06:51 24 Januar 2018
SNA Radio
    Türkische Panzer in Karakamis rollen in Richtung türkisch-syrische Grenze am 25.08.16

    Syrien-Konflikt: Koalition Türkei-USA zerschellt am „Euphrat-Schild“

    © REUTERS/ Umit Bektas
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Kommersant
    Kampf gegen den IS (813)
    4764

    Die Operation „Euphrat-Schild“, die von der türkischen Armee im Norden Syriens gestartet wurde, hat die Spaltung der von den USA geleiteten internationalen Koalition ausgelöst, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch.

    Nach der ursprünglichen positiven Reaktion auf die Handlungen Ankaras forderte Washington ein Stopp der Offensive gegen die syrischen Kurden. Sie werden in der Türkei als Terroristen und in den USA als effektivste Kraft im Kampf gegen den IS angesehen.

    Die nach außen hin demonstrierte Geschlossenheit der USA und der Türkei – der zwei wichtigsten Partner in der internationalen Antiterrorkoalition in Syrien – existierte weniger als eine Woche, nachdem die Türkei am 24. August die Operation „Euphrat-Schild“ gestartet hatte.

    Bei seinem Besuch in Ankara hatte Vizepräsident Joe Biden der Türkei die Unterstützung für die Operation ausgesprochen, deren offizielles Ziel der Kampf gegen den „Islamischen Staat“ ist. Doch nach der Abreise Bidens musste Washington angesichts der andauernden Offensive der türkischen Armee gegen die syrischen Kurden und der damit verbundenen nicht geplanten Komplikationen seine Position revidieren. Gleich mehrere hochrangige Vertreter des Weißen Hauses sprachen von der Unannehmbarkeit der Situation, wenn ein Teilnehmer der von den USA geleiteten Koalition in Syrien einen anderen wichtigen Teilnehmer angreift.

    „Weitere Handlungen gegen die Syrischen demokratischen Kräfte werden die Anstrengungen der einheitlichen Front gegen den Islamischen Staat nur erschweren, für deren Fortsetzung wir uns aussprechen“, sagte der stellvertretende Sicherheitsberater des US-Präsidenten, Ben Rhodes.

    „Nicht abgestimmte Operationen und Manöver geben dem Islamischen Staat nur die Möglichkeit, die Angriffe gegen die Türkei, die USA und unsere Partner in der ganzen Welt fortzusetzen“, warnte Pentagon-Sprecher Peter Cook die Türkei und bezeichnete die aktuelle Lage als inakzeptabel. Damit erkennt er im Grunde an, dass die USA nach Beginn der Operation „Euphrat-Schild“ die Kontrolle über die Kräfte ihrer Koalition in Syrien verlieren.

    Die Konfliktteilnehmer übernehmen ohne Abstimmung mit Washington die Initiative und bringen zunehmend unkalkulierbare Risiken in das Vorgehen der Koalition ein. „Dort kämpfen ohnehin zu viele verschiedene Kräfte. In diesem Zusammenhang rufen wir alle Teilnehmer des bewaffneten Kampfes dazu auf, einzuhalten und Maßnahmen zur Deeskalation zu treffen“, sagte Cook.

    Syrien: Erdogan realisiert Plan B der Amerikaner

    • Türkischer Panzer auf dem Weg  nach syrischem Dscharabulus
      Türkischer Panzer auf dem Weg nach syrischem Dscharabulus
      © AFP 2018/ BULENT KILIC
    • Türkische Spezialeinheiten starten Offensive in Dscharabulus
      Türkische Spezialeinheiten starten Offensive in Dscharabulus
      © AFP 2018/ Bulent Kilic
    • Türkische Panzer in Karakamis rollen in Richtung türkisch-syrische Grenze am 24.08.16
      Türkische Panzer in Karakamis rollen in Richtung türkisch-syrische Grenze am 24.08.16
      © AFP 2018/ Bulent Kilic
    • Türkische Panzer an der Grezen zu Syrien
      Türkische Panzer an der Grezen zu Syrien
      © REUTERS/ STRINGER
    • Luftangriff der türkischen Armee auf Dscherablus
      Luftangriff der türkischen Armee auf Dscherablus
      © AFP 2018/ Bulent Kilic
    • Türkischer Panzer auf dem Weg nach syrischem Dscharabulus
      Türkischer Panzer auf dem Weg nach syrischem Dscharabulus
      © AFP 2018/ Bulent Kilic
    1 / 6
    © AFP 2018/ BULENT KILIC
    Türkischer Panzer auf dem Weg nach syrischem Dscharabulus

    Pentagon-Chef Ashton Carter rief Ankara und die syrischen Kurden dazu auf, nicht gegeneinander zu kämpfen, sondern zusammen mit Washington mit einer einheitlichen Front im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ vorzugehen. „Wir verstehen, dass zwischen ihnen historische Kontroversen bestehen, doch die US-Interessen sind eindeutig formuliert – wir, wie auch sie, wollen gegen den IS kämpfen“, so Carter.

    Inzwischen tauchten am Dienstag weitere Bestätigungen dafür auf, dass die Militärkampagne gegen die syrischen Kurden die westliche Koalition zunehmend spaltet. Der französische Präsident Francois Hollande sagte beim Treffen mit den Chefs der französischen diplomatischen Missionen im Ausland, dass Militäreinsätze im Ausland wie die türkische Operation das Risiko einer allgemeinen Eskalation in sich tragen.

    Angesichts der Tatsache, dass das Vorgehen des türkischen Präsidenten bei der Operation „Euphrat-Schild“ die weitere Umsetzung des US-Szenarios im Kampf gegen den IS bedroht, wird diese Frage anscheinend bei dem für nächste Woche geplanten Treffen von Pentagon-Chef Ashton Carter und dessen türkischem Amtskollegen Fikri Isik besprochen. Darüber hinaus wird der türkische Militäreinsatz in Syrien eines der Hauptthemen beim Treffen zwischen US-Präsident Barack Obama mit Recep Tayyip Erdogan am Rande des G20-Gipfels in China sein.

    Themen:
    Kampf gegen den IS (813)

    Zum Thema:

    Ankara kommt ins kurdische Trudeln: Syrien-Operation droht mit Bürgerkrieg in Türkei
    Türkischer Ex-Aufklärungschef: „Ich vermittle zwischen der Türkei und Syrien“
    Weitere türkische Panzereinheit überquert Syrien-Grenze
    Wie die türkische Bodenoffensive das Kräfteverhältnis in Syrien verändert
    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Joe Biden, Syrien, USA, Türkei
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren