00:52 18 November 2018
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    Kreuzprozession russischer und ukrainischer Orthodoxer bei Kiew

    Kreuzprozession russischer und ukrainischer Orthodoxer: Kiew befürchtet Übergriffe

    © Foto: Holy Dormition Pochayiv Lavra
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    Die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats will von Dienstag bis Donnerstag eine Kreuzprozession in Kiew abhalten. Ukrainische Nationalisten haben den Gläubigen angedroht, die Prozession zu stören. Oppositionelle Politiker mahnen die Regierung, für ausreichenden Schutz des friedlichen Umzugs zu sorgen.

    In zwei Festzügen begeben sich die ukrainisch-orthodoxen Christen bei der Kreuzprozession auf Kiew zu – eine Kolonne aus westlicher, eine aus südöstlicher Richtung, berichtet die "Nesawissimaja Gaseta" am Dienstag. In der ukrainischen Hauptstadt wollen sich die beiden Prozessionen des Moskauer Patriarchats heute vereinen.

    Ukrainische Nationalisten haben letzte Woche damit gedroht, den Prozessionsteilnehmern den Weg nach Kiew zu versperren. An den Stadtgrenzen haben sie zwei Kontrollposten aufgestellt. Die an der Prozession teilnehmenden Oppositionspolitiker warnen: Sollte die Regierung die Gläubigen nicht ausreichend schützen, werde schon bald die Frage nach vorzeitigen Neuwahlen des Parlaments und des Präsidenten gestellt.

    Immer wieder tauchten in den Medien Berichte über mögliche Provokationen während der Prozession auf. In Kiew herrscht Anspannung. Der Mordanschlag auf den Journalisten Pawel Scheremet im Zentrum der Hauptstadt, die allgegenwärtige Unzufriedenheit mit den steigenden Preisen für Gas und Kommunalleistungen, die gestern aufgenommenen Proteste von Kunden insolventer Banken – heute wollen sie sich zu Kundgebungen vor der Präsidialverwaltung versammeln – heizen die Stimmung weiter an.

    Der Metropolit Antonij (Pakanitsch), oberster Verwalter der Ukrainisch-Orthodoxen-Kirche, appellierte im Vorfeld der Kreuzprozession an die Gläubigen: „Diese Kreuzprozession hat mit der Hoffnung auf den langersehnten Frieden in der Ukraine begonnen. Denn unser Land – von Krieg, Hass, Blutvergießen ausgezehrt – braucht den Frieden wie nie zuvor. Eben deshalb ist eine derart große Kreuzprozession organisiert worden, die dazu berufen ist, das Land von West bis Ost, von Nord bis Süd zu vereinen“, sagte der Geistliche.

    Ukrainische Sicherheitsbehörden haben eigens einen Stab eingerichtet, um ihr Vorgehen während der gesamten Prozession zu koordinieren. Rund 4.500 Sicherheitsbeamte sollen für die Sicherheit der Prozessionsteilnehmer sorgen.

    Der Chef des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU, Wassili Grizak, erklärte: „An der Kreuzprozession nehmen echte Gläubige teil, die der Ukraine Frieden und Wohlstand wünschen.“ Die Regierung in Kiew fürchte jedoch, dass in die Reihen der Gläubigen Menschen eintreten, „die von Gott weit entfernt sind, und jeden Anlass nutzen – sei es noch so zynisch – um die Situation innerhalb des Staates zur Explosion zu bringen“, erklärte der SBU-Chef.

    Wie sich die Situation weiterentwickelt, hängt davon ab, wie die Feierlichkeiten zum Tag der Taufe der Rus zu Ende gehen. Können die Gläubigen heute wohlbehalten nach Kiew kommen, werden sich die beiden Festzüge aus West und Ost morgen auf dem Wladimir-Hügel vereinen. Für Mittwoch und Donnerstag planen die Prozessionsteilnehmer einen weiteren Umzug durch das Zentrum der Hauptstadt zum Kiewer Höhlenkloster. Doch die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats hat für den Donnerstag anlässlich des Tages der Taufe ebenfalls einen Umzug zum Kloster angekündigt. Die Routen der beiden Kreuzprozessionen dürfen einander nicht kreuzen. Angesichts des schwierigen Verhältnisses der beiden Ukrainisch-Orthodoxen Kirchen sowie der Drohungen ukrainischer Nationalisten bleibt die Lage in Kiew angespannt.

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    Nationalisten, Festzug, Kreuzprozession, Ukrainisch-Orthodoxe-Kirche, Moskauer Patriarchat, Russisch-orthodoxe Kirche, Kiew, Ukraine