04:44 24 Januar 2018
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    Ein Zug der russischen Eisenbahn AG RZD (im Hintergrund Büroviertel Moscow City)

    Berliner Schnellstrecken: Deutsche Initiative will in russisches Bahnnetz investieren

    © Sputnik/ Mikhail Voskresensky
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    Die Deutsche Initiative für Hochgeschwindigkeitsverkehr (HGV) hat der Russischen Eisenbahn AG (RZD) vorgeschlagen, den Bau einer Schnellstrecke zwischen Moskau und Kasan mit einer Summe von mehr als zwei Milliarden Euro, Technologietransfer und der Lokalisierung der Produktion von Zügen zu unterstützen, schreibt „Kommersant“ am Donnerstag.

    Früher hatte auch China seine Bereitschaft zur Finanzierung der Hochgeschwindigkeitsstrecke in Russland angekündigt.

    Laut einer „Kommersant“-Quelle traf sich die Leitung der Russischen Eisenbahn AG am 6. Juli mit dem Präsidenten von Siemens Russland, Dietrich Möller, wobei die Bereitstellung eines Kredits deutscher Finanzinstitute im Wert von mindestens 1,5 Milliarden Euro zum Bau der Infrastruktur und ab 700 Millionen Euro zum Kauf der Züge besprochen wurde.

    Die Russische Eisenbahn AG erhielt außerdem ein Schreiben von Jochen Eickholt, CEO der Division Mobility von Siemens AG, in dem über die Bereitschaft der deutschen Initiative informiert wurde, mehr als zwei Milliarden Euro im Rahmen der Deckung durch die Kreditanstalt Euler Hermes bereitzustellen, in das Kapital des Konzessionärs einzusteigen sowie den Technologietransfer und die Lokalisierung der Herstellung von Zügen zu sichern.

    Das Projekt soll in Form einer Konzession mit Russland als Konzedent und den Projektunternehmen mit der RZD-Tochter Skorostnyje Magistrali (Hochgeschwindigkeitsbahnen) an der Spitze als Konzessionäre umgesetzt werden.Die Russische Eisenbahn AG erreichte bereits eine Vereinbarung mit China, das ebenfalls am Aktienkapital sowie bei der Kreditierung beteiligt sein wird. Das Konsortium „Seidenstraße“ wird 52 Milliarden Rubel und eine Milliarde US-Dollar zum Kapital der Konzessionäre für die erste und zweite Strecke beisteuern. Die China Development Bank wird 400 Milliarden Rubel als Kredit bereitstellen.

    Der Vorschlag der Deutschen Initiative für Hochgeschwindigkeitsverkehr dehnt sich nur auf den zweiten Teil der Schnellstrecke Nischni Nowgorod-Kasan aus. Wie der chinesische Vorschlag sieht er die Bereitstellung von 501,4 Milliarden Rubel vor; davon werden 75 Milliarden das Stammkapital des Konzessionärs und der Rest Kredite sein.

    Laut einer der Russischen Eisenbahn nahestehenden Quelle wird das Angebot derzeit mit den Deutschen besprochen. „Die Deutsche Initiative berichtete, sie sei bereit, an dem Projekt ausgehend vom bereits gebildeten organisatorisch-rechtlichen Modell teilzunehmen“, so die Quelle. Wie es bei Siemens hieß, ist die Deutsche Initiative bereit, nicht nur an der Lieferung von Lösungen und Technologien, sondern auch an der Finanzierung teilzunehmen. Das Unternehmen sei auch an der Lokalisierung der Produktion und am Technologietransfer interessiert.

    Allerdings gingen die Verhandlungen mit den Deutschen viel schleppender als mit den Chinesen voran, so die Quelle. „Mit der Deutschen Initiative sind wir heute ungefähr in der Phase, wie mit den Chinesen vor einem halben Jahr“, sagte der Vizepräsident der Russischen Eisenbahn AG, Alexander Mischarin, im Juni. „Es soll nicht der Eindruck entstehen – die Chinesen und niemand anderer. Wir wählen ein konkurrenzfähiges Angebot.“

    Hyperloop
    © AFP 2018/ John GURZINSKI
    Einer Quelle der Zeitung zufolge wird die Wahl des deutschen Angebots durch die Sanktionen behindert – bei einer Lockerung der Sanktionen würde es funktionieren, unter den jetzigen Bedingungen jedoch nicht. Allerdings behaupten die Partner, dass sie auch unter jetzigen Bedingungen die Finanzierung bereitstellen können.

    Laut der Anwältin Nadeschda Podkorytowa gehört die Russische Eisenbahn AG zwar nicht zu den Unternehmen auf der Sanktionsliste der EU und Deutschlands und es gibt keine direkten Verbote für die Umsetzung des Projekts, allerdings sehe das Format der Sanktionen ihre Erweiterung auf Initiative der EU vor, was nicht ausgeschlossen werden könne.

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    Tags:
    Eisenbahn, Hochgeschwindigkeitsverkehr, RZD-Bahnkonzern, China, Russland, Deutschland