22:45 24 Februar 2020
SNA Radio
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Von
    1311
    Abonnieren

    Die am Montag veröffentlichten vorläufigen Ergebnisse der Lokalwahlen in Bosnien- Herzegowina haben gezeigt, dass die nationalen Parteien ihre Positionen gestärkt haben, wie die Zeitung „Kommersant“ am Dienstag schreibt.

    Die endgültigen Ergebnisse der Wahlen vom 2. Oktober werden erst in einigen Tagen veröffentlicht, das Hauptergebnis der Wahl steht jedoch bereits fest – die national orientierten Kräfte festigten ihre Positionen: die muslimische „Partei der demokratischen Aktion“, die „Kroatische Demokratische Union“ und das „Bündnis unabhängiger Sozialdemokraten“ der Serben. Die bürgerlich ausgerichteten Parteien erlitten eine schmerzhafte Niederlage. In der Serbischen Republik  konnten die Anhänger des Präsidenten Milorad Dodik die Zahl der von ihnen regierten Gemeinden erhöhen und die gemäßigten Gegner vom „Bündnis des bürgerlichen Wandels“ hinter sich lassen. Die größte Stadt der Republik, Banja Luka, bleibt in den Händen der Partei Dodiks. Ihr Bürgermeisterkandidat Igor Radojicic hat bei der Wahl gewonnen. Der Präsident nannte den Erfolg seiner Partei den größten in der Geschichte.

    Selbst vor diesem Hintergrund sind die Ergebnisse der Bürgermeisterwahl in zwei bosnischen Städten geradezu eine Sensation – Velika Kladusa und Srebrenica. In Velika Kladusa wurde der 77-jährige Fikret Abdic, der wegen Beteiligung an Kriegsverbrechen aufseiten der bosnischen Serben zehn Jahre hinter Gittern verbrachte, zum Bürgermeister gewählt. In Srebrenica, wo die serbische Armee im Juli 1995 etwa 8000 muslimische Männer und Jugendliche tötete, was später vom Schiedsgerichtshof in Den Haag als Genozid eingestuft wurde, gewann erstmals ein einheitlicher Kandidat der serbischen Parteien, Mladlen Grujicic. Sein Gegner, der jetzige Bürgermeister und Muslime Camil Durakovic hatte vor der Wahl gewarnt, dass viele Muslime die Stadt verlassen müssten, wenn diese von einem Serben regiert würde. Die letzte Hoffnung des amtierenden Bürgermeisters sind die Stimmen der Diaspora, die später ausgezählt werden. Allerdings ist der Abstand zu groß, diese Stimmen werden wohl nichts mehr ändern.

    Laut bosnischen Experten wurde der Ausgang der Lokalwahlen von einem Referendum in der Republika Srpska vor einer Woche, welches trotz Verbot per Verfassungsgericht stattfand, beeinflusst. Nach dem Referendum sympathisierten die meisten Wähler mit den nationalen Parteien, weshalb vor allem Nationalisten vom Volksentschied profitierten.

    Das Fazit der Wahlen vom Sonntag besteht nun darin, dass Bosnien-Herzegowina selbst über 20 Jahre nach dem Abkommen von Dayton  immer noch kein Einheitsstaat ist – trotz aller Anstrengungen der Weltgemeinschaft.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Auto rast absichtlich in Rosenmontagszug in Volkmarsen: 30 Verletzte – Frankfurts Polizeipräsident
    Die Heuchler nach Hanau - Mit Trauermienen von Kamera zu Kamera
    Immer mehr Corona-Ausbrüche: Welches Risiko hat Deutschland?
    Russland weist Meldungen über angebliche russische Luftangriffe auf Siedlungen in Idlib zurück
    Tags:
    Lokalwahlen, Igor Radojicic, Milorad Dodik, Banja Luka, Bosnien-Herzegowina