07:17 25 Juni 2017
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    Flagge der Terrorgruppierung Islamischer Staat in Palmyra

    IS bereitet Anhänger auf möglichen Zusammenbruch des selbsternannten „Kalifats“ vor

    © REUTERS/ SANA
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Das vor zwei Jahren ausgerufene Kalifat des „Islamischen Staates“ (IS) bereitet sich angesichts der erfolgreichen Offensive der irakischen Armee auf Mossul auf den Zusammenbruch vor, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Donnerstag.

    Während im Irak die Armee Erfolge verzeichnet, stockt dieser Prozess in Syrien, in vielerlei Hinsicht wegen des andauernden Konfliktes zwischen den Aufständischen und der Regierungsarmee. US-Außenminister John Kerry kommt am Donnerstag nach Moskau, um Russland den „letzten Vorschlag“ zu Syrien zu unterbreiten.

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    Die IS-Anführer geben immer öfter zu, dass sie auf dem Kampffeld Niederlagen erleiden und die von ihnen eingenommenen Städte demnächst zurückerobert werden könnten, berichtet die „Washington Post“. „Unsere wichtigste Infrastruktur im Irak und Syrien wird angegriffen, doch wir haben es geschafft, sie zu erweitern. Ein Teil des Kommandonetzes sowie Medien- und Finanzressourcen wurden in andere Länder verlagert“, sagte ein Vertreter des IS.

    Seit Jahresbeginn verlor der IS zwölf Prozent seiner Gebiete. Demnächst könnte das selbst ernannte Kalifat auch die letzten eroberten Territorien einbüßen. Bedroht sind zwei IS-Hochburgen – Mossul im Irak und Rakka in Syrien. Mossul mit seinen 1,5 Millionen Einwohnern ist die größte Stadt, die von den Terroristen eingenommen wurde; mit ihrer Eroberung hatte der Aufbau des Kalifats begonnen.

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    Die Terroristen wollen aber nicht aufgeben – die jüngsten Terroranschläge in Istanbul und Bagdad waren eine Antwort auf die Niederlagen an der Front. Experten zufolge werden solche Anschläge sogar zunehmen. Der islamische Quasi-Staat verwandelt sich in ein diffuses Netz mit Filialen und Zellen auf mindestens drei Kontinenten, so die „Washington Post“.

    IS-Terroristen
    © AP Photo/ Militant Website, File
    Die europäischen Geheimdienste bestätigten die wachsenden Terrorgefahren und fügten hinzu, dass eine neue Welle der Terroraktivität bereits aktiv im Gange sei.

    Allerdings meinen Experten, dass der Untergang des Kalifat kaum schnell erfolgen wird. Laut dem Politologen Weniamin Popow schließen sich ihm weiterhin viele junge Männer an. Trotz der Erfolge der Armeen werde man noch einige Zeit mit dem IS koexistieren müssen. Der Sieg an der Front würde es nicht ermöglichen, diese Pest auszurotten. Es gebe sehr viele arbeitslose junge Muslime, die im IS ihre letzte Hoffnung sehen und bereit seien, unter dessen Fahne zu kämpfen. Es sei kein Geheimnis, dass die Dschihadisten neue Plattformen in Libyen, Afghanistan und den afrikanischen Ländern suchen. Bekannt sei auch die Stärke der Terrormiliz, die während des Fastenmonats Ramadan grausame Anschläge gegen Gleichgläubige in der Türkei und im Irak verübte.

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    Während im Irak Militärerfolge zu erkennen sind, stockt die Situation in Syrien weiterhin wegen der andauernden Zusammenstöße zwischen den Regierungstruppen und den Aufständischen, die Assads Rücktritt fordern. In Aleppo bereiten sich die Einwohner auf eine lange Blockade vor. Zuvor schnitten Assad-treue Soldaten die Hälfte der Stadt vom Versorgungsnetz und den Lebensmittellieferungen ab. Hunderttausende Menschen befinden sich in einer Blockade. Der mögliche Fall von Aleppo könnte zu einem Wendepunkt des Bürgerkrieges werden – es ist nicht nur die größte Stadt Syriens, sondern auch eines der Symbole für den Kampf gegen das Assad-Regime.

    Laut der US-Botschafterin bei der UNO, Samantha Power, wird die Einkesselung von Aleppo „potentiell zerstörerische Folgen“ haben. Moskau als einer der Initiatoren der Einstellung der Kampfhandlungen müsse Damaskus unter Druck setzen und die Behörden zur Einstellung der Belagerung bewegen.

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    Die Syrien-Frage wird im Mittelpunkt der Verhandlungen von US-Außenminister John Kerry mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin und Außenminister Sergej Lawrow stehen.

    Nach Angaben der „New York Times“ wird Kerry bei dem Treffen den „letzten Vorschlag“ der jetzigen US-Administration zu Syrien unterbreiten. Laut „Washington Post“ wird Kerry vielleicht vorschlagen, eine gemeinsame Gruppe zum Austausch von operativen und Aufklärungsinformationen zu schaffen, um die Handlungen der Terrorgruppe Dschebhat an-Nusra zu verfolgen. Zudem würde Kerry versuchen, Moskau davon zu überzeugen, die Luftangriffe gegen den IS mit den USA zu synchronisieren.

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    Tags:
    Terrorbekämpfung, Terrormiliz Daesh, Samantha Power, John Kerry, Bagdad, Syrien, Irak, USA
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