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07:18 24 Oktober 2019
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    Türkische Panzer in Karakamis rollen in Richtung türkisch-syrische Grenze am 24.08.16

    Auf dem Weg zur „Ersten Geige“: Türkei übt sich in neuer Rolle in Syrien

    © AFP 2019 / Bulent Kilic
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    Die türkische Armee und die von ihr unterstützten Einheiten der syrischen Opposition erweitern ihre Operation „Schutzschild Euphrat“ im Norden Syriens hin zu einer Offensive auf die Stellungen der syrischen Kurden, wie die Zeitung „Kommersant“ am Montag schreibt.

    Die Militäroperation gegen die kurdische Partei der Demokratischen Union macht die Türkei zum zweitwichtigsten Akteur in Syrien neben Russland. Obwohl die Handlungen der türkischen Armee ohne Genehmigung von Damaskus erfolgen, enthalten sich seine Hauptverbündeten Moskau und Teheran scharfer Kritik. Vor diesem Hintergrund kommen die Vermutungen auf, dass Russland und der Iran die neue Rolle der Türkei im Syrien-Konflikt akzeptierten. Damit wiederum steigt Ankara de facto zum Anführer der westlichen Koalition auf, die von den USA geleitet wird. Das Neue der türkischen Herangehensweise ist, dass ein Rücktritt Assads keine Bedingung mehr ist, stattdessen wird sich auf Lösung der eigenen Probleme konzentriert, das größte davon – die Vereitelung eines lebensfähigen kurdischen Autonomiegebiets in Syrien.

    Die am 24. August im Norden Syriens begonnene Operation „Schutzschild Euphrat“, bei der die türkische Armee gemeinsam mit Einheiten der Freien Syrischen Armee eine Offensive auf die Stadt Dscherabulus starteten, rückt immer tiefer in das syrische Territorium vor. Die Operation könnte sich für Ankara zu einem langfristigen Militäreinsatz entwickeln. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte dazu in Gaziantep: „Unsere Operation im Norden Syriens wird so lange dauern, bis wir diese Terrororganisation (die kurdische Partei der Demokratischen Union PYD – Anm. d. R.) ausgerottet haben“.

    Wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, flogen türkische Luftstreitkräfte zuletzt Angriffe gegen Infrastrukturobjekte der Partei der Demokratischen Union und der kurdischen Arbeiterpartei PKK, wobei 25 Terroristen getötet worden sein sollen. Zudem habe es 80 Angriffe auf Stellungen der kurdischen Selbstverteidigungseinheiten gegeben, wobei ein Munitionslager, ein Auto mit Sprengsätzen und eine Kommandostelle vernichtet wurden.

    Die von der türkischen Armee begonnene Operation wird zu einem neuen Faktor, der zur Umverteilung der Rollen der Welt- und Regionalmächte in dem Syrien-Konflikt führen kann. Auffallend ist, dass Moskau sich scharfer Kritik in Richtung  Ankara, welches doch die Souveränität des russischen Verbündeten Syrien verletzte, enthält.

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    Wie aus russische Militärkreisen nach dem am vergangenen Freitag stattgefundenen Telefongespräch zwischen den Staatschefs Russlands und der Türkei über die Operation „Schutzschild Euphrat ”, heißt, tauschen Moskau und Ankara rege Informationen aus und pflegen Kontakte auf Generalstabsebene. Künftig könnten hochrangige Vertreter des russischen Verteidigungsministeriums nach Ankara reisen, um mit den türkischen Kollegen die Syrien-Frage zu besprechen.

    Während Russland seit der Normalisierung der gegenseitigen Beziehungen die Türkei nicht mehr als destruktive Kraft in Syrien wahrnimmt, haben die USA die Operation „Schutzschild Euphrat ” als eine der ersten unterstützt – eine entsprechende Äußerung  kam damals von US-Vizepräsident Joe Biden, der in der vergangenen Woche mit einer Versöhnungsmission nach Ankara gereist war.

    Allerdings bereitete die Einmischung der Türkei in den syrischen Konflikt Washington zugleich auch mehrere zusätzliche Probleme. Erdogan bewegt Washington de facto dazu, zwischen Ankara und den syrischen Kurden zu wählen, die bis vor kurzem eine der effektivsten Verbündeten der USA im Kampf gegen den sogenannten „Islamischen Staat“ waren. Biden stellte den Kurden während seines Ankara-Besuchs de facto ein Ultimatum: „Entweder ziehen sie ihre Truppen zum östlichen Ufer des Euphrats ab (wie dies Erdogan fordert – Anm. d. Red.), oder sie verlieren die Unterstützung der USA.“

    Ein weiteres Problem für die USA ist die Lage in der von ihnen geleiteten Anti-IS-Koalition. Nach Beginn der türkischen Operation entstand eine paradoxe Situation – die von den USA ausgerüsteten und finanzierten Einheiten der „gemäßigten syrischen Opposition“ stellten sich auf die Seite Ankaras und kämpfen gegen andere Verbündeten Washingtons – kurdische PYD-Einheiten sowie Selbstverteidigungskräfte.

    Moskau und Teheran könnten fünf Jahre nach Beginn des Syrien-Konflikts der neuen Rolle Ankaras in Syrien zustimmen. Mit Beginn der Operation „Schutzschild Euphrat ” bekommt die Türkei nun die Chance, die erste Geige in der westlichen Koalition zu spielen, die derzeit von den USA angeführt wird. Dieses Szenario wird immer realer angesichts der Tatsache, dass der aus dem Amt scheidende US-Präsident Barack Obama offenbar keinerlei entschlossene Schritte in Betracht zieht, um die Führungsrolle der USA zu festigen.

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