16:53 14 November 2019
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    Start von Raketen des Typs R-30 (Bulawa) vom U-Boot „Juri Dolgoruki“ (Archivfoto)

    Russische Pannen-Rakete vor dem Aus: Neuer Raketenbauer soll Erfolg sichern

    © Foto: Russlands Verteidigungsministerium
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    Der jüngste Start von Raketen des Typs R-30 (Bulawa) vom U-Boot „Juri Dolgoruki“ kann nur als halber Erfolg verbucht werden. Denn wie das russische Verteidigungsministerium am Mittwoch berichtete, starteten beide Raketen zwar erfolgreich aus den Silos, doch nur eine von ihnen traf ihr Ziel auf der Pazifik-Halbinsel Kamtschatka.

    Das schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Donnerstag.

    Die neuartige seegestützte Interkontinentalrakete des Typs Bulawa (Archivbild)
    © Foto : Das Pressendienst der russischen Nordflotte
    Bislang gab es insgesamt 21 Tests der Bulawa-Raketen, acht davon wurden als gescheitert eingestuft. Der letzte Test könnte endgültig über die Zukunft des Moskauer Instituts für Wärmetechnik entscheiden, das für die Entwicklung der Bulawa-Raketen verantwortlich ist. Nach Angaben der „Nesawissimaja Gaseta“ wurde das Staatliche Makejew-Raketenzentrum, das sich früher auch mit ballistischen Raketen für U-Boote befasste, damit beauftragt, einen Ersatz für die Bulawa-Rakete vorzubereiten.

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    Vor genau einem Jahr wich eine R-30-Rakete nach dem Start vom U-Boot “Wladimir Monomach” von ihrer Flugbahn ab, weshalb die Gefechtsköpfe ihre Ziele verfehlten. Damals wurde angenommen, dass es ein Fehler der U-Boot-Besatzung war. Doch da die Flotte seit 15 Jahren nur mit Bulawa-Raketen Probleme hat und andere Raketen erfolgreich fliegen und Rekorde aufstellen — wie die Flüssigkeitsstoff-Rakete R-29RMU2 Sinewa — wird es sich wohl eher nicht um mangelnde Professionalität der  U-Boot-Spezialisten handeln. Wie „Nesawissimaja Gaseta“ aus russischen Raketenbauerkreisen erfuhr, ist der schlechte Ruf der Bulawa-Raketen auf Konstruktionsfehler der Entwickler zurückzuführen.

    Das Moskauer Institut für Wärmetechnik entwickelte früher die Raketen des Typs Topol und Jars, die heute die Grundlage der Kampfstärke der strategischen Raketentruppen bilden. Doch weil sich das Institut zuvor nie mit Unterwasserstarts befasste und nur Überwasserkomplexe entwickelte, wurden dieselben Technologien auch bei den Bulawa-Raketen angewendet.

    Bei bodengestützten Raketenanlagen wird ein Verkehrs- und Startcontainer genutzt, in dem die Rakete zur Startanlage „fährt“ und aus diesem Container startet. Seegestützte Raketen wurden früher in das Silo des U-Boots ohne Startcontainer geladen. So war es bis zur Entwicklung der Bulawa-Raketen, bei denen ein bodengestütztes Schema umgesetzt wurde – in das Silo wird eine Rakete in einem Container geladen. Vielleicht haben die Konstrukteure Erklärungen für solche exotische Lösungen, doch anscheinend war gerade dieses überflüssige Detail der Grund für die Probleme. Unter Verzicht auf den Startcontainer soll die Rakete neu entwickelt werden.

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    Bereits im Juli gab der Generaldirektor und Chefkonstrukteur des Makejew-Raketenzentrums, Wladimir Degtjar, die Entwicklung einer neuen ballistischen Rakete bekannt, welche die Bulawa-Raketen ersetzen soll. Das Verteidigungsministerium stellte bereits Finanzmittel für Versuchs- und Konstruktionsarbeiten bereit.

    Anscheinend will man nicht von Null anfangen. Das Makejew-Zentrum begann bereits 1986 mit der Entwicklung einer Feststoffrakete des Typs R-39UTTCh Bark für U-Boote. Die Rakete sollte zehn Gefechtsblöcke in nuklearer Ausstattung mittlerer Kapazität tragen und über eine Reichweite von mehr als 10.000 Kilometer verfügen. Mit Bark-Raketen hätten die U-Boote des Borej-Projekts ausgerüstet werden sollen.

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    Das war die russische Antwort auf die US-Rakete Trident-2, die Bark-Rakete war ihr kaum unterlegen. Die Rakete war mit einem speziellen System versehen, das den Start unter einer Eisdecke ermöglichte. Zudem konnte die Bark-Rakete sowohl auf einer gewöhnlichen, als auch auf niedriger Flugbahn genutzt werden. Im ersten Fall flog die Rakete von der Barentssee bis Kamtschatka innerhalb von 30 Minuten, im zweiten Fall innerhalb von 17 Minuten.

    Doch 1998, als die Bark-Rakete zu 73 Prozent fertig war, wurde das Projekt geschlossen. Es wurde mit der Entwicklung der Bulawa-Rakete im Moskauer Institut für Wärmetechnik begonnen.

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    Bark-Rakete, R-30, R-29RMU2, U-Boot Wladimir Monomach, U-Boot Juri Dolgoruki, Bulawa-Rakete, Topol, Jars, Russland