19:00 27 Februar 2020
SNA Radio
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Von
    81018
    Abonnieren

    Der Präsident der zu Bosnien-Herzegowina gehörenden Republika Srpska, Milorad Dodik, wird am Donnerstag zu Besuch in Russland erwartet, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Mittwoch.

    In Moskau wird sich der Gast mit Präsident Wladimir Putin treffen. Pikant daran ist, dass am kommenden Sonntag in der Republika Srpska ein Volksentscheid über den Tag der Republik angesetzt ist, der im Westen verurteilt und sogar von Serbien nicht unterstützt wurde.

    Das bevorstehende Treffen wurde jüngst vom Vertreter der Republika Srpska in Moskau, Duško Perović, angekündigt. Dodik behauptet allerdings, die entsprechende Vereinbarung sei im Voraus getroffen worden und habe mit dem Referendum am Wochenende nichts zu tun.

    Bei dem Referendum werden die bosnischen Serben entscheiden, ob der 9. Januar als Tag der Republik gefeiert werden soll. Dass der Volksentscheid Ende September abgehalten werden soll, hatten die Behörden der Republika Srpska im Sommer beschlossen. Zuvor hatte das Verfassungsgericht Bosniens die Ausrufung des 9. Januars zum Tag der Republika Srpska als verfassungswidrig erklärt.

    In Bosnien fürchtet man, dass dieser Volksentscheid eine Art Generalprobe für ein Referendum über den Austritt der Republika Srpska aus Bosnien-Herzegowina sein könnte.

    Der Rat für die Umsetzung der Friedensvereinbarungen, in dem Vertreter führender Weltmächte auf Botschafter-Ebene präsent sind, rief die Behörden der Republika Srpska auf, den Volksentscheid abzusagen, und warnte, dass er „eine Verletzung des Abkommens von Dayton, darunter Austrittsversuche, nicht dulden würde“. Allein der russische Botschafter Pjotr Iwanzow stimmte gegen diese Erklärung, weil darin nach seinen Worten „nur Drohungen gegen die Republika Srpska enthalten sind“. Die Behörden dieser Republik behaupten, dadurch könnten die Versuche der bosnischen Führung zur Beschränkung der im Dayton-Abkommen von 1995 verankerten Vollmachten der Republik ein Ende finden.

    In dieser Situation war es für die bosnischen Serben sehr wichtig, die Unterstützung des „älteren Bruders“ in Belgrad zu bekommen. Doch Anfang September erklärte der serbische Premier Aleksandar Vučić, dass sein Land gegen das Referendum auftrete, auch wenn es sich in die Angelegenheiten der bosnischen „Brüder“ nicht einmischen werde. Kurz darauf wurde Dodiks Reise nach Moskau bekannt gegeben.

    Aber selbst, wenn Putin die Idee des Volksentscheids begrüßen sollte, würde das Dodiks Probleme nicht automatisch lösen. „Ohne die klare Unterstützung seitens Belgrads kann Dodik in seiner Republik nicht zuversichtlich sein“, erläuterte der Chefredakteur der serbischen Nachrichtenagentur Beta News, Ivan Cvejić. „Es genügt nicht für das politische Überleben Dodiks, sich nur auf Russland und die nationalistische Opposition in Serbien zu stützen.“ Zudem würde Moskau in eine schwierige Situation geraten, denn es werde zur Unterstützung der bosnischen Serben aufgerufen, wobei aber selbst Belgrad sie nicht unterstütze.

    Allerdings könnte Dodik gerade nach dem Moskau-Besuch diese schwierige Situation regeln, ohne das Gesicht zu verlieren. „Einerseits spürt Dodik den Druck seitens Serbiens, das gegen das Referendum ist. Andererseits wird er auch von der Weltgemeinschaft unter Druck gesetzt, die die Absage des Referendums fordert“, sagte der Experte der einflussreichen bosnischen Zeitung „Dnevni avaz“, Goran Dakić. „Der Ausweg könnte irgendwo in der Mitte liegen. Ob Putin helfen kann, ihn zu finden, wird am 22. September deutlich werden.“

    Mit anderen Worten: Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Kreml-Chef Dodik empfehlen könnte, das Referendum zu verschieben und mit den Behörden in Sarajevo über  einen Ausweg aus dieser Situation im Interesse der Stabilität in Bosnien-Herzegowina zu verhandeln. Davon könnten alle Seiten profitieren.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Nach Tötung Soleimanis: Abgeordnete der Linksfraktion stellen Strafanzeige gegen Merkel
    Hat Putin einen Doppelgänger? Der Präsident gibt Antwort
    Russische Spezialkräfte bei Geheim-Einsatz gefilmt - Video
    Kampf gegen Russlands „Brain drain“: Putin nennt zwei Wege
    Tags:
    Duško Perović, Milorad Dodik, Wladimir Putin, Bosnien-Herzegowina, Republika Srpska, Russland