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    F-16-Jets auf dem Militärstützpunkt Incirlik in der Türkei

    Ankara kesselt Verbündete ein: Warum blockiert Türkei den Nato-Stützpunkt Incirlik?

    © AFP 2019 / Tarik Tinazay
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    Die türkischen Geheimdienste haben den Stützpunkt Incirlik blockiert, der von Nato-Kräften und der türkischen Armee genutzt wird, schreibt die Zeitung „Moskowski Komsomolez“ am Montag.

    Anlass dazu waren Behauptungen, in der Stadt Adana, die unweit von Incirlik liegt, könnte es zu einem neuen Umsturzversuch kommen. Experten vermuten, dass Ankara dadurch den Westen unter Druck setzen will.

    Der türkische Minister für europäische Angelegenheiten, Omar Celik, teilte allerdings mit, dass es sich um eine übliche Inspektion handele. „Ich bin im Moment in Adana“, schrieb er auf Twitter. „Wir haben die Sicherheitssysteme im Allgemeinen überprüft und dabei keine Probleme entdeckt.“

    Die Zeitung „Haber Türk“ führte die Schließung des Stützpunktes jedoch auf einen Besuch von US-Generalstabschef Joseph Dunford zurück, der ausgerechnet am 31. Juli in Incirlik weilte.

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    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte den misslungenen Staatsstreich am 15. Juli schon öfter dem Pentagon vorgeworfen. Unter anderem richtete er seine Kritik gegen US-General Joseph Votel, nachdem dieser festgestellt hatte, die Festnahmen von vielen türkischen Offizieren hätten dem Kampf gegen den so genannten „Islamischen Staat“ geschadet. „Der General steht auf der Seite der Putschisten, davon zeugen seine Worte“, betonte Erdogan.

    „Es ist nicht auszuschließen, dass dies eine Form des Drucks auf die USA und den Westen ist“, sagte der in Istanbul lebende Orientalist Gumer Issajew gegenüber „Moskowski Komsomolez“ bezüglich der Incirlik-Blockade. „Das ist bekanntlich das Schlüsselobjekt für die USA, die Schläge gegen diverse Objekte in Syrien und im Irak versetzen. Als der Stützpunkt zum ersten Mal (gleich nach dem Putschversuch) geschlossen wurde, dachte ich auch, dass dies eine Form des Drucks gewesen sein könnte. Medienberichten zufolge wurde der Stützpunkt umzingelt, weil dies der neue Versuch eines Staatsstreich sein könnte, aber meines Erachtens kommt so etwas nicht infrage“, so der Experte weiter.

    „Die Europäer und Amerikaner lassen sich die Maßnahmen, auf die die türkischen Behörden innerhalb des Landes zurückgreifen, nicht gefallen. Denn eine Sache ist, mit der Türkei wegen der Gefahr eines Machtsturzes mitzuleiden, und eine andere Sache ist, sich die dortigen Säuberungen anzusehen.“ Dafür werde Erdogan im Westen tatsächlich kritisiert, er behaupte aber seinerseits, die am Staatsstreichversuch Schuldigen müssten der Türkei überlassen werden. Vor allem gehe es um den seit vielen Jahren in den USA lebenden muslimischen Prediger Fethullah Gülen. 

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    Mit seinem demonstrativen Vorgehen beabsichtige Ankara, dem Westen und vor allem den USA zu zeigen, dass die Türkei ihre eigene Politik ausüben will, so Issajew weiter. Allerdings glaubt er nicht, dass die Türkei beispielsweise aus der Nato austreten könnte.

    Ihm zufolge sind Ankaras Vorwürfe gegen die Amerikaner zuweilen absurd. So behauptete der türkische Justizminister Bekir Bozdag jüngst, bei den am Putsch beteiligten Offizieren wären Ein-Dollar-Banknoten entdeckt worden, deren Seriennummern die Stellung des jeweiligen Verschwörers in der von Gülen angeführten Organisation bestimmen würden. „Der Bürgermeister von Ankara sagte sogar, Gülen würde über die Putschisten mithilfe von Geistern walten“, so Experte Issajew.

    „Erdogan hat alle seine Gegner in einen Korb geworfen und sie alle der Verschwörung beschuldigt. So etwas passiert nicht zum ersten Mal. Als 2007 die so genannte ‚Ergenekon‘-Affäre ausbrach (Ergenekon war eine geheime Organisation, die einen Staatsstreich vorbereitete), wurden damals auch alle beschuldigt: die Linken, die Kemalisten, die Militärs und auch die Sozialisten. Die Geschichte um die Dollarscheine ist für die Wähler Erdogans bestimmt, die größtenteils keine gute Ausbildung haben und auf dem Land leben. Sie hören solche Geschichten sehr gerne.“

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    Incirlik, Joseph Dunford, Ömer Celik, USA, Türkei