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    Ein F-16-Kampfjet der US-Streitkräfte

    Nach Angriffen auf syrische Armee: USA schulden Russland eine Erklärung

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    Russland wird mit den USA kein gemeinsames Zentrum für die Koordinierung der Handlungen in Syrien bilden, solange es von Washington keine Erläuterungen zum jüngsten Luftschlag der von den USA geführten Koalition gegen Stellungen der syrischen Regierungstruppen erhalten hat, schreibt die Zeitung "Iswestija" am Dienstag.

    Diese Position brachte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat (Parlamentsoberhaus), Konstantin Kossatschow, zum Ausdruck.

    „Die Amerikaner interpretieren die getroffenen Vereinbarungen (vom 9. September) ständig neu. Zunächst sollten sieben Tage (nach dem Beginn der Waffenruhe) vergehen, darunter zwei 48-stündige ‚Prüfzeitpunkte‘, wonach das Koordinationszentrum gebildet werden sollte. Jetzt aber verletzen die Amerikaner die Reihenfolge der abgesprochenen Handlungen“, betonte der Senator. Dabei gehe es nicht einmal um den Schlag gegen die syrischen Regierungstruppen, sondern vielmehr um den Einsatz von Kampfjets, was nach dem Wortlaut der Vereinbarungen im Prinzip untersagt gewesen sei. „Wie kann man denn mit den Amerikanern in so einer Situation verhandeln?“, fragte Kossatschow rhetorisch. „Ich bin ein überzeugter Anhänger der Bildung eines Koordinationszentrums, denn ohne dieses Zentrum würde es immer wieder neue solche Zwischenfälle geben. Früher oder später müssen wir über die Koordinierung unserer Handlungen verhandeln. Aber jetzt sind diese Vereinbarungen am Rande des Scheiterns.“

    Eine russische militärdiplomatische Quelle verriet jedoch, dass die Perspektiven des Koordinationszentrums noch ungewiss seien.

    „Derzeit kommt irgendein konkretes Zusammenwirken in Syrien zwischen dem Pentagon und dem russischen Verteidigungsministerium nicht infrage. Die Vereinbarungen zur Koordinierung der Aktivitäten und zur Bildung des Zentrums sind zwar vorhanden, doch sie werden vom Pentagon größtenteils ignoriert“, so der Insider.

    Washingtons offizielle Position ist jedoch ganz anders: US-Außenminister John Kerry forderte Russland am 19. September auf, nicht auf die Bildung des Koordinationszentrums in Syrien zu verzichten. Dadurch könnten die Seiten künftig Fehler bei Luftschlägen vermeiden.

    „Wir haben einen Fehler begangen und bedauern ihn“, sagte Kerry zum Luftangriff gegen die syrischen Regierungstruppen. „Aber so etwas passiert nun einmal, wenn es sich um bewaffnete Konflikte handelt.“ 

    Am 17. September hatte die Luftwaffe der von Washington geführten Anti-IS-Koalition einen starken Schlag gegen Stellungen der Assad-Truppen in der Nähe von Deir ez-Zor geführt. Dabei wurden 62 Soldaten getötet und mehr als 100 verletzt.

    Der syrische Generalstab nannte diese Attacke „eine offene Aggression“.

    Auch das russische Außenministerium warf den Amerikanern vor, damit die Terroristen unterstützt zu haben. „Früher hatten wir vermutet, dass dadurch die al-Nusra-Front in Schutz genommen werden sollte“, sagte die Sprecherin des Außenamtes, Maria Sacharowa. „Jetzt aber gelangen wir zu einer für die ganze Welt wirklich schrecklichen Feststellung: Das Weiße Haus verteidigt den IS.“

    Der russische Orientalist und ehemalige Diplomat Wjatscheslaw Matusow zeigte sich allerdings überzeugt, dass das russisch-amerikanische Koordinationszentrum unbedingt gebildet werden müsse.

    „Ich habe dieses Thema mit einem ehemaligen Assistenten des US-Verteidigungsministers besprochen. Er räumte ein, dass die Amerikaner in Deir ez-Zor einen Fehler gemacht hatten“, so der Experte. „Auf der Bildung des Koordinationszentrums hatte gerade Russland bestanden, wobei die USA dagegen waren. Die Vereinbarung zur Bildung des Koordinationszentrums resultiert aus einer langen Arbeit der Diplomaten und Militärs beider Länder, wobei gerade unsere Vertreter die Amerikaner überzeugen konnten, Moskaus Position zu akzeptieren.“ Diese Initiative müsse umgesetzt werden, weil das „der einzige Schlüssel zur politischen Konfliktregelung in Syrien“ sei, stellte Matusow fest.

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    Terrorismus, Pentagon, Konstantin Kossatschow, John Kerry, Deir ez-Zor, Syrien, USA, Russland