12:15 17 November 2019
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    Gemeinsamer Nenner: Syrien versöhnt Russland und Türkei

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    Moskau und Ankara werden die Verhandlungen zur Syrien-Regelung wiederaufnehmen, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Donnerstag.

    Am Dienstag fand nach einer langen Pause das erste Telefongespräch der Präsidenten Russlands und der Türkei, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan, statt. Das Gespräch dauerte etwa 40 Minuten. Die Präsidenten haben bereits ein persönliches Treffen in der nächsten Zeit und die Aufhebung der Einschränkungen für Türkei-Reisen für russische Touristen vereinbart. Laut dem russischen Außenminister Sergej Lawrow werden Russland und die Türkei die Arbeit zur Syrien-Regelung wiederaufnehmen. Lawrow soll am Freitag in Sotschi diese Frage mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu erörtern.

    Die Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen beiden Ländern begann mit verschiedenen Deutungen der Botschaft Erdogans, sagt der Nahostexperte Alexander Schumilin. „Erdogan drückte der Familie des verstorbenen Piloten sein Beileid aus und entschuldigte sich für dessen Tod und nicht für das abgeschossene Flugzeug – er wird sich nie für den Vorfall entschuldigen. Jede Seite spielt eine für ihr Publikum passende Version desselben Textes aus. Auch den vollständigen Text hat bislang niemand gesehen. Die Seiten haben eine Vereinbarung über die Vorstellung der Formulierungen“, so der Experte.

    Mehr zum Thema: Der lange Weg Erdogans zur Entschuldigung

    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan
    © REUTERS / Kayhan Ozer/Presidential Palace
    Laut dem Professor der Universität Bilkent in Ankara, Onur Işçi, gibt es keine zwei Varianten des Textes. „Erdogan bestätigte in einer offiziellen Mitteilung für die Türken, dass er wegen des Vorfalls am Himmel und des Todes des Piloten sein tiefes Beileid äußerte“, so der Experte. Ihm zufolge bleibt die Syrien-Frage der wichtigste Grund der Widersprüche. Seit 200 Jahren sei die Linie von der Krim bis zu Syrien eine Konfrontationslinie.

    Schumilin zufolge wird die Türkei ihre Position nicht ändern. „Die Position Moskaus und Ankaras sind polar – die Türkei will beispielsweise einen unverzüglichen Rücktritt von Baschar Assad, während Russland von Bedingungen seines allmählichen Rücktritts spricht. Die syrischen Kurden werden von Erdogan als Reizfaktor wahrgenommen, während Moskau den kurdischen Faktor stärkte, sich dabei aber klar war, dass es scheitern wird. Es stellt sich also heraus, dass Ankara seinen Kurs verfolgt und Moskau den Syrien-Kurs seit drei Monaten ändert. Kann sein, dass es Zugeständnisse bei der Syrien-Frage im Tausch gegen die Entschuldigungen der Türkei gegeben hat“, so der Experte.

    Der türkische Experte teilt diese Meinung aber nicht. Die Türkei ändere ihre Prioritäten, darunter in Bezug auf Syrien. „Gerade aus Syrien bekommen wir Signale, die uns verwirren, gerade dort könnten Russland und die Türkei in einen unerwünschten Konflikt hineingezogen werden, für den das abgeschossene Flugzeug ein Symbol ist. Der Rücktritt Assads um jeden Preis ist nicht mehr die einzige Variante.“

    Die Schaffung eines autonomen bzw. unabhängigen Kurdistans in Syrien sei unzulässig für die Türkei. Ein zentralisiertes Syrien sei für Erdogan vorteilhafter als jede Form der Föderalisierung. Seitdem die USA die syrischen Kurden aktiv unterstützen, sei es für Moskau und Ankara einfacher geworden, eine gemeinsame Sprache zu finden und gegenseitige Zugeständnisse zu machen, so der Experte.

    Gegenseitige Zugeständnisse sind bereits im Touristenbereich zu erkennen. Russische Touristen dürfen wieder in die Türkei reisen. Laut Konstantin Pobedkin vom Portal Onlinetours.ru kann die Türkei bereits im August ihre Spitzenpositionen im Tourismusbereich wiedergewinnen.

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    Baschar al-Assad, Recep Tayyip Erdogan, Wladimir Putin, Russland, Türkei, Syrien