06:45 25 März 2017
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    Kämpfer der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Al-Hasaka

    Die Helden von Kobane im türkischen Krieg - Volker Kauder an der Seite von Erdoğan

    © REUTERS/ Rodi Said
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    Uli Gellermann
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    UNSERE Kurden! Das waren die tapferen Frauen und Männer, die Ende 2014 dem Islamischen Staat, in der Schlacht um Kobanê, eine ganze Region entrissen hatten! TV-Sendungen und Zeitungs-Seiten wussten sich vor lauter virtueller Schlachtenbummelei nicht lassen: UNSERE KURDEN!

    Wenn aber unsere Kurden sich in ihren traditionellen Gebieten in der Türkei gegen die Herrschaft aus Ankara wehrten, wenn sie gar in Form der PKK auf deutschem, also unserem! Gebiet politisch agierten, dann wurden sie schneller zu Terroristen erklärt, als man Kurdistan hatte rufen können. Jetzt also bekriegt die türkische Armee auf syrischem Staatsgebiet unsere Kurden und so recht weiß der deutsche Medienmacher auch nicht: Sind es immer noch unsere Kurden oder doch Terroristen oder was?

    Ziemlich sicher ist: Die Kurden sind eine ungefähr 30 Millionen starke ethnische Volksgruppe, die in der Türkei, im Irak, im Iran und in Syrien lebt. Am Rande Syriens, an der Grenze zur Türkei, streben die dort lebenden Kurden gerade einen eigenen Staat an. Auch wenn die dortige Hauptkraft PYD heißt, ist sie der PKK nahe genug, um den in der Türkei inhaftierten Abdullah Öcalan auch als ihren Führer zu begreifen. Der ist marxistisch inspiriert oder zumindest so angestrichen und kann deshalb nie und nimmer UNSER Kurde sein. Faktisch gibt es bereits einen kurdischen Staat: Die autonome Region Kurdistan — im Irak. Die gehört ebenso faktisch den USA wie der Familie Barzani, muss also eigentlich von unseren Kurden bewohnt sein, sonst hätte Frau von der Leyen doch nie und nimmer gute Gewehre von Heckler und Koch und prima deutsche Panzerfäuste dahin geliefert.

    Die Familie Barzani, die im irakischen Kurdistan jeden zweiten Posten besetzt, vor allem mit Masud Barzani. Der macht den Präsidenten der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak und ist schon lange im Geschäft. Barzanis Vater war schon mal an einer kurdischen Staatsgründung in Persien beteiligt, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Der aktuelle Barsani ist kein wirklicher Freund von Abdullah Öcalan: Bei zwei Führern ist immer einer zu viel. Das alles weiß der deutsche Redakteur nicht, er will es nicht wissen. Deshalb klatscht er immer Beifall, wenn UNSEREN Kurden Waffen geliefert werden. Was aber nun? Unser NATO-Partner Türkei bekämpft gerade unsere tapferen Kobane-Kurden.

    Würden die Kurden nicht häufig auf Territorien von Verbündeten des Westens leben – der iranische Schah war lange ein Verbündeter, die Türken sind echte Super-Verbündete, selbst Assad der jüngere war mal Objekt für eine westliche Homestory – wäre längst eine internationale Kurden-Konferenz fällig. Eine Konferenz, die den Kurden zumindest kulturelle Autonomie, vielleicht sogar, dem internationalen Vertrag von Sèvres (August 1920) entsprechend, ein selbstbestimmtes Gebiet zusprechen könnte. Bis dahin aber gilt das Völkerrecht mit den dort festgelegten Grenzen.

    Völkerrecht? Fragt sich der NATO-Partner Erdogan, Völkerrecht? Da hält sich doch sonst niemand dran! Ob die USA, Frankreich, Großbritannien oder das neue deutsche Herausforderungs-Reich: Alle können am Himmel über Syrien einfach keine Grenzen erkennen und auch nicht auf am Boden, dort wo etliche westliche Geheimdienste und Spezialkräfte ihr Wesen treiben.

    Eben, das Völkerrecht liegt am Boden, deshalb wird es auch so schnell mit Füßen getreten. Also was die Obamas und die Gaucks können, das kann unser Erdogan schon lange. Panzer und schwere Geschütze der türkischen Armee haben die Grenze zu Syrien überquert: Die Kurdenjagd, bisher auf türkisches Territorium beschränkt, ist jetzt auch in Syrien eröffnet. Das meint unser Erdogan prophylaktisch: Falls die syrischen Kurden auf syrischem Territorium einen kurdischen Staat ausrufen wollten, will lieber er die Gegend besetzen: Das alles hat doch mal zum osmanischen Reich gehört.

