23:08 24 November 2017
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    EU-Banken-Stresstest verheißt nichts Gutes

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    Für Freitagabend werden die Ergebnisse der Stress-Tests für 51 europäische Banken erwartet, auf die etwa 70 Prozent aller europäischen Banken-Aktiva entfallen. Gerechnet wird mit zwei Szenarien, wie die Zeitung "Wedomosti" am Dienstag schreibt.

    Das Basisszenario richtet sich nach der entsprechenden Prognose der EU-Kommission bis 2018. Ein negatives Szenario jedoch geht von einer Rezession in den Jahren 2016 und 2017 und einem schwachen Wachstum 2018, einen weiteren Fall des Ölpreises sowie einer Erhöhung des Leitzins aus.

    „Wenn es Überraschungen geben wird, dann eher negative“, so der Analyst Paul Fenner-Leitao von der Bank Societe Generale. „Man kann zwar von ihnen absehen, aber die Stresstests werden die Investoren ermahnen, dass in Europa nach der Krise 2008 alles nicht gut ist.“

    Die Aktien der italienischen Bank Monte Paschi, die 2014 bei den Stresstests gescheitert war, haben am Montag 8,4 Prozent ihres Wertes verloren. Zwar gibt es kein Kriterium nach dem Prinzip „Bestanden/Durchgefallen“, aber die Wahrscheinlichkeit, dass bei der Monte Paschi wieder ein Kapitalmangel festgestellt wird, ist groß.

    Insgesamt halten italienische Banken derweil faule Kredite im Wert von etwa 360 Milliarden Euro. Italien hatte zwar eine Rekapitalisierung seiner Banken noch vor der Veröffentlichung der Ergebnisse der Stresstests versprochen, aber bislang wurde noch keine Einigung mit der EU-Führung erreicht. Laut den EU-Regeln dürfen Banken keine staatliche Unterstützung bekommen, solange die Inhaber der Schuldverschreibungen nicht einen Teil der Verluste mittragen. Dies allerdings will Italien jedoch vermeiden. „Möglicherweise lassen sie sich etwas Kreatives einfallen, um die Monte Paschi zu retten, aber angesichts des Umfangs des Problems und der politischen Interessen aller Seiten glaube ich nicht, dass eine positive Lösung bald möglich ist“, sagte der Analyst der AllianceBernstein, Steve Hussey, gegenüber Bloomberg.

    Der Experte Fenner-Leitao schloss seinerseits zudem nicht aus, dass bei den Stresstests auch Probleme bei skandinavischen sowie bei einigen österreichischen und deutschen Finanzinstituten, darunter bei der Deutschen Bank, ans Licht kommen könnten.

    Wegen der Probleme der italienischen Banken litten diverse Fonds, die ihre Mittel in italienische Aktien investieren, unter Kapitalflucht, berichtet die britische Zeitung "Financial Times". Seit Januar habe der Fonds iShares MSCI Italy Capped beispielsweise die Hälfte seiner Aktiva verloren – genauso wie iShares Currency Hedged MSCI Italy ETF.

    Fast alle europäischen Banken bemühen sich um die Ausgabenkürzung und planen in diesem Zusammenhang die Entlassung von vielen Mitarbeitern. Die italienische UniCredit hat beispielsweise 143.000 Mitarbeiter, von denen sich manche bald einen neuen Job suchen müssen. Ähnlich sind die Pläne der französischen Societe Generale und der britischen Lloyds Banking Group. Die britische Barclays hat seit Dezember 2015 etwa 11.000 Arbeitsplätze gestrichen und wird in absehbarer Zeit noch 40.000 Mitarbeiter wegen des Verkaufs ihres afrikanischen Geschäfts entlassen. Die britische BBVA will 1500 Arbeitsplätze streichen.

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    Tags:
    Monte Paschi, Steve Hussey, Italien, Europäische Union