19:44 15 Dezember 2019
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    Ukrainische Nationalisten mit Bandera-Porträt

    Holocaust-Vorwurf: Ukrainische Nationalisten fordern Entschuldigung von Israel

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    Ein Skandal ist zwischen Kiew und Tel Aviv ausgebrochen, nachdem der israelische Präsident Reuven Rivlin am Mittwoch in seiner Rede in der Obersten Rada (ukrainisches Parlament) Nationalisten aus der ukrainischen Partei OUN der Beteiligung am Holocaust beschuldigt hatte, schreibt die Zeitung "Moskowski Komsomolez" am Donnerstag.

    Rivlins Kiew-Reise war dem 75. Jahrestag des Massenmordes an Juden in Babij Jar während des Zweiten Weltkriegs gewidmet. Er führte an, dass etwa 1,5 Millionen Juden auf dem Territorium der heutigen Ukraine getötet worden seien. Dabei seien viele Ukrainer Mithelfer der Nazis gewesen, und zwar vor allem OUN-Kämpfer.

    Da aber die aktuellen Behörden in Kiew großenteils aus Anhängern von OUN-Ideen bestehen, fühlten sie sich beleidigt und forderten vom israelischen Staatschef eine offizielle Entschuldigung.

    So fand die Vizevorsitzende der Obersten Rada, Irina Geraschtschenko, Rivlins Äußerungen unangebracht. „Während seines Auftritts im ukrainischen Parlament gestattete sich der israelische Präsident unkorrekte und undiplomatische Einschätzungen gewisser Kapitel der tragischen ukrainischen Geschichte, darunter der OUN. Aus meiner Sicht war das keine weise Position unseres hohen Gastes“, schrieb Geraschtschenko auf ihrer Facebook-Seite.

    Auch der Führer der Radikalen-Partei, Oleg Ljaschko, verlangte von Rivlin eine Entschuldigung für seine Äußerung, unter den Ukrainern hätte es viele Nazi-Mithelfer gegeben.

    Der Vizeleiter des Staatlichen Komitees für Fernsehen und Rundfunk der Ukraine, Bogdan Tscherwak, nannte Rivlins Aussage „Spucken in die Seele der Ukrainer“.

    Erinnernswert ist, dass der ukrainische Präsident Petro Poroschenko im Mai 2015 den Mitgliedern der OUN-UPA den Status „Kämpfer um die Unabhängigkeit der Ukraine“ verliehen hatte, während die OUN-Veteranen das Recht auf zusätzliche soziale Vergünstigungen bekamen.

    „Rivlins Rede in der Rada war ein Schlag ins Gesicht der Bandera-Anhänger“, sagte der israelische Publizist Avigdor Eskin. „Ihre Reaktion spricht für sich. Aber an Rivlins Worten gab es nichts Überraschendes. Bereits vor acht Jahren hatten 36 Abgeordnete der Knesset (israelisches Parlament) einen Brief an den damaligen ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko geschickt und verlangt, die offizielle Politik zur Verehrung des Nazismus zu stoppen. Es gab auch eine Erklärung des israelischen Außenministeriums zu diesem Thema. Und vor drei Jahren wandten sich 62 Abgeordnete der Knesset an das EU-Parlament und äußerten ihre Besorgnis über den Aufschwung von neonazistischen, antisemitischen und antirussischen Tendenzen in der Ukraine. Israel weigerte sich, sich den Russland-Sanktionen anzuschließen und Russland in der UNO zu verurteilen. Israel weigert sich, der Ukraine jegliche Arten moderner Waffen zu verkaufen, und schließt zugleich einen Vertrag über die Lieferung von Drohnen an Russland für 200 Millionen Dollar ab. Was die Forderung nach Entschuldigung angeht, so hätten wir sechs Millionen Gründe, dasselbe zu tun“, so der Journalist.

     

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    Nationalisten, Organisation Ukrainischer Nationalisten OUN, Irina Geraschtschenko, Oleg Ljaschko, Reuven Rivlin, Israel, Ukraine