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    Im Kontext der Präsidentschaftswahl in den USA ist plötzlich die Gesundheit der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton in den Vordergrund gerückt, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Dienstag.

    Clintons Wahlstab verkündete gestern, dass alle ihre Wahlkampfreisen bis mindestens Dienstag gestrichen worden seien.

    Am Sonntag hatte sich Clinton während der Trauerzeremonie zum 15. Jahrestag der 9/11-Terrorangriffe von 2001 plötzlich unwohl gefühlt und musste vorzeitig abreisen.

    Eine Stunde später teilte ihr Sprecher, Nick Merrill mit, Clinton hätte „gespürt, sich überhitzt zu haben, und beschlossen, sich in die Wohnung ihrer Tochter zu begeben“.

    Am selben Tag tauchte aber im Internet ein Video auf, auf dem zu sehen war, dass die demokratische Kandidatin neben ihren Wächtern auf ihr Auto wartete und dabei von ihrer Assistentin gestützt wurde. Als sie in den Wagen steigen wollte, wäre Clinton beinahe hingefallen.

    Wenige Stunden später berichteten Medien unter Berufung auf die behandelnden Ärzte, bei Clinton sei eine Lungenentzündung diagnostiziert worden. Sie selbst ließ sich am selben Tag vor laufenden Fernsehkameras sehen und beteuerte: „Mit mir ist alles in Ordnung, ich fühle mich hervorragend.“

    Die Gesundheitsprobleme der demokratischen Präsidentschaftskandidatin sind nicht neu. Bereits im Dezember 2012, als sie US-Außenministerin war, wurde sie einmal ohnmächtig und musste sich mehrere Tage ausruhen. Als Grund dafür wurde damals ein Darmvirus genannt.

    Dieses Thema griff Clintons republikanischer Gegner Donald Trump prompt auf. In einer seiner Reden erklärte er, sie hätte „weder moralische noch physische Ausdauer“, die für die Vernichtung des so genannten „Islamischen Staates“" nötig wäre.

    Nach dem jüngsten Zwischenfall zeigte sich der exzentrische Milliardär allerdings großzügig, untersagte seinen Assistenten, sich zu Clintons Gesundheit zu äußern, und wünschte seiner Gegnerin gute Besserung. Zugleich versprach er, demnächst ausführliche Informationen über seinen eigenen Gesundheitszustand zu veröffentlichen.

    Die Geschichte um Clintons Krankheit könnte die Umfragewerte der beiden Kandidaten beeinflussen. Viele US-Medien kritisierten Clintons Wahlstab für die Beleuchtung dieser Situation. Die mangelhafte Transparenz könnte schlimme Folgen für das Vertrauen der Wähler zu der Demokratin haben. Laut bisherigen Umfragen liegt sie zwar vor Trump, aber der Republikaner holt allmählich auf.

    In dieser Situation stellt sich unvermeidlich die Frage: Was passiert, wenn einer der Kandidaten vor der Abstimmung am 8. November sterben bzw. handlungsunfähig würde? Eine klare Antwort gibt es nicht. Die Republikanische Partei würde eine Sitzung ihres Nationalen Komitees zusammenrufen, das einen neuen Kandidaten nominieren würde. Ähnlich würde auch das Nationale Komitee der Demokratischen Partei handeln.

    Wirklich große Probleme würden entstehen, wenn der designierte Präsident bzw. die designierte Präsidentin schon nach dem Wahlsieg sterben würde. Laut Gesetz wird der Name des neuen US-Präsidenten vom Wählervertreter-Kollegium genannt. Sollte der Wahlsieger bzw. die Wahlsiegerin vor der Versammlung dieses Gremiums Mitte Dezember ableben, würde die Führung der jeweiligen Partei die Person ernennen, die ihn bzw. sie ersetzen wird. Eine Neuwahl ist ausgeschlossen.

    Die Partei geht davon aus, dass die Wählervertreter für den ihnen gebotenen Kandidaten stimmen werden. Dann muss diese Person vom Kongress gebilligt werden. Sollte der Wahlsieger bzw. die Wahlsiegerin nach der Sitzung des Wählervertreter-Kollegiums sterben, wird der Kongress entscheiden, ob er bzw. sie als gewählter Präsident bzw. gewählte Präsidentin gelten darf. Im Falle einer positiven Abstimmung wird der neue Vizepräsident die Staatsführung übernehmen.

    Solche Präzedenzfälle gab es in der US-Geschichte noch nie. Klar ist aber, dass die entscheidende Rolle dabei der Kongress spielt. Seine Zusammensetzung wird nach dem 8. November ebenfalls neu sein, und laut bisherigen Prognosen werden die Republikaner in beiden Parlamentshäusern die Führungsrolle spielen.

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    US-Präsidentschaftswahl 2016, Donald Trump, Hillary Clinton, USA