11:03 22 Januar 2018
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    Türkischer Panzer auf dem Weg nach syrischem Dscharabulus

    Ankara kommt ins kurdische Trudeln: Syrien-Operation droht mit Bürgerkrieg in Türkei

    © AFP 2018/ Bulent Kilic
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    Nesawissimaja Gaseta
    Kampf gegen den IS (813)
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    Die türkische Operation in Syrien zielt immer mehr auf die Kurden ab. Dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zufolge wird die Operation so lange dauern, bis der Militärflügel der kurdischen Selbstverteidigungseinheiten vernichtet ist, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

    Im Norden Syriens sind die Zusammenstöße zwischen den lokalen Aufständischen, die von der Türkei unterstützt werden, und den Kurden intensiver geworden. Die Aufständischen der Freien Syrischen Armee haben mit Unterstützungder türkischen Luftwaffe zehn kurdische Dörfer erobert sowie vier Ortschaften vom Islamischen Staat zurückerobert.

    Neue Kämpfe unter Teilnahme der Türkei und ihrer Kreaturen sorgten für Gespräche, dass das wahre Ziel Ankaras sei, die kurdische Expansion zu stoppen, berichtete „Washington Post“. Allerdings steckt darin auch eine Gefahr. Die Operation „Euphrat-Schild“ lenkt Ressourcen und Aufmerksamkeit von der Kampagne gegen den „Islamischen Staat“ ab. Die Türkei riskiert als Nato-Mitgliedsstaat außerdem, die Beziehungen mit den USA zu verschlechtern, die die Kurden als Verbündete und effektivste Kraft beim Kampf gegen die Dschihadisten ansehen. US-Spezialeinheiten hatten im August den kurdischen Selbstverteidigungskräften geholfen, Manbidsch vom IS zu befreien. Damit stehe Washington vor einer schwierigen Wahl, so „The Washington Post“. 

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    Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete über den Tod von 25 „kurdischen Terroristen“ bei einem Luftangriff. Laut syrischen Beobachtern kamen während der türkischen Operation bereits mindestens 70 Menschen ums Leben, schreibt „The Wall Street Journal“.

    Ankara stellte den Kurden bereits ein Ultimatum. Wie der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu betonte, sollen sich die kurdischen Selbstverteidigungseinheiten schnellstmöglich auf das Ostufer des Euphrat zurückziehen. Falls das nicht geschehe, würden die Selbstverteidigungskräfte Ziel für Angriffe. 

    Laut Pentagon-Sprecher Peter Cook sind die Zusammenstöße mit den Kurden inakzeptabel und lösen tiefe Besorgnis aus. Allerdings unterstützt Washington die Expansion Ankaras. Syrien bezeichnete die türkische Invasion als Verletzung der Souveränität, doch Ankara betonte, dass die Operation in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht und dem in der UN-Charta festgeschriebenen Recht zur Selbstverteidigung erfolge. Allerdings kann das Vorgehen der Türkei zu unvorhersehbaren Folgen und sogar zum Bürgerkrieg gegen die Kurden in der Republik führen, so „The Wall Street Journal“.

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    Experten schließen eine Eskalation in der Türkei nicht aus. Laut der stellvertretenden Direktorin des Russischen Instituts für strategische Studien, Anna Glasowa, kann der Einzug der türkischen Truppen in Syrien die Stabilität nicht fördern und die Situation in der Region nur verschlechtern. Falls das Problem mit den syrischen Kurden nicht friedlich gelöst werde, werde es die Lage in der Türkei selbst beeinflussen.

    Der Beginn der Operation fiel zeitlich mit drei wichtigen Ereignissen zusammen: Wenige Tage vor der Invasion nahmen die syrische Regierungstruppen Kämpfe gegen die Kurden auf. Erdogan erklärte bei den Verhandlungen mit Teheran, dass die Türkei einer Übergangsperiode unter Beteiligung des syrischen Präsidenten Baschar Assad zustimmen würde. Zudem startete die Militäroperation am Tag des Besuchs von US-Vizepräsident Joe Biden in Ankara. Das bedeutet, dass die Türkei die Zustimmung der Amerikaner zu der Operation erhalten hat, so die Expertin.

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    Tags:
    Kurden, Terrormiliz Daesh, Anna Glasowa, Peter Cook, USA, Russland, Türkei, Syrien
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