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    Weltweit gefährlichste Bank: Was bei einer Insolvenz der Deutschen Bank droht

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    Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat im Juni die Deutsche Bank als weltweit riskantestes Finanzinstitut eingestuft, schreibt die „RBC“ am Montag.

    Die amerikanische Notenbank Fed berichtete im Juni, dass die Deutsche Bank in den USA den Stresstest wegen ungenügender Risikosteuerung und Finanzplanung nicht bestanden hat. An dem Test nahmen insgesamt 33 Banken teil, durchgefallen waren nur die Deutsche Bank und die spanische Santander.

    Vor diesem Hintergrund sanken die Aktien der Deutschen Bank auf einen Rekord-Tiefstand seit 30 Jahren – 12,37 Euro pro Aktie. Experten zufolge wird die Deutsche Bank kaum das Schicksal von Lehman Brothers ereilen, falls es jedoch dazu komme, könnten die Folgen für das Weltfinanzsystem katastrophal sein.

    Der deutsche Finanzsektor spielt eine wichtige Rolle in der Weltwirtschaft. Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ist der deutsche Markt für die Steuerung von Aktiva die drittgrößte in Europa. In Deutschland befinden sich zwei von 30 Banken von globaler Bedeutung – die Deutsche Bank AG und die Allianz SE, mit Eurex Clearing einer der weltweit größten Aktienmärkte, sowie viele kleinere Banken und Versicherungsunternehmen.

    Wie es in dem IWF-Bericht hieß, hängt die Deutsche Bank innerhalb des Landes mit vielen anderen börsennotierten Banken und Versicherungsunternehmen zusammen, womit sie eine Quelle der Verseuchung des Finanzmarktes werden kann. Die Verschlechterung der Situation im deutschen Bankensystem könnte eine Kettenreaktion und eine Bankenkrise in der Welt auslösen. Dabei werde der Schaden für das deutsche Bankensystem geringer als für das Weltfinanzsystem sein, so IWF.

    Zum ersten Mal wurde über die Insolvenz der Deutschen Bank 2013 diskutiert, als die Bank zugegeben hatte, dass sie zusätzliches Kapital braucht. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Bank zum ersten Mal seit 2008 reine Verluste im Wert von 6,8 Milliarden Euro. Die Verluste waren mit dem Rückgang des Investmentgeschäfts, der Betreuung von natürlichen Personen und hohen Gerichtskosten verbunden. In den letzten Jahren versuchte die Deutsche Bank, ihr Geschäft umzustellen. Im Oktober 2015 wurde vom neuen Co-Direktor John Cryan ein großangelegtes Umbauprogramm gestartet, das Personalabbau und die Umgestaltung der Operationen vorsah. Allerdings sind bislang keine bedeutsamen Ergebnisse zu erkennen.

    Die Berenberg Bank berichtete im Mai, dass die Schuldenlast bei der Deutschen Bank in einem Verhältnis von 40:1 lag. Laut dem Bankanalysten James Chappell ist das deutlich zu viel.

    Die Aufgabe zur Stabilisierung der Deutschen Bank könnte sich als unlösbar erweisen, so Chappell. „Es ist schwer zu verstehen, wie die Bank das Problem mit nicht liquiden Schulden und dem Rückgang der Gewinne ohne zusätzliche Kapitalheranziehung lösen kann“, so Chappell. Die Situation spitze sich auch durch die Europäische Zentralbank (EZB) zu, deren Politik der niedrigen Zinnsätze sich negativ auf die Gewinne der Bank auswirkt.

    Laut der Ökonomin Natalia Orlowa ist der Vergleich zwischen der Deutschen Bank und Lehman Brothers zwar etwas übertrieben, obwohl auch die Deutsche Bank als großer internationaler Akteur eine Kettenreaktion provozieren kann. „Die Situation um die Deutsche Bank ist etwas anders – seit 2008 haben die Regulierer ihre Positionen stark verschärft. Es wurden neue Parameter der Banken-Berichterstattung eingeführt, die Verpflichtungen der Banken sind viel geringer als in der Zeit von Lehman Brothers“, so die Expertin.

    Alexander Orlow von Arbat Capital zufolge ist die Wahrscheinlichkeit der Insolvenz der Deutschen Bank derzeit gering, doch wenn es dazu komme, würden die Folgen viel schwerwiegender als 2008 sein. Der Effekt werde katastrophal sein, so der Experte.  Laut Orlow besteht das Hauptproblem der Deutschen Bank in dem hohen Grad der Verschuldung. Rund 1,7 Billionen US-Dollar Aktiva werden durch nur 700 Milliarden US-Dollar Depositen finanziert.

    Auch der Brexit kann sich auf die Kennzahlen der Bank negativ auswirken. 2015 erhielt die Deutsche Bank fast 20 Prozent der Gewinne aus dem Geschäft in Großbritannien. Nach Bloomberg-Angaben kündigte Cryan im Mai Pläne an, das Geschäft aus London abzuziehen.

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    Aktien, Wirtschaft, Markt, Internationaler Währungsfonds (IMF), Deutsche Bank, Europa, USA, Deutschland