00:59 23 November 2019
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    Die Feinde von Olympia: Misstrauensvotum, Blackout, Räuber, Läuse und Schnecken

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    Am Freitag werden in Rio de Janeiro die Olympischen Spiele eröffnet. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen und politischen Krise, Umweltproblemen und einer katastrophalen Sicherheitssituation sehen die Spiele wie ein „Gelage während der Pest“ aus, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

    Der Eröffnungszeremonie wohnen 28 Staats- und Regierungschefs bei – halb so viele, wie vor einer Woche angekündigt worden war, berichtet Reuters. Unter den lateinamerikanischen Staatslenkern bestätigten nur die Präsidenten Argentiniens und von Paraguay ihr Kommen. China wird von Vizepremier Liu Yandong vertreten. Aus den USA reist US-Außenminister John Kerry an. Aus Europa kommen die Staats- und Regierungschefs Frankreichs, Deutschlands und Portugals. Wladimir Putin reist nicht nach Brasilien.

    Das Niveau der Vorbereitungen löst vielerorts Kritik aus. IOC-Vizepräsident John Coates bezeichnete im April die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Brasilien als schlechteste in der Geschichte. Zum Vergleich: Bei den Spielen in London waren 90 Prozent der Objekte ein Jahr vor Beginn der Spiele fertig. 

    Mehr zum Thema: Geschichte der Olympia-Boykotte und —Ausschlüsse

    Die russische Tennisspielerin Swetlana Kusnezowa beklagte zum Beispiel den Zustand der Tennisplätze in Rio. Für Kritik sorgen auch die Strandvolleyball-Plätze. Vor wenigen Tagen brach eine Rampe zum Wassern der Segelboote zusammen. Im April stand die Radfahrerstrecke unter Wasser. In den Gewässern Rios wurden gefährliche Bakterien und Viren entdeckt.

    Neben dem Zika-Virus lösen auch Läuse und Weinbergschnecken Besorgnis aus. Weinbergschnecken können Magen-Darm-Infektionen und sogar Meningitis verursachen und Läuse können bei einer Infizierung zur Amputation der Extremitäten führen. 

    Die Mängel bei der Vorbereitung der Spiele können mit finanziellen Schwierigkeiten erklärt werden. Der Bundesstaat Rio de Janeiro erklärte Mitte Juni den Ausnahmezustand im Finanzbereich. Die enormen Ausgaben – laut Bloomberg-Angaben werden die Spiele den Staatshaushalt 4,6 Milliarden US-Dollar kosten, was 1,6 Milliarden US-Dollar mehr sind als geplant – empören die brasilianischen Steuerzahler. Wütende Brasilianer hätten beinahe den Empfang des Olympischen Feuers mit einer Protestaktion und Straßenblockade zum Scheitern gebracht. Die Route des Fackellaufs musste geändert werden. Die Demonstranten wurden mit Tränengas vertrieben.

    Bei den überhöhten Kosten spielen auch Korruption und ein uneffektives Management eine Rolle. Wie der Rechnungshof feststellte, erfolgte der Bau einer neuen U-Bahn-Linie mit zahlreichen Verstößen, die Kosten des Projekts stiegen fast auf das Doppelte.

    Allerdings hängen die meisten Sorgen mit der Sicherheit der Touristen zusammen. Nach Rio sind 500.000 Ausländer gereist, viele von ihnen wurden bereits Opfer von Dieben. Wie Amnesty International berichtete, stieg die Zahl der von der Polizei getöteten Menschen von April bis Juni um 103 Prozent. Die Behörden erklären ihre entschlossenen Maßnahmen mit dem im März verabschiedeten Antiterrorgesetz.

    Die Gefahr vor Angriffen ist realistisch. Im vergangenen Monat wurden wegen Verdachts auf Unterstützung der Terrororganisation „Islamischer Staat“ zwölf Menschen festgenommen, weitere 100 Personen werden von der Polizei überwacht. An der Grenze zwischen Brasilien und Paraguay lebt eine große muslimische Gemeinde, die als mögliche Bedrohung bezeichnet wird. Bereits 2009 hieß es in einem Bericht aus den USA, dass mehrere islamistische Gruppen eine Filiale in dem lateinamerikanischen Land haben.

    Zur Verhinderung von Zwischenfällen wurde beschlossen, den Luftraum über den Städten und Arenen während der Spiele zu sperren. Die Flugabwehrsysteme wurden in erhöhte Einsatzbereitschaft versetzt.

    Während die Situation in Rio relativ ruhig bleibt, ist die Lage im nordöstlichen Bundesstaat Rio Grande do Norte außer Kontrolle geraten. In Natal flammten Unruhen auf – Hooligans setzten Dutzende Busse und Taxis in Brand, Häftlinge nahmen das Gefängnis in ihre Gewalt. Die Behörden mussten zur Unterstützung der Sicherheitskräfte weitere 1000 Soldaten und 200 Marineinfanteristen heranziehen.

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    Olympische Spiele in Rio de Janeiro, IOC, Brasilien