09:06 17 November 2019
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    Flugbombe B61

    Die „Bombe der zwölf Präsidenten“ kommt – Modernisierung der US-Atomwaffen in Europa

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    In den USA wird eine neue Atombombe auf der Basis der veralteten B61 entwickelt, schreibt die Zeitung „Moskowski Komsomolez“ am Mittwoch.

    B-61
    © Foto : US Department of Defense / SSGT Phil Schmitten
    Laut dem Chef der National Nuclear Security Administration (NNSA), Frank Klotz, hat die Bombe B61 derzeit die älteste Bestandteilbasis im US-Arsenal. Dank dem Modernisierungsprogramm wird sie weitere 20 Jahre funktionieren.

    Die Atombombe B-61 ist so alt, dass sie manchmal als „Bombe der elf Präsidenten“ bezeichnet wird. Allerdings beweist dies, dass sie zu den besten Waffenmodellen gehört, die seit Dutzenden Jahren genutzt werden. Dabei wird ihre Einsatzzeit regelmäßig verlängert, und bei der Modernisierung werden die Kampfeigenschaften verbessert.

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    Ein ähnliches Beispiel eines solch erfolgreichen Waffenmodells ist der US-amerikanische strategische Bomber B-52, der schon 1962 gebaut wurde und bis heute im Einsatz ist. Ungefähr zur selben Zeit wurde auch die taktische thermonukleare Bombe B61 entwickelt, die bis heute als wichtigste Munition der US-Armee in ihrer Klasse gilt.

    Die Geschichte der B61-Bombe begann 1960. Die Militärs wollten eine Bombe entwickeln, die in verschiedenen Geschwindigkeiten, Höhen und aus verschiedenen Trägern abgefeuert werden kann. Sie sollte nicht mehr als 700 bis 800 Pfund schwer sein und ein thermonukleares Geschoss mit sich änderbarer Kapazität tragen. Die erste Bombe, die diesen Forderungen entsprach, wurde bis Oktober 1966 entwickelt. 1967 bekamen die Truppen bereits das erste Serienmodell.

    Die Waffe galt als besonders geheim. Die offizielle Bezeichnung der Bombe wurde weder bei Sitzungen noch bei Telefongesprächen erwähnt. Unter Offizieren wurde sie „silberne Kugel“ genannt. Die B61-Bombe der ersten Modifikation war 3,6 Meter lang und hatte einen Durchmesser von 33 Zentimetern. Das Gewicht der Bombe lag bei rund 320 Kilogramm. Später entstanden neue Modifikationen, bei denen sich das Gewicht und die Größe der Bombe änderten, allerdings blieb das Wichtigste unverändert – Träger dieser Waffe konnten sowohl schwere Bomber als auch Kampfjet-Bomber der taktischen Fliegerkräfte sein.

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    Insgesamt wurden 3155 B61-Bomben hergestellt. Zum Jahre 2002 wurden mehr als 1900 Bomben ausgemustert, mindestens 1200 Stück befanden sich damals noch in Lagern. 

    Das US-Energieministerium initiierte 2010 die Entwicklung einer weiteren Modifikation der B61-Bombe (B61-12), wofür rund zwei Milliarden US-Dollar bereitgestellt wurden.

    Die neue Bombe soll einen neuen Heckraum bekommen, wo sich ein modernes Lenksystem befinden wird. Mithilfe des Satelliten-Navigationssystems und von Lenksystemen kann die Bombe die Ziele hochpräzise treffen. Damit kann man auf Geschosse mit hoher Kapazität verzichten. Die neue B61-12-Bombe wird Experten zufolge Geschosse mit einer Kapazität von 0,3, 1,5, zehn bzw. 50 Kilotonnen haben.

    Zugleich sollen auch die Flugzeuge modernisiert werden, die diese Bombe tragen werden. Es handelt sich vor allem um F-35-Kampfjets.

    Für größte Beunruhigung in Russland sorgt die Tatsache, dass die USA bis 2020 B61-12-Bomben auf europäischen Stützpunkten stationieren wollen. Für sie sollen die Tornado-Kampfjets der deutschen und italienischen Luftstreitkräfte sowie belgische, holländische und türkische F-16A/B angepasst werden. Zuvor war mitgeteilt worden, dass 20 solche Bomben auf dem Stützpunkt Büchel in Rheinland-Pfalz stationiert werden sollen, wonach sie auch in der Türkei und Italien auftauchen werden. Damit bleibt die älteste Atomwaffe der elf US-Präsidenten weiterhin eine Bedrohung – zumindest unter dem nächsten US-Präsidenten.

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    Atombombe B61-12, B-61, Frank Klotz, Europa, USA, Russland