10:55 16 November 2018
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    Ein Soldat der syrischen Regierungstruppen beiMaarzaf im Landkreis Hama

    Wie weit wird die Konfrontation der USA und Russlands in Syrien gehen?

    © AP Photo / Pavel Golovkin
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    Regelung der Syrien-Krise (2016) (515)
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    Das Scheitern der Syrien-Regelung hat den schärfsten Konflikt zwischen den USA und Russland seit dem Kalten Krieg ausgelöst, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Freitag.

    Für die präzedenzlose Verschlechterung der Beziehungen sorgte die Äußerung des Sprechers des US-Außenministeriums, John Kirby, der Moskau erstmals vor Kampfverlusten und Terroranschlägen im Falle der Fortsetzung der Operation in Syrien warnte. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, bezeichnete seine Aussage als Aufruf an die Terroristen zu einem Krieg gegen Russland. Für zusätzliche Schärfe sorgte am Donnerstag auch US-Außenminister John Kerry, der von „großangelegten und unangemessenen“ Operationen Russlands in Syrien und der Bereitschaft Washingtons sprach, die Kooperation mit Moskau zu stoppen.

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    Die Krise in den Beziehungen zwischen den USA und Russland, die nichts Vergleichbares in der postsowjetischen Geschichte hat, wurde am Mittwoch vom Sprecher des US-Außenministeriums zusätzlich verschärft.

    „Die Folge wird die Fortsetzung des Bürgerkriegs in Syrien sein. Auch Extremisten werden weiterhin das Vakuum nutzen, um ihre Operationen zu erweitern, die zweifellos gegen die russischen Interessen gerichtet werden und vielleicht sogar russische Städte treffen“, warnte Kirby. Am skandalösesten war jedoch die Warnung, dass Russland im Falle der Fortsetzung der Militäroperation in Syrien weiterhin Soldaten in Särgen nach Hause schicken und Ressourcen verlieren wird. Zudem schloss Kirby den Abschuss russischer Flugzeuge nicht aus, ohne dabei zu präzisieren, ob damit zivile oder militärische Flugzeuge gemeint sind.

    Syrische Frau in Idlib (Archivfoto, 2012)
    © AP Photo / Rodrigo Abd, File
    Nur wenige Stunden später nahm Sacharowa Stellung zu Kirbys Äußerungen. „Ein paar präzisierende Fragen an den US-Kollegen kurz vor der offiziellen Stellungnahme. Werden sich die ‚Gemäßigten‘ mit den Terroranschlägen befassen? Diejenigen, die Washington seit einem halben Jahr nicht von Dschebhat an-Nusra trennen kann? Die Terroranschläge in Frankreich, in den USA und anderen Ländern, die Enthauptung von Menschen aller Nationen durch IS-Extremisten in Syrien – ist das irgendein anderes Paradigma?“, schrieb Sacharowa auf ihrer Facebook-Seite. Sacharowa zufolge ähneln die Worte über Leichen in Särgen, Terroranschlägen in russischen Städten und Verluste von Flugzeugen eher dem Kommando „Fass!“ als einer Stellungnahme eines Diplomaten.

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    Ihre Position wurde kurz darauf auch vom russischen stellvertretenden Außenminister Sergej Rjabkow geteilt, demzufolge die US-Vertreter Wasser auf die Mühle der Terroristen gießen und sie unverhohlen unterstützen.

    Doch die härtesten Gegenvorwürfe kamen nicht von den Diplomaten, sondern vom Militär. Laut dem Sprecher des russischen Verteidigungsministers, Igor Konaschenkow, geht es bei Kirbys Worten um ein offenes Bekenntnis der US-Seite, dass die angeblich gesamte in Syrien Bürgerkrieg führende Opposition internationale Terroristen sind, die von den USA kontrolliert werden. „Uns ist bekannt, wie viele verdeckte Spezialisten sich konkret in Syrien, darunter in der Provinz Aleppo, befinden, die sich mit einer operativen Planung und Führung der Operationen der Extremisten befassen“, so Konaschenkow.

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    Auch Kerry, der bis vor Kurzem als größter Befürworter des Dialogs mit Russland in der US-Administration auftrat, leistete seinen Beitrag zum verbalen Schlagabtausch. Er sagte am Donnerstag, dass er nicht an die Ernsthaftigkeit der Absichten Moskaus glaube. Er bezeichnete die Kooperation mit Russland als irrational, wenn russische und syrische Flugzeuge Aleppo bombardieren. Kerry zufolge herrscht heute zwischen Moskau und Washington enormes Misstrauen. 

    Experten zufolge offenbart Kirbys Äußerung zwei prinzipielle Aspekte. Bis zur US-Präsidentschaftswahl wird es keinen Durchbruch oder nur eine begrenzte Kooperation zwischen Russland und den USA geben. Zudem bestehe das Risiko, dass sich die sich ohnehin am Tiefpunkt befindlichen Beziehungen weiterhin verschärfen.

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    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Igor Konaschenkow, Sergej Rjabkow, John Kirby, Maria Sacharowa, John Kerry, Russland, Syrien, USA