    Jetzt hat Volker Kauder, der Weltpolitiker aus Hoffenheim, dem „Stader Tagblatt“, der Zeitung für Stade und Buxtehude, aber mal gesagt, wo der deutsche Hammer hängt. Als allererstes hat er diesen fundamentalen Satz ins Unvergängliche gegossen: „Die Burka gehört nicht zu Deutschland“. Hatten wir bisher doch gedacht, die Burka sei so deutsch wie das Dirndl, wissen wir es nun besser. Und noch besser hat unser Volker auch gesagt, dass die Bundeswehr nicht wegen Erdogan in der Türkei sei und deshalb auch nicht wegen Erdogan aus Incirlik abziehen sollte.

    Hatten wir doch bisher angenommen, die deutschen Flieger seien wegen einer unheimlichen Liaison von Angela und Tayyip in der Türkei, wissen wir nun: Unsere Soldaten sind an der Seite eines Diktators und Völkerrechtsbrechers in der Türkei, um selbst das Völkerrecht zu brechen. Da weiß man doch, was man hat. Danke Volker Kauder.

    Quelle: rationalgalerie.de

    Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Kurden, Türkei, Iran, Syrien, Irak, USA
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    • avatar
      Ich habe Volker Kauder mal ganz ungezwungen bei einer Theaterveranstalltung unweit vom Schiffbauerdamm in Berlin gesehen. Ich wünsche ihm, dass er in Zukunft auch weiterhin das hervorragende Berliner Theaterangebot genießen kann - es soll ja eine Menge Kurden in Berlin geben.
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      Joesi
      Der Kauder soll nicht immer soviel Kauderwelsch erzählen
      und nicht immer dummes Zeug dazwischen quatschen!
      "Quatschen Sie nicht immer Dummes Zeug!" Zitat Gregor Gysi im Bundestag.
    • der15.Franzose
      Das war einfach schön. So perfekt muß man erst mal den ganzen Wahn in Buchstaben bringen können. Danke, Herr Gellermann.
    • Philipp
      Tja, genauso ratlos wie unsere Medien, sind die Amerikaner, die mit der Unterstützung der Millitäroffensive versucht haben die Türkei in den Westen zurück zu holen. Dieses Vorhaben ist allerdings gescheitert, wenn Ami erst versucht Erdogan zu stürzen und dann erwartet, dass er schon wieder in den Amerikanischen Schoß zurückkommt muss er wirklich auf Droge sein.
      Genau das entlarvt aber gerade unsere Lügenmedien. Die USA unterstützen... ja wen den nun eigentlich? Wen sollen wir nun demonisieren und wen nicht?

      Die Ratlosigkeit unserer Medien zeigt, in welchem Dilemma die USA nun stecken.
    • Piero Doldi
      Wurden die Kurden nicht vor zwei Wochen noch von US-Kampfflugzeugen beim Kampf gegen den IS unterstützt? So rasch können die USA von nützlich auf störend umschalten?
      Die Türkei als NATO-Partner sind allemal wichtiger als ein Volk der 30 Mio. Landlosen. Die sind nur gut um die Kastanien aus dem Feuer zu holen, aber Lebensraum will Ihnen niemand zugestehen, darum beginnen die Türken ein Großreinemachen an ihrer Südgrenze.

