06:40 16 Dezember 2019
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    Gazprom-Hauptquartier in Moskau

    „Gegengift“ gefunden: US-Sanktionen sind für Gazprom kein Problem

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    Der russische Energiekonzern Gazprom will ein Mittel gegen die westlichen Sanktionen gefunden haben, wie die "Nesawissimaja Gaseta" am Mittwoch schreibt.

    Der Aufsichtsrat des Energieriesen stellte vor kurzem fest, dass die vom Westen verhängten Sanktionen die Tätigkeit des Unternehmens in den Jahren 2015 und 2016 nur unwesentlich beeinträchtigt hätten. Es hätten zwar gewisse Risiken bestanden, aber es seien rechtzeitig Maßnahmen zur Minimierung der möglichen Negativfolgen ergriffen worden. Dadurch konnte der Konzern sowohl seine zuvor abgeschlossenen Verträge erfüllen als auch neue Projekte abschließen, wie aus einer Pressemitteilung des Unternehmens hervorgeht.

    Die USA hatten 2014 Beschränkungen für die Versorgung des russischen Rohstoffförderungskomplexes mit technischen Anlagen nach dem Ausbruch der Ukraine-Krise verhängt. Diese Beschränkungen galten damals für etwa 30 Typen von Anlagen, darunter auch für Bohrplattformen, für Öl- und Gasförderungsanlagen in der Arktis. 

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    Im September desselben Jahres wurden die Sanktionen erweitert. Unter anderem wurde damals für die Tochterfirma Gazprom Neft sowie die Gazprombank der Zugang zum westlichen Kapitalmarkt eingeschränkt.

    Allerdings ahnten die Amerikaner möglicherweise schon damals, dass Gazprom ein „Gegengift“ gegen diese Restriktionen finden könnte, und bauten den Druck auf die Russen aus: Im August 2015 wurden sogenannte „smarte Sanktionen“ verhängt, als Lieferungen von technologischen Anlagen für Gazproms Gaskondensat-Vorkommen „Juschno-Kirinskoje“ im Ochotskischen Meer verboten wurden. Das war das erste Mal, dass keine juristischen oder natürlichen Personen, sondern ein konkretes Gasfeld von den Sanktionen betroffen wurde.

    Allerdings verkündete die Gazprom-Führung jüngst, die eigene technologische Unabhängigkeit gewährleistet zu haben. So entfallen nur etwa fünf Prozent der gekauften Anlagen auf Importprodukte (bei Rohren liege diese Quote gar bei nur 0,1 Prozent), geht aus der Mitteilung hervor. Dafür werde das Zusammenwirken mit Lieferanten aus Russland, den Mitgliedsländern der Zollunion, der GUS, aus dem Asien-Pazifik-Raum sowie den BRICS-Ländern erweitert.

    Zudem arbeite der Konzern zunehmend intensiver auch mit asiatischen Banken zusammen, sodass er das westliche Verbot über den Zugang zum ausländischen Kapitalmarkt quasi umgangen habe. 

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    Am „Juschno-Kirinskoje“-Gasfeld zeigt derweil der niederländische Konzern Shell Interesse. „Wenn wir uns mit den Einzelheiten dieses Projekts endgültig vertraut gemacht haben, möchten wir uns daran natürlich beteiligen“, so Shell-Chef Ben van Beurden. Er brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass es kein Verbot für die Erschließung diese Region geben werde. „Seitens der USA gibt es Sanktionen für die Erschließung des Tiefwasser-Teils des Gasfeldes. Wir mussten noch gewisse Formalitäten in Europa erledigen und die Zustimmung der niederländischen Regierung einholen, um dieses Projekt zu analysieren.“

    Die Vorkommen im Gasfeld „Juschno-Kirinskoje“ werden auf 711 Milliarden Kubikmeter Gas, 111 Millionen Tonnen Kondensat und vier Millionen Tonnen Öl geschätzt. Die geplante Förderkapazität von 21 Milliarden Kubikmeter soll bis 2032 erreicht werden.

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