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    Der bei dem Referendum getroffene Beschluss über den EU-Austritt Großbritanniens hat bislang zwar nicht zur Revision der Prinzipien des Zusammenwirkens mit Brüssel geführt, provoziert jedoch bereits den Umbau der politischen Landschaft des Landes, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch.

    Während die Konservativen mit der Wahl eines neuen Parteichefs und Premiers beginnen, rebelliert die Labour-Partei gegen ihren Chef Jeremy Corbyn. Die Brexit-Gegner, die in der Labour-Partei die Mehrheit haben, werfen dem Politiker Passivität während der Wahlkampagne vor.

    Die offene Revolte gegen Labour-Chef Jeremy Corbyn verschärft sich. Der stellvertretende Parteichef Tom Watson versuchte am Dienstag, die Anführer der britischen Gewerkschaften und die größten Sponsoren der Labour-Partei dazu zu bewegen, auf die Unterstützung des Politikers zu verzichten, der die Partei seit September 2015 leitet. Einen Tag zuvor hatte sich Watson mit seinem politischen Rivalen getroffen und ihn zum Rücktritt aufgerufen. Zuvor hatten sich etliche Vertreter der Partei gegen Corbyn ausgesprochen. In den britischen Medien wird davon gesprochen, dass die seit langem existierenden Widersprüche in der Labour-Partei zu einer großangelegten Spaltung führen können.

    Zum Antrieb wurde das Brexit-Referendum. „Die Labour-Partei hat diejenigen unterstützt, die für den Verbleib in der EU und die weitere Integration waren, wenn auch mit gewissen Einschränkungen. Das ist eine prinzipielle Position mindestens seit Blair-Zeiten“, sagte die Europa-Expertin Ljudmila Babynina. „Zugleich kann Corbyn persönlich nicht als Enthusiast der EU-Integration bezeichnet werden. Bei der Kampagne gab er keine eindeutigen, einfachen Antworten auf die gestellten Fragen. Deswegen wurde ihm Passivität vorgeworfen.“

    Nach dem Brexit erklärten zwei Drittel der Mitglieder des Schattenkabinetts den Rücktritt. Danach gab es bei der Labour-Fraktionssitzung eine Abstimmung über das Vertrauen zum Parteichef. Gegen Corbyn äußerten sich 172 Mitglieder des House of Commons, für ihn stimmten nur 40.

    Als Anführer der Revolte gilt die ehemalige Schattenministerin Angela Eagle, die den Posten der Parteichefin beanspruchen soll. Eagle ruft Corbyn dazu auf, „eine richtige Sache für die Partei und das Land zu machen“ – zurückzutreten. Dabei kann sie wohl die Stimmen der 20 Prozent der Abgeordneten des House of Commons und des EU-Parlaments bekommen, um vorgezogene Wahlen des Parteichefs zu organisieren. 

    Auch Premier David Cameron rief die Labour-Partei zu einer neuen Abstimmung auf. Er deutete darauf hin, dass er Corbyn für die Spaltung der größten Oppositionspartei verantwortlich macht, und sagte: „Vielleicht liegt es im Interesse meiner Partei, dass er bleibt, doch es liegt nicht im nationalen Interesse.“

    Corbyn weigert sich zurückzutreten. Er veröffentlichte am Montag ein Video, in dem er seine Mitstreiter zum Zusammenschluss aufrief und daran erinnerte, dass er vor neun Monaten bei der Wahl des Parteichefs 60 Prozent der Stimmen erhalten hatte. „Die Parteimitglieder erwarten von uns allen – von mir als ihrem Anführer und von den Parlamentsmitgliedern – Arbeit im Interesse des ganzen Landes“, sagte Corbyn in dem Video.

    Experten zufolge steckt die Labour-Partei wegen der Debatten um den Brexit in einer ernsthaften Identitätskrise. Die traditionellen Wähler der Labour-Partei seien Vertreter der unteren Mittelschicht, die für den Brexit stimmten. Sie unterstützten also die Position von Corbyn und nicht die der anderen Parteielite. Eine völlige Spaltung sei zwar in nächster Zukunft nicht zu erwarten, doch die Partei müsse ihre politischen Richtlinien revidieren, um mehr die Interessen der eigenen Wähler widerzuspiegeln, so die Expertin.

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    Brexit, Labour Party, EU, Jeremy Corbyn, David Cameron, Großbritannien