12:06 18 Dezember 2017
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    Türkischer Panzer auf dem Weg  nach syrischem Dscharabulus

    Türkei bei Befreiung von Rakka dabei – will dafür aber Freiheit in der Kurden-Frage

    © AFP 2017/ BULENT KILIC
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    In der Syrien-Krise ist eine einschneidende Wende zu erwarten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte sich bereit, den USA bei der Befreiung der IS-Hochburg Rakka zu helfen, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Donnerstag.

    Sollte es dazu kommen, werden sich in Syrien neue Verhältnisse bilden – zum Hauptakteur der Bodenoperation gegen den „Islamischen Staat“ (IS) wird Ankara. Allerdings wird die Türkei im Gegenzug freien Handlungsspielraum bei der Lösung der Kurden-Frage fordern.

    Erdogan machte seine sensationelle Ankündigung im Flugzeug, als der türkische Präsident auf dem Rückweg vom G20-Gipfel in Hangzhou war. „Rakka ist die IS-Hochburg. Obama sagte mir, er wolle zusammen mit uns etwas in Bezug auf Rakka unternehmen. Wir sagten, unsererseits gibt es keine Probleme. Wir haben vorgeschlagen, dass sich unsere Militärs treffen und die Frage besprechen, was konkret unternommen werden soll“, sagte Erdogan den Journalisten an Bord des Flugzeugs. Er fügte hinzu, dass die Türkei kein Recht habe, einen Rückzieher zu machen, und Präsenz in der Region zeigen müsse.

    Rakka steht seit 2013 unter Kontrolle des „Islamischen Staates“. Die Terrormiliz richtete dort eigene Verwaltungsorgane ein und erklärte die Stadt zu ihrer Hochburg. Früher waren die Demokratischen Kräfte Syriens, deren Kern die kurdischen Selbstverteidigungseinheiten YPG bilden, mit ihrer Offensive auf Rakka weit vor der Stadt gescheitert. Auch die syrischen Regierungstruppen hatten bei der Offensive auf Rakka im Juni keinen Erfolg verzeichnen können.

    Allerdings kann es demnächst eine Lösung geben. Die Situation an der syrischen Front änderte sich, als die türkische Armee am 24. August die Operation „Schild Euphrat“ begann. Panzer und schwere Artillerie passierten die Grenze Syriens und unterstützten die Einheiten der oppositionellen Freien Syrischen Armee bei der Offensive auf die Stadt Dscherablus.

    Doch Experten zufolge war für Erdogan der Kampf gegen den IS und andere islamische Radikale in Syrien nie Priorität. Viel wichtiger war für Ankara die Verhinderung des Vorrückens der syrischen Kurden, damit sie an der syrischen Grenze kein vollwertiges autonomes Gebiet einrichten können. Die Bildung eines autonomen Gebiets kann Ankara zufolge die türkischen Kurden destabilisieren und ihre separatistischen Pläne stärken. Angesichts dieser Tatsache wäre es logisch, wenn Erdogan von Obama im Tausch gegen Militärhilfe bei der Offensive auf Rakka einen freien Handlungsraum bei der Lösung der Kurden-Frage fordern wird.

    Für Washington würde dieses Szenario einen Kurswechsel in der Syrien-Politik bedeuten. Während sich die USA bislang im Kampf gegen den IS vor allem auf die kurdischen Milizen stützten, können jetzt türkische Truppen zu ihrem Hauptverbündeten am Boden werden. 

    Syrien: Erdogan realisiert Plan B der Amerikaner

    Sollte die IS-Hochburg Rakka vor der US-Präsidentschaftswahl im November erobert werden, könnte das Weiße Haus den Wählern gewichtige Beweise dafür vorlegen, dass die Außenpolitik der Demokraten konkrete Ergebnisse und nicht nur Enttäuschungen bringt, wie dies der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump behauptet.

    Laut dem Orientalisten Wladimir Sotnikow ist der Neid in den USA derzeit groß, dass die Türkei mit ihrer starken Armee selbstständiger Akteur an der syrischen Front geworden ist. Washington wolle Ankara im Rahmen der von den USA angeführten Koalition halten. Die Amerikaner befürchten, dass die Türken in Syrien ohne Absprache mit ihnen vorgehen werden, führte der Experte aus.

    Für Erdogan sei das persönliche Ansehen wichtig. Der türkische Präsident sei ein Taktierer mit einem ausgeprägten Spürsinn für Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt. Es sei nicht ausgeschlossen, dass er im letzten Moment sagt, dass Ankara sich doch nicht an der gemeinsamen Befreiung von Rakka beteiligt, um viele Opfer in den eigenen Reihen zu verhindern. Die IS-Hochburg sei gut befestigt. Es sei unklar, ob die Türkei wirklich bereit sei, sich in eine große Bodenoperation hineinziehen zu lassen, so der Experte.

    Russland könnte seine Besorgnis wegen der Teilnahme der Türkei an einer solchen Operation zum Ausdruck bringen, würde allerdings Ankara nicht zu stark kritisieren. Sotnikow zufolge ist es für Moskau viel wichtiger, dass die Türkei die Füße bezüglich des syrischen Präsidenten Baschar Assad stillhält. Anscheinend gebe es zwischen Erdogan und Putin eine geheime Absprache dazu, meint der Experte.

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    Kurdenpartei PYD, Terrormiliz Daesh, Rakka, Syrien, Türkei
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