Widgets Magazine
03:54 18 Oktober 2019
SNA Radio
    Kandidatin der Demokratischen Partei, Hillary Clinton, und Republikaner Donald Trump

    Berlin hofft auf Clinton – aber stellt sich auf Trump ein

    © Flickr/ Ted Eytan
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Von
    9443
    Abonnieren

    Deutschland verfolgt aufmerksam die Präsidentschaftswahlkampagne in den USA. So berichteten die Medien in der Bundesrepublik ausführlich über den jüngsten Parteitag der Republikanischen Partei in Cleveland, auf dem Donald Trump offiziell zum Präsidentschaftskandidaten gewählt wurde, wie die "Nesawissimaja Gaseta" am Donnerstag schreibt.

    Dabei allerdings wird Trump immer wieder als Populist dargestellt. Sein überzeugender Erfolg zwingt Berlin jedoch dazu, den exzentrischen Milliardär im Hinblick auf die Wahlen in Übersee im November ernst zu nehmen.

    Die Bundesregierung, die üblicherweise gern über die Innenpolitik anderer Länder redet, vermeidet offizielle Einschätzungen zum Sieg Trumps auf dem Parteitag. Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat sich aber zu den Ereignissen in Cleveland in einem Reuters-Interview geäußert.

    Darin räumte er unter anderem ein, dass Trump auf der einen Seite Amerika wieder stark machen, auf der anderen Seite allerdings die Aktivitäten seines Landes außerhalb seiner Grenzen möglichst reduzieren wolle. Eine solche Politik wäre jedoch sowohl für die USA selbst als auch für Europa gefährlich, und zwar vor allem im Sicherheitsbereich, warnte der Außenminister.

    Auch zahlreiche CDU-Politiker, darunter aus dem Umfeld von Kanzlerin Angela Merkel, verhalten sich zu Trump eher misstrauisch. In Berlin rechnet man damit, dass Washingtons Politik nachhaltig sein werde, und aus dieser Sicht wäre ein Wahlsieg von Hillary Clinton wohl günstiger für die Bundesrepublik. So unterstützte Steinmeier offen die wahrscheinliche Kandidatin der Demokraten und wünschte ihr viel Erfolg. Das hatte der Chefdiplomat zweifellos zuvor mit seinen CDU-Partnern abgesprochen.

    Aber Clinton muss ihr Recht auf den letzten Kampf um den Einzug in das Weiße Haus noch verteidigen, und Trump steht als Kandidat seiner Partei bereits fest. „Er war ein Außenseiter. Belächelt und umstritten. Und doch hat er nun das scheinbar Unmögliche geschafft: Donald Trump wird für die US-Republikaner in den Präsidentschaftswahlkampf ziehen“, schreibt Die Welt dazu.

    Die Ergebnisse der Abstimmung in Cleveland sind trotzdem überraschend. Viele deutsche Medien hatten vorhergesagt, Trumps Gegner würden sich etwas einfallen lassen, um seinen Erfolg zu verhindern, oder sogar einen anderen Kandidaten vorbringen. Aber dies ist nicht passiert: Für Trump haben insgesamt 1725 Teilnehmer des Forums gestimmt.

    Manche Experten vermuten inzwischen, dass ein Teil des amerikanischen Establishments schon jetzt darum bemüht ist, sich den neuen Umständen anzupassen. In Berlin wird gerätselt, was Trumps Erfolgsgeheimnis ist. In diesem Zusammenhang werden Aussagen der Amerikaner angeführt, dass der Milliardär „darüber spricht, was die Elite vergessen hat“. Zitiert werden aber auch Clintons Aufrufe via Twitter, Trump auf dem Weg ins Weiße Haus aufzuhalten. Einige Medien führen Ergebnisse von Umfragen an, denen zufolge der Immobilienmakler hinter der früheren Außenministerin um einige Prozente zurückliegen würde.

    Aber auch mit Clinton könnten die Deutschen Probleme haben. Auffallend ist eine weitere Bemerkung Der Welt: „Noch nie waren die beiden Spitzenkandidaten der großen Parteien so unbeliebt. Es ist ein staunend machendes Rennen, vollkommen offen.“ Denn als Außenministerin hatte Clinton einmal Berlins Aufruf zum Abzug der US-Atomwaffen vom deutschen Territorium hart und grob zurückgewiesen. Ähnlich könnte sie auch als Präsidentin handeln.

    Nicht zu vergessen ist auch, dass Merkel seit Jahren als weltweit mächtigste Frau der Welt gilt, und sie würde diesen Titel wohl nur ungern Hillary Clinton überlassen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    „Protestkunst“: Über 100 Frauen ziehen sich gegen Trump aus - VIDEO
    Trump: Hillary Clintons „dumme Politik“ Schuld an Entstehung von „Islamischem Staat“
    Falschaussage in E-Mail-Affäre? – US-Kongress fordert neues Verfahren gegen Clinton
    Clinton schnappt sich Ex-Nato-Admiral als Vize
    Tags:
    US-Präsidentschaftswahl, CDU, Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier, Hillary Clinton, Donald Trump, Washington, USA, Berlin, Deutschland