09:49 15 November 2019
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    Beziehungen Russland-Korea auf Raketen-Prüfstand – Pjöngjang provoziert erneut Gegner

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    Nordkorea hat zum ersten Mal eine Rakete gestartet, die knapp vor Japans Hoheitsgewässer niedergegangen sein könnte, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Donnerstag.

    Nordkorea
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    Die ballistische Rakete soll etwa 1000 Kilometer geflogen und nur 250 Kilometer von der japanischen Küste entfernt heruntergekommen sein. Das behaupten südkoreanische Medien unter Berufung auf das Vereinigte Komitee der Stabschefs. Das US-Verteidigungsministerium führte seinerseits an, dass Pjöngjang gleich zwei ballistische Mittelstreckenraketen Nadong-1 getestet hätte. Eine von ihnen soll allerdings gleich nach dem Start explodiert.

    Der japanische Premier Shinzo Abe nannte den Raketentest „empörend und inakzeptabel“ und sprach von „einer ernsthaften Gefahr für unser Land“. Die japanische Regierung erklärte durch ihre Botschaft in Peking (in Pjöngjang hat Japan keine Vertretung) Protest gegen das Vorgehen der Nordkoreaner. Pentagon-Sprecher Gary Ross erklärte seinerseits: „Diese Provokation wird nur die Entschlossenheit der Weltgemeinschaft zum Widerstand gegen die verbotenen Einsätze (Nordkoreas) festigen.“

    Die Reaktion des Westens auf den nordkoreanischen Raketentest war diesmal noch schärfer als üblich. Kritik daran äußerten Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, die Außenministerien Italiens, Frankreichs und Deutschlands sowie die EU-Beauftragte für Außen- und Verteidigungspolitik, Federica Mogherini. „Nordkorea muss jegliche Starts von ballistischen Raketen einstellen und seine internationalen Verpflichtungen vollständig erfüllen. Die jüngsten Handlungen Nordkoreas führen nur zur weiteren Anspannung der Situation auf der Halbinsel Korea“, warnte Mogherini.

    Moskau verzichtete auf eine Verurteilung Pjöngjangs. Seine Position erläuterte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses in der Staatsduma (Parlamentsunterhaus) und Ex-Befehlshaber der Schwarzmeerflotte, Admiral Wladimir Komojedow. Für Russland bestehe „de facto keine Gefahr“, selbst wenn nordkoreanische Raketen Tausende Kilometer weit fliegen könnten. „Natürlich sind wir gegen die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und Raketentechnologien“, ergänzte er allerdings. Denn Nordkoreas Raketenstarts könnten dazu führen, dass die USA, Südkorea und Japan ihre regionalen Raketenabwehrkräfte ausbauen werden.

    Seoul bekam seinerseits einen neuen Anlass, auf der Stationierung des neuesten US-amerikanischen Raketenabwehrsystems THAAD in Südkorea zu bestehen. Eine Batterie dieses Systems besteht aus einem Anti-Raketen-Radar TPY-2 TM, sechs Startanlagen und 48 Abfangraketen mit einer Flugweite von 300 Kilometern. Nach Angaben des südkoreanischen Militärs hat Nordkorea unter Kim Jong-un 16 Scud-Raketen (Flugweite bis 1300 Kilometer), sechs Musudan-Raketen (Flugweite 3500 bis 4000 Kilometer) und drei von einem U-Boot gestartete ballistische Raketen getestet.

    Die jüngsten nordkoreanischen Raketenstarts könnten die Tagesordnung des für den 3. September in Wladiwostok angesetzten Treffens des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit seiner südkoreanischen Amtskollegin Park Geun-hye beeinflussen. Laut der Nachrichtenagentur Yonhap will Letztere mit Putin die Pläne zur THAAD-Stationierung erläutern, die Moskau und Peking negativ einschätzen, weil dies „zu einer Anspannung der regionalen Situation und zur Entstehung von neuen Schwierigkeiten bei der Lösung der Probleme auf der Halbinsel Korea führen könnte“.

    Die von „Kommersant“ befragten Experten glauben nicht, dass Russland seine Politik gegenüber Nordkorea wesentlich korrigieren würde. „Diese Politik wird durch zwei sehr wichtige Faktoren bestimmt, die einander übrigens ausschließen“, sagte der Südostasien-Spezialist Dmitri Mossjakow von der Moskauer humanitären Universität. „Einerseits ist Moskau ein vollberechtigter Teilnehmer der Sechserverhandlungen über Pjöngjangs Atomprogramm und hat alle jüngsten UN-Resolutionen in Bezug auf Nordkorea befürwortet. Andererseits gibt es auf der Welt nur wenige Länder, die Pjöngjang wirklich beeinflussen können, und Russland ist eines von ihnen. Deshalb entsteht ein schwer zu überwindender Widerspruch, und Moskau reagiert auf solche Ereignisse traditionell vorsichtig“, so der Experte.

    Seiner Meinung nach wird Moskau „unter allen Umständen versuchen, Kontakte jeder Art mit den Nordkoreanern zu unterhalten. Während die USA es sich leisten können, die Kontakte (zu Pjöngjang) zu unterbrechen, werden Russland und China so etwas nie tun. Sonst würde das Regime in Pjöngjang absolute Freiheit genießen, und Russland würde keine Vorstellung von den Plänen Nordkoreas mehr haben.“

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    Luftabwehrsystem THAAD, Park Geun-hye, Federica Mogherini, Jens Stoltenberg, Shinzo Abe, Südkorea, Japan, Nordkorea, Russland