Kurden-Frage, wobei sich die beiden Fragen in der Außenpolitik vermengten. Jetzt wird Ankara versuchen, die Kurden-Frage durch Verbesserung der Beziehungen zu den Nachbarn und Suche nach neuen Verbündeten zu lösen“, so der Experte.

    Laut dem Experten Andrej Korotajew birgt der neue außenpolitische Kurs Ankaras Gefahren, weil er sich vor allem am Präsidenten orientiert. „In diesem Sinne ähnelt die Situation Russland, wo das Außenministerium natürlich eine wichtige Arbeit macht, doch das letzte Wort immer dem Staatschef gehört. In der Türkei spielt der Staatschef ebenfalls eine größere Rolle als in anderen Ländern, weshalb die Folgen nicht immer kalkuliert werden können. Ein Beispiel war der Vorfall mit dem abgeschossenen Kampfjet.“

    Ankara habe bereits die Verantwortlichen für die früheren Fehler gefunden, meint Işçi. Jetzt wird die gesamte Schuld Davutoglu zugeschoben, der in den vergangenen fünf Jahren eine große Rolle in der türkischen Diplomatie spielte. Die Außenpolitik der Türkei sollte von jetzt an von den nationalen Interessen statt von Abenteuerlust bestimmt sein, so der türkische Experte.

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    Tags:
    Onur Işçi, Recep Tayyip Erdogan, Dmitri Peskow, Wladimir Putin, Türkei, Israel, Russland