23:09 19 Juli 2018
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    Unbewiesene Hackerattacken als Vorwand für neue US-Sanktionen gegen Russland

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    Die US-Regierung erwägt wegen der angeblichen russischen Hackenangriffe auf den Server der Demokratischen Partei weitere Sanktionen gegen Russland, wie die Zeitung „Kommersant“ am Montag schreibt.

    Man kann die Drahtzieher der Hackerattacken demnach zwar nicht genau bestimmen, die US-Behörden und —Unternehmen behaupten allerdings, dass hinter den Attacken die russischen Geheimdienste stehen würden. Die Befürworter einer harten Antwort an Moskau betonten diesbezüglich, dass US-Präsident Barack Obama bereits im April 2015 einen Erlass unterzeichnet hätte, demzufolge das Eigentum der an Cyberattacken beteiligten Personen beschlagnahmt sowie andere Sanktionen vorgesehen werden könnten. Laut russischen Behörden halten die gesammelten Beweise keiner Kritik stand.

    „Ich weiß genau, dass es die Russen waren“, sagte die Demokraten-Chefin im US-Kongress, Nancy Pelosi. Ein Mitglied des Aufklärungsausschusses, Adam Schiff, bestätigte, dass er zusammen mit Kollegen weitere Schritte durchdenke. „Wenn die Präsidialadministration zu dem Schluss kommt, dass die Beweise ausreichend sind, werden der Verantwortliche bekanntgegeben und weitere Maßnahmen ergriffen“, so Schiff.

    Laut dem Präsidialerlass vom April 2015 können gegen an Hackerangriffen gegen die USA beteiligte Personen Sanktionen verhängt werden – ihr Eigentum in den USA könnte beschlagnahmt und ein Einreiseverbote verhängt werden.

    Bislang ist Nordkorea das einzige Opfer solcher US-Einschränkungen wegen angeblicher Cyberangriffe – wegen einer angeblichen Hackerattacke auf die Server von Sony Pictures. Auffallend ist, dass die Sanktionen bereits im Januar 2015 eingeführt worden waren, also noch vor dem Inkrafttreten des Erlasses.

    Russland hatte im Juli im Zentrum der Aufmerksamkeit gestanden, als die Enthüllungsplattform Wikileaks zwei Wochen vor dem Demokraten-Parteitag mehr als 19.000 Emails und 8000 Dateien aus der innerparteilichen Korrespondenz veröffentlichte. Dabei stellte sich heraus, dass sich die Parteileitung während der Vorwahl nicht neutral verhielt und verdeckt Hillary Clinton zum Nachteil ihres parteiinternen Rivalen Brnie Sanders unterstützte.

    Ein Wandbild von Hillary Clinton in einem knappen Stars-and-Stripes-Badeanzug in einem Vorort von Melbourne
    © REUTERS / Jarni Blakkarly
    Die Parteileitung hatte schon im Mai 2016 verdächtige Aktivitäten im Intranet aufgedeckt und wandte sich an die Netzsicherheits-Firma CrowdStrike. Die Firma will herausgefunden haben, dass hinter den Angriffen die Hackergruppe APT28 stehen könnte, deren Mitglieder US-Experten zufolge mit dem russischen Auslandsgeheimdienst GRU in Verbindung stehen könnten. Später entlarvte CrowdStrike eine weitere Hackergruppe – APT29, die wiederum mit dem FSB verbunden sein soll und das Intranet der Demokraten bereits vor einem Jahr gehackt haben soll.

    Laut CrowdStrike nutzten die Hacker Ressourcen, die einem staatlichen Niveau entsprechen würden. Ihr Vorgehen widerspiegelten die außenpolitischen Interessen Russlands. Moskau weist diese Vorwürfe kategorisch zurück.

    Laut Dmitri Kusnezow von Positive Technologies halten die von den USA gesammelten Beweise keiner Kritik stand. „Je nach Ziel und Typ des Hackens handelt es sich um Amateur-Hacker“. Der GRU verfüge zwar tatsächlich über solche Einheiten, diese allerdings seien nur für das Sammeln von wertvollen Aufklärungsinformationen bestimmt. Das Hacken der Email-Server sei eine der einfachsten Aktionen. Offenbar wollten die Demokraten anscheinend einfach nicht zugeben, dass ihr Server unzureichend gesichert gewesen sei, so der Experte.

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    Tags:
    Hackerangriff, Sanktionen, US-Präsidentschaftswahl 2016, APT29, WikiLeaks, Sony Pictures, Dmitri Kusnezow, Nancy Pelosi, Barack Obama, Russland, USA
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