04:27 01 Dezember 2020
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    Die Beziehungen zwischen den USA und den Philippinen, die in der Asien-Pazifik-Region verbündet sind, stehen nach der verbalen Attacke von Präsident Rodrigo Duterte gegen Barack Obama unter keinem guten Stern , schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch.

    Nachdem der Präsident der Philippinen seinen US-Kollegen öffentlich als „Hurensohn“ beschimpft hatte, sagte Obama das geplante Treffen mit dem philippinischen Staatschef beim dreitägigen ASEAN-Gipfel ab, der am Dienstag in der Hauptstadt von Laos, Vientiane, eröffnet wurde. Der philippinische Präsident bedauerte zwar am Dienstag seine Worte, viele Experten sahen in diesem Konflikt jedoch ein Vorzeichen für eine Spaltung zwischen den USA und den Philippinen, was von Peking, dem größten geopolitischen Opponenten Washingtons in der Region, ausgenutzt werden könnte.

    Der Skandal war Folge der Reaktion von Rodrigo Duterte auf die Verkündigung der US-Administration, dass Obama bei ihrem persönlichen Treffen beim ASEAN-Forum dessen tödlichen Feldzug gegen vermeintliche Drogendealer auf den Philippinen zur Sprache bringen wolle. Seit dem Amtsantritt Dutertes am 30. Juni wurden auf den Philippinen rund 900 Menschen von Polizisten und Bürgerwehren ohne Gerichtsverfahren getötet. UN-Experten bezeichneten diese Aktion als „Lizenz zum Töten“.

    Nach übler Beleidigung von Obama: Philippinischer Präsident rudert zurück

    Vor seiner Abreise nach Laos sagte Duterte bei einer Pressekonferenz, dass er von Obama keine Belehrungen in Bezug auf die Einhaltung der Menschenrechte hören wolle. „Ich bin Präsident eines souveränen Staates und wir sind seit langem keine Kolonie mehr. Das philippinische Volk ist meine einzige Autorität. Sie müssen Respekt zeigen. Putangina, ich werde dich beim Forum verfluchen“, sagte Duterte. „Putangina“ bedeutet auf Tagalog „Hurensohn“.

    Allerdings versuchte Duterte am Dienstag, seine Worte zurückzunehmen. „Während meine harten Kommentare als Antwort auf bestimmte Fragen der Presse, die für Beunruhigung sorgten, der unmittelbare Grund war, bedauern wir, dass diese Kommentare als persönlicher Angriff auf den US-Präsidenten wahrgenommen wurden“, zitiert die Nachrichtenagentur AFP den philippinischen Präsidenten.

    Barack Obama reagierte zurückhaltend auf die Vorwürfe Dutertes, der den Ruf eines „asiatischen Donald Trump“ hat. Der philippinische Präsident sei ein schillernder Typ, sagte Obama. Danach teilten Medien mit, dass das Treffen mit dem philippinischen Staatschef abgesagt wurde.

    Experten sehen in diesem Konflikt ein Zeichen dafür, dass der 71-jährige philippinische Staatschef die Außenpolitik des Landes revidiert und vor allem auf ihre amerikanische Ausrichtung verzichten will. Washington bezeichnete die Philippinen immer als einen der wichtigsten Verbündeten in Asien. 2011 unterzeichnete Manila eine Erklärung, die die Punkte des Vertrages über die amerikanisch-philippinische gegenseitige Verteidigung aus dem Jahr 1951 bekräftigte.

    Während des Kalten Kriegs schufen die Amerikaner auf den Philippinen ein Netz von Militärstützpunkten. Die USA sind heute einer der wichtigsten Handelspartner der Philippinen und ihr größter ausländischer Investor. Eine neue Etappe der bilateralen Beziehungen begann unter Obama, der die Wende gen Osten und die Schaffung eines „Gürtels zur Abschreckung Chinas“ erklärte.

    Zwischen den Philippinen und China läuft ein bitterer Streit um die Spartly-Inseln im Südchinesischen Meer, bei dem Washington Manila unterstützt. Wie der Experte des Zentrums für strategische Entwicklungen, Anton Zwetow, aber betonte, wird Duterte jetzt den Inselstreit nicht zuspitzen. Der philippinische Präsident habe einen ruhigeren Ton beim Dialog mit China bei dieser Frage gewählt, so der Experte.

    „Der philippinische Anführer will nicht, dass das Bündnis mit den USA ihn in eine Sackgasse treibt und zu unerwünschten Folgen für das Land führt, darunter wirtschaftlichen Folgen. Vor den Philippinen stehen riesengroße Aufgaben bei der Wirtschaftsentwicklung und dem Kampf gegen die Armut, da wird chinesisches Geld nicht fehl am Platze sein“, so Zwetow. Was die Verbalattacke Dutertes betreffe, werde dieser Vorfall die philippinisch-amerikanischen Beziehungen nicht untergraben, auch wenn er zur Verlangsamung ihrer Entwicklung führen könne.

    Die entstandene Situation wurde von China genutzt, das die Philippinen offen unterstützte. „Die Philippinen sind ein langfristiger Nachbar Chinas. Wir hoffen, dass wir die chinesisch-philippinischen Beziehungen verbessern werden, und glauben daran, dass dies den Absichten beider Länder entspricht. China ist bereit, den Dialog mit den Philippinen aufrechtzuerhalten, der zur Festigung der Beziehungen führen wird“, sagte die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Hua Chunying.

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    Tags:
    Kalter Krieg, ASEAN-Gipfel in Laos, Barack Obama, Philippinen, USA, China