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14:27 19 September 2019
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    Turkish Stream: Moskau und Ankara reaktivieren Pipeline-Projekt

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    Russland und die Türkei könnten das gemeinsame Pipelineprojekt Turkish Stream doch umsetzen, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Mittwoch.

    Wie der russische Energieminister Alexander Nowak nach seinem jüngsten Treffen mit dem türkischen Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci erklärte, entspricht die Leitung Turkish Stream „voll und ganz den Interessen der Türkei und würde die Gaslieferungen in dieses Land zuverlässiger und günstiger machen“. Der türkische Minister stellte seinerseits fest, dass dieses Projekt „für beide Länder günstig“ wäre.

    Die Fristen der Unterzeichnung eines entsprechenden Regierungsabkommens könnten nach dem baldigen Treffen der Präsidenten beider Länder, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan, festgelegt werden, sagte der Vorstands-Vizechef des russischen Konzerns Gazprom, Alexander Medwedew. Zu den Gesprächen zwischen Nowak und Zeybekci sagte er, dabei sei „die Kooperation im Handels- bzw. Wirtschafts- und im Investitionsbereich erörtert worden“. Das Thema Turkish Stream habe der türkische Wirtschaftsminister aufgeworfen und damit bestätigt, dass Ankara daran interessiert sei.

    Die Türkei ist nach Deutschland der zweitgrößte Absatzmarkt für Gazprom: Die Ausfuhr dorthin belief sich im vorigen Jahr auf mehr als 27 Milliarden Kubikmeter Gas. Die Leitung Turkish Stream wäre zudem nötig für den Gasexport nach Europa. Gazprom und die türkische Firma Botas hatten die Umsetzung dieses Pipelineprojekts 2014 vereinbart.

    Nach dem Abschuss eines russischen Bombers durch die türkischen Fliegerkräfte über Syrien im November 2015 wurde das Projekt auf Eis gelegt.

    Die aktuellen Verhandlungspositionen des russischen Konzerns seien besser als zuvor – nicht zuletzt wegen der jüngsten Fortschritte bei der Erfüllung des Projekts Nord Stream 2 und wegen des möglichen Baus der Leitung South Stream light (durch Bulgarien), meint die Analystin von Vygon Consulting, Maria Belowa.

    Ankara habe nach dem Abschuss des russischen Flugzeugs aktiv nach Alternativen für das russische Gas gesucht, und deshalb sollte man nicht mit einem intensiven Ausbau der russischen Lieferungen in die Türkei rechnen, warnte allerdings Valeri Nesterow von Sberbank CIB. Für die Türkei genüge auch ein Pipelinezweig, aber für Gazprom würde sich dieses Projekt selbst dann nicht rentieren, wenn die Leitung ihre maximale Kapazität erreiche, zeigte auch Michail Kortschemkin (East European Gas Analysis) seine Skepsis.

    Botas habe in den letzten Jahren immer weniger russisches Gas gekauft, denn die türkische Regierung habe sich für eine Liberalisierung des Gasmarktes entschieden, so der stellvertretende Generaldirektor des Fonds für nationale Energiesicherheit, Alexej Griwatsch. Ob ausgerechnet Botas oder private Händler die größten Importeure sein werden und wie sich die Verhältnisse dabei gestalten würden, könnte bei den bevorstehenden Verhandlungen der Präsidenten besprochen werden, vermutete er.

    In Russland sei die für Turkish Stream passende Infrastruktur vorhanden, fuhr Experte Nesterow fort. Ein Zweig sei noch für South Stream gebaut worden; in der Region Krasnodar gebe es die nötigen Verdichterstationen. Der Bau des zweiten Stranges (für die Lieferungen nach Südeuropa) sei allerdings fraglich: Die Pipeline Poseidon zwischen Griechenland und Italien bestehe vorerst nur auf dem Papier; Europa bemühe sich um die Diversifizierung seiner Erdgasquellen, usw. Auch der politische Widerstand gegen die neue Pipeline aus Russland sei enorm stark.

    Zudem sei immer noch unklar, wer und unter welchen Umständen die Infrastruktur für die Gaslieferungen aus der Türkei nach Europa bauen könnte, es frage sich zudem, wozu. Und ohne die Klarheit in diesen Fragen sei der Bau des zweiten Stranges sinnlos, erklärte Andrej Polischtschuk von der Raiffeisenbank.

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    Tags:
    Erdgas, Türkischer Strom, Gazprom, Alexander Nowak, Dmitri Medwedew, Wladimir Putin, Nihat Zeybekci, Recep Tayyip Erdogan, Türkei, Russland