      Wenn sich Erdogan da mal nicht verrechnet hat, denn wohin sollen die kampferprobten kurdischen Kämpfer nun gehen? Vielleicht in den Ostteil der Türkei, in dem ihre Vettern leben,aber auch von Erdogan bombardiert werden? 30 Mio. Menschen, die einen eigenen Staat haben möchten, können einiges bewirken.
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      babs44
      Kauder der "Weltpolitiker" bei der Aussage kann man ja - wenn man sie denn ernst nehem würde - vor lachen net in den Schlaf kommen.
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      joergAntwort anPiero Doldi(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Piero Doldi, dann erklären Sie doch mal wie Russland zu der Sache steht. Die Türkei ist ja nun ein guter Freund, doch die bringen andere Freunde mit. Ich vermute genauso ergeht es allen mit der Türkei, die macht ehe was Sie will.
    • sieben.worte
      Als es den Kurden gut ging und auf die Unterstützung von Russland und Assad hoffen konnten, haben sie die Amerikaner gewaehlt. Wer die Amis waehlt, zieht austomatisch den kürzeren. Das wird nun wieder einmal bestaetigt.
    • Piero DoldiAntwort anjoerg(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      joerg, die Russen haben mit den Kurden noch kein unmittelbares Problem und nach anfänglichen Kontakten, soviel ich weiß, keine mehr gepflegt. Das sofortige Verständnis der USA dafür, dass die Türken die Kurden zum Teufel jagen wollen, ist ja der wirkliche Verrat, der die amerikanische Denkweise in seiner Unehrlichkeit wieder einmal deutlich zeigt.

      Die Russen werden die Wendung nicht sorgenfrei betrachten, denn erstens krallt sich Assad an seinem Thron fest und zweitens kann das neue Zusammenspiel Türkei-USA für die Russen durchaus problematisch werden.
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      Es geht um was ganz anderes!

