16:16 28 Oktober 2020
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    Doping-Skandal (158)
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    In der Geschichte um die Zulassung der russischen Sportler zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro gibt es eine neue Wende, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Montag.

    Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat eine neue Sonderkommission gebildet, die sich mit der Prüfung der Fälle aller Russen befassen wird, die an den Spielen teilnehmen dürfen.

    Zu der Kommission gehören drei Mitglieder des IOC-Exekutivkomitees: der Leiter der medizinischen Kommission, Ugur Erdener, die Vorsitzende der Athleten-Kommission, Claudia Bokel, und Juan Antonio Samaranch Jr. Das neue Gremium muss seine Entscheidungen spätestens am 5. August, dem Tag der Eröffnung der Olympischen Spiele, treffen. Danach dürfen sie nicht mehr angefochten werden. 

    Wie IOC-Sprecher Mark Adams sagte, wird jeder einzelne Fall gesondert behandelt. Vor allem werden die Mitglieder der Sonderkommission darauf achten, dass keiner der zu den Spielen zugelassenen Athleten in dem aufsehenerregenden Bericht der Internationalen Anti-Doping-Agentur (Wada) erwähnt worden ist. In diesem Dokument hatte die Wada behauptet, in Russland gäbe es ein vom Staat gefördertes Doping-System.

    Zuvor hatte das IOC nicht einmal davor gewarnt (jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit), dass die Sportler für die Teilnahme an den Spielen in Rio die zusätzliche Zustimmung von diesen oder jenen Gremien bräuchten: Die Zulassung seitens des internationalen Verbandes in der jeweiligen Sportart galt als ausreichend. 

    Für das russische Team, das ohnehin riesige Verluste erlitten hat (laut jüngsten Angaben wurden insgesamt 117 russische Athleten suspendiert), ist die neue Wende alles andere als positiv. Allerdings ist es durchaus möglich, dass die neue IOC-Kommission rein formell vorgehen wird, um den Kritikern, die dem IOC vorwarfen, die Verantwortung für die Zulassung bzw. Nichtzulassung der Russen zu den Spielen auf andere übertragen zu wollen, zu zeigen, dass das IOC die endgültige Entscheidung selbst trifft.

    Mehr zum Thema: Olympia 2016: Russen stellen das sauberste Team — Bloomberg-Kolumnist

    Dennoch gab IOC-Präsident Thomas Bach gestern zu verstehen, dass das IOC doch nicht die volle Verantwortung für die entstandene Situation übernehmen will. Er räumte ein, dass das Komitee in eine schwierige Lage geraten sei und wenig Zeit für die Beschlussfassung gehabt habe. „Wir können aber nichts für die Fristen, in denen der Vortrag Richard McLarens (des Leiters der unabhängigen Wada-Kommission) präsentiert wurde, wie auch dafür, dass die Wada, die längst über entsprechende Informationen verfügt hatte, erst so spät zu handeln begann“, betonte Bach und ergänzte, dass die Akkreditierung von Anti-Doping-Laboren nicht in den Zuständigkeitsbereich des IOC gehöre.

    Bachs Aussagen lassen hoffen, dass das IOC den bisherigen Skandal nicht zusätzlich vertiefen will. Darauf deutet auch die Ernennung von Erdener, Samaranch und Bokel zu Mitgliedern der neuen Kommission hin. Erdener und Samaranch Jr. gelten als enge Vertraute des IOC-Chefs. Zudem ist allgemein bekannt, dass Juan Antonio Samaranch Sr. immer gute Beziehungen mit Russland pflegte. Erdener versteht als Türke die ganze Brisanz des politischen Aspekts der Beziehungen zwischen Moskau und Ankara. Und Claudia Bokel vertritt im IOC die Interessen der Sportler und ist wohl nicht daran interessiert, dass Faktoren außerhalb des Sports eine allzu große Rolle spielen.

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    Tags:
    Olympische Spiele in Rio de Janeiro, IOC, WADA, Russland, Brasilien