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    Kein Geld für U-Boote – wird Deutschland statt England wichtigster Gehilfe der USA?

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    Nesawissimaja Gaseta
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    Der Ausgang des Brexit-Referendums auf der Insel könnte zu einer Art „Wachablösung“ unter den europäischen Verbündeten Washingtons führen, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch.

    Good bye England! - Guten Morgen Deutschland
    © REUTERS / Yuya Shino/File Photo
    In absehbarer Zeit könnte nicht mehr Großbritannien, sondern Deutschland der wichtigste Partner der USA werden. Laut offiziellen Erklärungen wird es dazu aber wohl nicht kommen. Denn gleich nach der Veröffentlichung der Ergebnisse des Volksentscheids versicherte das Weiße Haus, die engen Kontakte mit London würden weiter bestehen. „Eines wird sich nicht verändern, nämlich die besonderen Beziehungen zwischen unseren Ländern“, unterstrich US-Präsident Barack Obama.

    Aber ihm bleiben nur noch wenige Monate im Weißen Haus. Und laut der „Financial Times“ hatten die Amerikaner noch vor dem 23. Juni (dem Tag des Brexit-Referendums) immer öfter mit Deutschland und Frankreich kommuniziert. Dieser Prozess könnte sich beschleunigen, je nachdem, ob London seinen Einfluss in der Alten Welt verliert, so die Zeitung.

    Mehr zum Thema: Was wird mit dem Brexit?

    „Henry Kissinger fragte einmal: ‚Wen muss ich in Europa anrufen?‘ Jetzt ist die Antwort klar: Man muss die deutsche Kanzlerin anrufen. Das bedeutet, dass wir unsere Beziehungen mit Deutschland intensivieren müssen“, sagte Nicholas Burns, ein früherer Beamter des US-Außenministeriums und jetziger Berater Hillary Clintons im Rahmen ihrer Präsidentschaftswahlkampagne.

    Aber die Briten wollen nicht, das ihr Land sein internationales Gewicht verliert, zumal Großbritannien – anders als Deutschland – ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates ist. Deshalb hat der britische Verteidigungsminister Michael Fallon unlängst erklärt, London wolle trotz des Brexits seine Atomstreitkräfte modernisieren. Es geht dabei um vier U-Boote mit ballistischen Trident-Raketen, die allmählich veralten und bis 2028 ersetzt werden müssen.

    Jelena Ananjewa vom Zentrum für Großbritannien-Studien beim Europa-Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften sagte, dass die Abstimmung über die Modernisierung des Trident-Systems im Herbst stattfinden werde. Dieses Problem werde intensiv diskutiert, denn in seiner aktuellen Lage könne sich London die Modernisierung nicht leisten. Andererseits aber müssten die Waffen modernisiert werden, denn sonst würden die Briten ihren Status als Atomgroßmacht verlieren, so die Expertin.

    Die britischen liberalen Demokraten bestanden unlängst darauf, dass das Land zwei U-Boote behalten sollte. Die Labour Party mit Jeremy Corbyn an der Spitze behauptete ihrerseits, auf diesen U-Booten müssten keine Atomsprengköpfe aufgestellt werden. Und Schottland erklärte während des Brexit-Referendums, es würde darauf bestehen, dass die Atomwaffen von seinem Territorium abgezogen werden.

    Inzwischen bestehen die Schotten auf einem neuen Volksentscheid über ihre Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich, während sowohl die Labour Party als auch die Conservative Party gerade eine  Krise erleben. „Die Konservativen werden eindeutig für die Modernisierung stimmen. Wie sich die Labour Party entscheidet, ist unklar. Denn in der Partei steht die Wahl eines neuen Vorsitzenden bevor“, so Ananjewa.

    Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im House of Commons, Crispin Blunt, führte unlängst an, dass das ab 2028 auf 32 Jahre ausgelegte Programm zur Modernisierung der Trident-Waffen bei den aktuellen Preisen 182 Milliarden Pfund kosten würde. „Meines Erachtens ist es unerfüllbar“, räumte er ein.

    Die britischen U-Boote sind derzeit an der westlichen Küste Schottlands stationiert. Sollten die Schotten bei ihrem zweiten Referendum für die Unabhängigkeit stimmen, müsste London zusätzlich viele Milliarden Pfund für den Bau eines neuen Stützpunktes ausgeben.

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    Brexit, Großbritannien, USA, Deutschland