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    Boris Johnson mutiert zum Chefhetzer gegen Russland

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    Die Eskalation des Syrien-Konfliktes hat zur Umverteilung der Rollen in den Beziehungen zwischen Russland und dem Westen geführt. Die Rolle des größten Opponenten Moskaus wurde vom britischen Außenminister Boris Johnson übernommen, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch.

    Die jüngste Verkündigung des britischen Außenministers, der die Handlungen Russlands in Syrien als „Kriegsverbrechen“ bezeichnete, spitzte die Beziehungen zwischen Moskau und London zu – nur einen Monat nach dem ersten Treffen des Präsidenten Wladimir Putin mit der neuen britischen Regierungschefin Theresa May.

    „Das weiterhin gegen die Einwohner von Aleppo wütende Regime von Baschar al-Assad und die Beteiligung der Russen daran, was eindeutig zu den Kriegsverbrechen zu zählen ist, macht die Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen unmöglich und verschlimmert nur die Migrationskrise“, sagte Johnson bei einer Sitzung der Konservativen Partei.

    Die Wiederaufnahme der großangelegten Kampfhandlungen in Aleppo, die am 19. September nach der Torpedierung des neuen Waffenstillstandes begannen, verwandelten Johnson in wenigen Tagen in den größten westlichen Kritiker Russlands, der nach seiner harten Rhetorik nicht nur seine europäischen Kollegen, sondern auch den US-Präsidenten Barack Obama überholte. Er sagte in einem Interview mit der Zeitung „The Sun“, dass Russland angesichts der Handlungen in Syrien zum Außenseiter werden könne. „Wir versuchen, die Beweise zu sammeln, weil das, was geschieht, meines Erachtens zu den Kriegsverbrechen gezählt werden kann“, so Johnson.

    Ihm zufolge erwägen Großbritannien und die USA mehrere Varianten zur Druckausübung auf Russland, damit es seine Position zu Syrien ändert. „Die einzige starke Waffe, über die wir verfügen, ist die Scham“, so Johnson.

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    © REUTERS / Kirsty Wigglesworth/Pool
    Noch im Juli, kurz vor dem Amtsantritt Johnsons, äußerte der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, die Vermutung, dass der ehemalige Bürgermeister Londons auf dem neuen Posten zurückhaltender bei seinen Äußerungen sein werde. Der Anlass für solche Hoffnungen waren die früheren Äußerungen Johnsons. Im Dezember rief er in der Zeitung „The Telegraph“ zur Kooperation mit Präsident Assad und Russland auf, was als Bestätigung seiner Sympathien für Russland wahrgenommen wurde.

    Nach dem Wechsel der britischen Regierung versuchte Moskau, die Chance auf den Neustart mit London zu nutzen. Am Tag der Ernennung Mays zur Ministerpräsidentin schickte Wladimir Putin ihr ein Gratulationstelegramm, wobei er die Absichten für einen konstruktiven Dialog bestätigte. Anfang September traf er sich mit May am Rande des G20-Gipfels in China.

    Allerdings dauerten die Hoffnungen auf den Neustart nicht lange an. In ihrem ersten Auftritt als Regierungschefin warf May Russland die Untergrabung des internationalen Sicherheitssystems vor. Dann  zeigte sich Johnson in einer neuen unerwarteten Rolle.

    Nach dem Rücktritt Camerons wurde in Moskau mit Optimismus über die Zukunft der russisch-britischen Beziehungen gesprochen, sagte der Direktor des Russischen Rats für internationale Angelegenheiten, Andrej Kortunow. Es entstanden Hoffnungen, dass falls das neue Kabinett für Brexit sei, sollte der unverzügliche Wechsel des außenpolitischen Kurses Londons auch zur Normalisierung der Beziehungen zu Moskau führen. Doch nach einem Monat kam es zur Ernüchterung und Befreiung von Illusionen. Im Unterschied zur vorherigen Regierung mangelt es dem jetzigen Kabinett an Qualifikation und Erfahrung, was dem russisch-britischen Dialog zusätzliche Probleme bereitet. Während Reizfaktoren früher dank hochqualitativer britischer Diplomatie vom Tisch geräumt worden seien, sei diese Qualität heute gesunken, was die jüngsten Äußerungen Johnsons bestätigen würden, so der Experte. Die fehlende Professionalität des neuen britischen Außenamtschefs habe sich ebenfalls bei der Scheidung von der EU gezeigt. Wenn Johnson sage, er sehe keinen Zusammenhang zwischen der freien Bewegung von Menschen und dem freien Markt, löst dies in der EU skeptisches Lächeln aus.

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    EU, Dmitri Peskow, Boris Johnson, USA, Syrien, Russland, Großbritannien