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    IOC setzt richtige Akzente – wie Rio 2016 von der Politik befreit wurde

    © REUTERS / Pilar Olivares
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    Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat auf die Suspendierung des gesamten russischen Teams von den Spielen in Rio de Janeiro verzichtet, schreibt die Zeitung „RBC Daily“ am Montag.

    Die Entscheidung über die Teilnahme der russischen Sportler sei den internationalen Verbänden in den jeweiligen Sportarten überlassen worden, teilte IOC-Präsident Thomas Bach nach einer Fernsehkonferenz in Lausanne mit, an der sich 15 Funktionäre beteiligt hatten. Die Entscheidung sei einstimmig getroffen worden, wobei sich ein Teilnehmer der Stimme entzogen habe, ergänzte Bach.

    Der frühere Leiter der Internationalen Anti-Doping-Agentur (Wada), Dick Pound, machte seinem Ärger über den IOC-Beschluss Luft. „Das IOC hat heute einen Fehler begangen, indem es die gesamte russische Mannschaft nicht von den Spielen in Rio de Janeiro ausschloss. Der Staat ist in die Dopingpraxis der Sportler involviert“, betonte er.

    Laut der IOC-Erklärung richtete sich das Komitee bei der Beschlussfassung nach der fundamentalen Regel der Olympia-Charta, „saubere“ Sportler und die Einheit des Sports zu verteidigen.

    Darauf hatte auch die russische Führung die ganze Zeit bestanden. „Saubere Athleten, die nie gedopt haben, dürfen nicht leiden, nur weil jemand der Anwendung von verbotenen Substanzen überführt wurde. Diese Position wird zweifellos auf verschiedenen Ebenen verteidigt werden“, hatte zuvor Präsident Putins Sprecher Dmitri Peskow erklärt.

    Russische Sportfunktionäre, Politiker und Sportler nannten die IOC-Entscheidung optimal und „unpolitisch“. „Das IOC hat heute seine Objektivität, Ernsthaftigkeit und Ausgeglichenheit gezeigt“, sagte Sportminister Vitali Mutko.

    „Das ist eine absolut sportliche Entscheidung“, erklärte seinerseits der Olympiasieger im Ringen und Abgeordnete der Staatsduma (Parlamentsunterhaus), Alexander Karelin. „Wenn man bedenkt, wie die ganze Situation dargestellt wurde und wie die Ausgangsposition des IOC (anhand des Wada-Berichtes) war, ist das natürlich eine faire Entscheidung.“

    Die Hauptsache sei, „dass die Sportler unter unserer Flagge auftreten dürfen“, stimmte der frühere Leiter des russischen Leichtathletik-Verbandes, Valentin Balachnitschow, zu.

    Die russischen Sportler müssen einen Teil der kollektiven Verantwortung übernehmen, die Unschuldsvermutung könne in dieser Situation nicht berücksichtigt werden, geht aus der IOC-Erklärung hervor. Auf der anderen Seite müssen für sie die Rechtsnormen gelten, so dass jeder Sportler die Möglichkeit bekommen müsse, seine Antwort zu geben.

    Über die Zulassung der russischen Athleten zu den Spielen in Rio de Janeiro müssen die 28 Verbände in den einzelnen Sportarten entscheiden. Dabei werden sie die „Doping-Geschichte“ jedes einzelnen Sportlers analysieren, die Informationen aus dem Wada-Bericht überprüfen und diejenigen Sportler suspendieren, die in den Doping-Skandal verwickelt waren bzw. sind.

    Mehr zum Thema: Doping-Skandal

    Athleten, die früher des Dopings überführt worden waren, dürfen nicht nach Rio de Janeiro reisen, selbst wenn ihre Disqualifikation bereits abgelaufen sei, heißt in der IOC-Erklärung. Unlängst war bereits die gesamte russische Leichtathletik-Mannschaft suspendiert worden. Ohne die Leichtathleten zählt das Team insgesamt 319 Sportler.

    Auch alle offiziellen Vertreter des russischen Sportministeriums werden keine Akkreditierung für die Spiele in Brasilien bekommen, bestätigte das IOC.

    Nach der Veröffentlichung des Wada-Berichts hatte sich Präsident Putin gegen die Politisierung des Sportes und gegen diese oder jene Boykotte ausgesprochen, wie sie früher vorgekommen waren.

    Angesichts der Entscheidung des IOC haben die russischen Behörden, die dem Westen eine antirussische Kampagne vorgeworfen hatten, alle politischen Trümpfe verloren, meint Andrej Kolesnikow vom Moskauer Carnegie-Center. Dadurch sei ein neuer anti-westlicher Aufschwung in Russland vorerst gestoppt worden.

    „Wenn das IOC die gesamte russische Mannschaft von der Olympiade suspendiert hätte, wäre dadurch eine neue Eskalation ausgelöst worden“, stimmte der Politologe Alexej Makarkin zu. Denn die Behörden würden das unbedingt als eine „westliche Verschwörung“ deuten, vermutete er.

    Das IOC hätte keine andere Entscheidung treffen können, denn die Suspendierung der gesamten Mannschaft wäre „zu arrogant“ gewesen, und der Westen habe sich inzwischen davon überzeugt, dass Russland keine politischen Zugeständnisse machen würde, sagte seinerseits der Vizevorsitzende des Auswärtigen Ausschusses in der Staatsduma, Leonid Kalaschnikow.

    „Der Sport und die Politik sind sehr eng verbunden, aber es wäre sinnlos, die Situation durch die Politisierung dieser oder jener Entscheidung noch mehr anzuspannen“, erklärt der Chefredakteur des Magazins „Russia in global Affairs“, Fjodor Lukjanow. „Trotz gewisser Wellen im Propaganda-Bereich war die Reaktion der russischen höchsten politischen Führung durchaus angemessen.“

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    Tags:
    Doping, Olympische Spiele in Rio de Janeiro, WADA, IOC, Alexander Karelin, Vitali Mutko, Dmitri Peskow, Dick Pound, Thomas Bach, Brasilien, Russland