14:21 24 Juni 2017
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    Kämpfer der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Al-Hasaka

    Die Helden von Kobane im türkischen Krieg - Volker Kauder an der Seite von Erdoğan

    © REUTERS/ Rodi Said
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    Uli Gellermann
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    UNSERE Kurden! Das waren die tapferen Frauen und Männer, die Ende 2014 dem Islamischen Staat, in der Schlacht um Kobanê, eine ganze Region entrissen hatten! TV-Sendungen und Zeitungs-Seiten wussten sich vor lauter virtueller Schlachtenbummelei nicht lassen: UNSERE KURDEN!

    Wenn aber unsere Kurden sich in ihren traditionellen Gebieten in der Türkei gegen die Herrschaft aus Ankara wehrten, wenn sie gar in Form der PKK auf deutschem, also unserem! Gebiet politisch agierten, dann wurden sie schneller zu Terroristen erklärt, als man Kurdistan hatte rufen können. Jetzt also bekriegt die türkische Armee auf syrischem Staatsgebiet unsere Kurden und so recht weiß der deutsche Medienmacher auch nicht: Sind es immer noch unsere Kurden oder doch Terroristen oder was?

    Ziemlich sicher ist: Die Kurden sind eine ungefähr 30 Millionen starke ethnische Volksgruppe, die in der Türkei, im Irak, im Iran und in Syrien lebt. Am Rande Syriens, an der Grenze zur Türkei, streben die dort lebenden Kurden gerade einen eigenen Staat an. Auch wenn die dortige Hauptkraft PYD heißt, ist sie der PKK nahe genug, um den in der Türkei inhaftierten Abdullah Öcalan auch als ihren Führer zu begreifen. Der ist marxistisch inspiriert oder zumindest so angestrichen und kann deshalb nie und nimmer UNSER Kurde sein. Faktisch gibt es bereits einen kurdischen Staat: Die autonome Region Kurdistan — im Irak. Die gehört ebenso faktisch den USA wie der Familie Barzani, muss also eigentlich von unseren Kurden bewohnt sein, sonst hätte Frau von der Leyen doch nie und nimmer gute Gewehre von Heckler und Koch und prima deutsche Panzerfäuste dahin geliefert.

    Die Familie Barzani, die im irakischen Kurdistan jeden zweiten Posten besetzt, vor allem mit Masud Barzani. Der macht den Präsidenten der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak und ist schon lange im Geschäft. Barzanis Vater war schon mal an einer kurdischen Staatsgründung in Persien beteiligt, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Der aktuelle Barsani ist kein wirklicher Freund von Abdullah Öcalan: Bei zwei Führern ist immer einer zu viel. Das alles weiß der deutsche Redakteur nicht, er will es nicht wissen. Deshalb klatscht er immer Beifall, wenn UNSEREN Kurden Waffen geliefert werden. Was aber nun? Unser NATO-Partner Türkei bekämpft gerade unsere tapferen Kobane-Kurden.

    Würden die Kurden nicht häufig auf Territorien von Verbündeten des Westens leben – der iranische Schah war lange ein Verbündeter, die Türken sind echte Super-Verbündete, selbst Assad der jüngere war mal Objekt für eine westliche Homestory – wäre längst eine internationale Kurden-Konferenz fällig. Eine Konferenz, die den Kurden zumindest kulturelle Autonomie, vielleicht sogar, dem internationalen Vertrag von Sèvres (August 1920) entsprechend, ein selbstbestimmtes Gebiet zusprechen könnte. Bis dahin aber gilt das Völkerrecht mit den dort festgelegten Grenzen.

    Völkerrecht? Fragt sich der NATO-Partner Erdogan, Völkerrecht? Da hält sich doch sonst niemand dran! Ob die USA, Frankreich, Großbritannien oder das neue deutsche Herausforderungs-Reich: Alle können am Himmel über Syrien einfach keine Grenzen erkennen und auch nicht auf am Boden, dort wo etliche westliche Geheimdienste und Spezialkräfte ihr Wesen treiben.

    Eben, das Völkerrecht liegt am Boden, deshalb wird es auch so schnell mit Füßen getreten. Also was die Obamas und die Gaucks können, das kann unser Erdogan schon lange. Panzer und schwere Geschütze der türkischen Armee haben die Grenze zu Syrien überquert: Die Kurdenjagd, bisher auf türkisches Territorium beschränkt, ist jetzt auch in Syrien eröffnet. Das meint unser Erdogan prophylaktisch: Falls die syrischen Kurden auf syrischem Territorium einen kurdischen Staat ausrufen wollten, will lieber er die Gegend besetzen: Das alles hat doch mal zum osmanischen Reich gehört.

    Jetzt hat Volker Kauder, der Weltpolitiker aus Hoffenheim, dem „Stader Tagblatt“, der Zeitung für Stade und Buxtehude, aber mal gesagt, wo der deutsche Hammer hängt. Als allererstes hat er diesen fundamentalen Satz ins Unvergängliche gegossen: „Die Burka gehört nicht zu Deutschland“. Hatten wir bisher doch gedacht, die Burka sei so deutsch wie das Dirndl, wissen wir es nun besser. Und noch besser hat unser Volker auch gesagt, dass die Bundeswehr nicht wegen Erdogan in der Türkei sei und deshalb auch nicht wegen Erdogan aus Incirlik abziehen sollte.

    Hatten wir doch bisher angenommen, die deutschen Flieger seien wegen einer unheimlichen Liaison von Angela und Tayyip in der Türkei, wissen wir nun: Unsere Soldaten sind an der Seite eines Diktators und Völkerrechtsbrechers in der Türkei, um selbst das Völkerrecht zu brechen. Da weiß man doch, was man hat. Danke Volker Kauder.

    Quelle: rationalgalerie.de

    Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Kurden, Türkei, Iran, Syrien, Irak, USA
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