      Laut einer Prophetie von Rabbi Gaon, der im 18 Jahrhundert lebte, soll kurz nach dem Anschluss der Krim an ihr Mutterland (Mütterchen Russland) und nach der Zurückeroberung Konstantinopel (heute Istanbul genannt) der Messias erscheinen. Möglich, dass Präsident Putin sich mit Präsident Obama darüber abgesprochen, wie es weitergehen soll. Die Christen und Juden wollen ja alle, dass der Messias endlich kommt. Der Einzige, der etwas dagegen hat, dürfte wohl Erdowahn sein.
      www.worldwidewings.de/zeichen-der-zeit/prophetische-reden-eines-rabbiners-erstarktes-russland-zeigt-
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      joergAntwort anPiero Doldi(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Piero Doldi, Sie vergessen den Putsch der hat das Verhältniss zu Amerika getrübt
    • konstantinAntwort ander15.Franzose(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      der15.Franzose, ja wirklich sehr schön, und mit dem nötigen Hauch Ironie.
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      Der RealistAntwort an (Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      abcd, der Messias ist schon da: ERDOGAN!!!
      Dein Rabbi redete damals, wie heute seine Nachfolger, von Diebstahl fremden Eigentums,unter terroristischer Gewaltanwendung Andersgläubiger.Es reicht nicht,die Zwangsenteignungen der Palästinenser,euer Traum ist Groß Israel in Syrien,Nordirak ,Iran und der Türkei ,die "kurdischen Gebiete"unter dem Vorwand der kurdischen Staates einzuverleiben.In dem ihr die IS/PKK/PYD Terroristen mit Waffen beliefert.
      "ONE MINUTE"sage ich ,wie Erdogan in Davos!!!
      Nun nachdem euer Putschversuch in der Türkei mißlungen ist(dank Putin),hat der kluge Erdogan die angeblichen IS Terroristen in Syrien und seinen Partner PKK/PYD den "totalen Krieg"erklärt.Entweder werden sie "gesäubert bzw.ausgelöscht" oder die Türkei zerfällt!!!
      Man kann Türken töten ,aber nicht besiegen.Die Geschichte erzählt es!!!!
      Letzes Beispiel der unbewaffnete Widerstand in der Türkei,Putsch Nacht.
      Ihr träumt von der Eroberung von ISTANBUL,dem neuen Machtzentrum der islamischen WELT,der neuen WELTORDNUNG!!!
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      Antwort anDer Realist(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Der Realist, Die Geschichte des unbesiegbaren Türken gehört doch eher ins Reich der Märchen. Europa oder vielmehr das christliche Abendland hat in der Vergangenheit schon mehrmals bewiesen, dass es mit dem osmanischen Reich fertig werden kann und zwar immer dann, wenn die europäischen Staaten an einem Strang zogen. Das die Türkei in der heutigen Form überhaupt noch existiert hat sie den Strittigkeiten der europäischen Staaten untereinander zu verdanken. Sowohl die Eroberung Konstantinopel durch die Türken als auch der russisch-osmanische Krieg (1877/78) im vorletzten Jahrhundert hätten einen anderen Ausgang genommen, wären sich die Machthaber Europas einig gewesen. Genauso der letzte russisch-osmanische Krieg, beim die Russischen Truppen 60 Km vor Konstantinopel standen. Wären damals die Briten den Türken nicht zu Hilfe geeilt, hieße Istanbul heute immer noch Konstantinopel. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Die Geschichte des unbesiegbaren Türken sollten sie lieber schnell vergessen. Und seien Sie mal ehrlich … ist es nicht so, dass seit die Türken (Osmanen) in Europa und Kleinasien aufgetaucht sind, es immer nur Ärger und Kriege gegeben hat. Wäre es nicht vielleicht besser, sie gingen wieder dort hin wo sie herkamen – nämlich nach Zentralasien – Platz genug ist ja dort. Man könnte ihnen ja dabei sogar helfen.
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      Wie sagt man so schön – wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte. Letztendlich wünschen sowohl die Türken als auch die Araber den Israelis den Tod. Insofern kann es den Israelis nur recht sein, wenn sich Türken und Araber/Kurden gegenseitig dezimieren. Die Kurden wiederum werden die Türken noch lange beschäftigen – gerade jetzt, wo man sie wieder hinters Licht geführt hat. Ich denke mit dem versiegen der Erdölquellen oder im Nahen Osten und ein Desinteresse der Supermächte Russland und USA wird diese Region erst so richtig ins Chaos verfallen. Jahrhunderte alte Rechnungen werden beglichen werden. Den Wahhabiten wird man höchstwahrscheinlich den Garaus machen und selbstverständlich wird es früher oder später eine Türkei in den heutigen Grenzen nicht mehr geben. Das sage ich nicht, weil ich grundsätzlich etwas gegen Türken habe, im Gegenteil kann ich Türken gut leiden, sondern weil alle historischen Fakten darauf hindeuten.
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      hihardtAntwort ander15.Franzose(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      der15.Franzose,
      auch von mir einen ganz herzlichen Dank an Herrn Gellermann. Einfach brillant geschrieben!!!!!!!!
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      hihardtAntwort anPiero Doldi(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Piero Doldi,
      und man möchte ihnen wünschen, dass sie es auch tun!!!!
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      Der RealistAntwort an (Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      abcd, die Türken,Osmanen haben den 1. Weltkrieg nicht verloren,sondern die "Dolchstoß-Verräter in den eigenen Reihen" Armenier etc. haben die Türken verkauft. Egal,verloren und verkauft das Reich und normalerweise zerstückelt von den Imperialisten,kommen die Jung Türken,wie PHÖNIX aus der Asche,und gewannen gegen die WELTMÄCHTE,zwangen sie die VERTRÄGE von SEVRES zu verbrennen und bestimmten den neuen,eigenen Vertrag von Lausanne!!! Für das absolute Weltreich Großbritannien eine SCHMACH,die sie auch zugaben!!!
      Nach der "AUFERSTEHUNG des OSMANISCH - ISLAMISCHEN REICHES,mit ERDOGAN,wo immer DU heute islamische LÄNDER auf dieser ERDE siehst ,da kannst DU sie auch OSMANEN nennen.Ich glaube nicht,das du in der Lage bist, die islamischen Länder,Türken als ihre FÜHRER-Nation aufzählen kannst.
      Denn wenn Du es erkennst,brauchen die Türken kein Land mehr mit Gewalt erobern,MISSION erfüllt!!!
      Kannst Du mir sagen,welches Land die wichtigste geopolitische Brisanz besitzt und aus der Geschichte weiß du auch sicher,was die bis jetzt angeketteten Wölfe in Schafpelz,losgelöst anrichten werden,die Feinde zerreißen!!!
      Gewalt ist keine Lösung,die Türkei will Frieden,keine Angst.
      Angst solltest du haben,wenn die Türkei krieg möchte!!!
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      Der RealistAntwort an (Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      abcd, historische Fakten werden ZUKUNFTS FAKTEN :
      neue OSMANISHES- REICH!!!
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      Antwort anDer Realist(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Der Realist,
      Man muss halt dazu sagen, dass die Türken wo immer sie in der Vergangenheit auftauchten, für Ärger und Kriege sorgten. Gnaeus Pompeius Magnus hätte das Problem sicherlich kurzerhand gelöst. Wie gesagt, vielleicht wäre es besser, die Türken würden wieder in ihre angestammte Heimat ziehen, die im östlichen Zentralasien liegt. Damit wäre uns allen geholfen.
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