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08:00 14 Oktober 2019
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    Frankreichs Wirtschaftsminister Emmanuel Macron

    Wirbel um Shooting-Star: Frankreichs Wirtschaftsminister klopft am Élysée-Palast an

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    Der Jungstar der französischen Regierung, Wirtschaftsminister Emmanuel Macron, hat seinen Rücktritt erklärt, um sich vollständig seiner politischen Bewegung „En marche!“ zu widmen, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Donnerstag.

    Kaum jemand hat Zweifel daran, dass Macron im September seine Präsidentschaftskandidatur verkünden wird. Er reichte am Dienstagabend bei Staatschef Franсois Hollande seinen Rücktritt ein. Der Rückzug eines der wichtigsten Minister war keine Überraschung für Hollande und im Voraus abgesprochen. Regierungssprecher Stephane Le Foll richtete am Mittwoch nur noch einige bittere Worte an Macron und betonte, dass eine gemeinsame Sache keinen Individualismus duldet.

    Bei dem „Individualismus“ handelt es sich um die von Macron gegründete Bewegung „En marche!“ („Vorwärts!“). Wohin genau sich Macron so entschlossen bewegt, war gleich klar – in Richtung Kandidatur für das Präsidentenamt. Der 38-jährige Politiker gab mit der Gründung der eigenen Bewegung im Frühjahr zu verstehen, dass er um die Wähler sowohl des rechten als auch des linken Zentrums und vor allem um junge Leute, darunter aktive Internetnutzer, werben will.

    Der Rücktritt Macrons ist ein Schlag gegen Präsidenten Francois Hollande, dessen Kreis der Vertrauten bereits von Justizministerin Christiane Taubira verlassen wurde. Laut dem ehemaligen Premier Francois Fillon hat Hollande jetzt beide Flügel verloren – sowohl den linken als auch den rechten (Taubira stand in der Regierung für eher linke Positionen und Macron für rechte). Der ehemalige Präsident Nicolas Sarkozy, der sich ebenfalls um das Präsidentenamt bewerben will, meldete sich zu Wort. „Bei den Sozialisten hat es keine Wirtschaftspolitik gegeben, es gibt auch keinen Minister mehr. Das ist logisch“, so Hollande.

    Medien und Experten zufolge deutete Macron mit seinem Rücktritt seine Präsidentschaftskandidatur an. Offiziell wurden seine Pläne jedoch nicht bekanntgegeben.

    Allerdings wird sich der Politiker in einer schwierigen Lage erweisen, wenn er in das Präsidentschaftsrennen einsteigt. Einerseits hat er bereits blitzschnell Karriere gemacht. Mit 36 Jahren zog er aus der Präsidialverwaltung in die Regierung ein und übernahm die Leitung eines der wichtigsten Ministerien und wurde jüngster Minister im Team von Premier Manuel Valls. Doch die größte Schwierigkeit ist das Fehlen von Verbündeten. Laut Politikern, die mit ihm arbeiteten, ist Macron zu ambitioniert und neigt nicht zur Teamarbeit. Nach Angaben der Zeitung „Le Canard Enchaine“ hat er seinen ehemaligen Chef Hollande hinter dem Rücken als „Soziopath“ bezeichnet.

    Der ehemalige Wirtschaftsminister erinnert ständig daran, dass er kein Mitglied der regierenden Sozialistischen Partei ist. „Ich bin kein Sozialist. Aber ich bin links“, so Macron. Allerdings mögen „wahre“ Linke ihn nicht und werfen ihm seine Vergangenheit im Bankenbereich vor.

    Ein weiteres Problem für Macron könnte sein, dass er parteilich nicht zu verorten ist. Der Vizepräsident der rechtspopulistischen Front National, Florian Philippot, schrieb auf Twitter: „Nach dem Rücktritt Macrons: Bei welchen Vorwahlen wird er antreten – den linken oder den rechten?“

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    Stephane Le Foll, François Hollande, Emmanuel Macron, Frankreich