01:33 25 Februar 2020
SNA Radio
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Von
    2231
    Abonnieren

    In Brüssel ist eine zweitägige Konferenz zur Unterstützung Afghanistans zu Ende gegangen. Die Zeitung "Kommersant" erörtert am Donnerstag die Ergebnisse.

    Es war die dritte derartige Veranstaltung, die ersten zwei hatten im Juli 2012 in Tokio und im Dezember 2014 in London stattgefunden. Das Ziel bleibt „die Unterstützung der afghanischen Regierung bei der Umsetzung von Reformen und Friedensfestigung“.

    Vertreter von mehr als 70 Ländern waren zu diesem Zweck nach Brüssel gekommen. US-Außenminister John Kerry forderte die Taliban auf, einen Friedensvertrag mit der afghanischen Regierung abzuschließen und damit dem Beispiel Gulbuddin Hekmatyārs zu folgen: Am 22. September hatten Vertreter des im Ausland lebenden Feldkommandeurs ein Friedensabkommen mit Kabul getroffen. Zudem rief Kerry Russland, China, Indien, Pakistan und den Iran auf, „sich zu vereinigen, um Afghanistan bei Schritten zum Frieden zu helfen“.

    Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg versprach im Namen der Allianz, bis 2020 etwa 13.000 Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Aber die wichtigste Nachricht verkündete EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini: Bis 2020 darf Kabul mit einer Finanzhilfe von insgesamt 15,2 Milliarden Dollar rechnen.

    Afghanistans Präsident und Premier, Ashraf Ghani und Abdullah Abdullah, erhielten derweil traurige Nachrichten aus Kundus: Die Stadt im Norden des Landes wurde von den Taliban-Kämpfern fast vollständig erobert, im Zentrum die Taliban-Flagge ausgehängt. In der südlichen Provinz Helmand nahmen die Taliban den Kreis Nava ein, ohne auch nur Widerstand seitens der Regierungstruppen zu spüren. In Kabul sprengte ein Selbstmordattentäter einen Bus mit Beamten in die Luft, wobei fünf Menschen verletzt wurden. All diese Ereignisse beweisen, dass die Taliban entgegen der Bemühungen der internationalen Geberländer die Oberhand am Hindukusch behalten wollen.

    „Solange Afghanistan vom Krieg zerrissen wird, helfen ihm keine internationalen Konferenzen“, kommentierte Wladimir Sotnikow vom russischen Institut für Orientalistik. „Diese von den USA und der Europäischen Union organisierten Foren werden im Grunde nur im Interesse der Teilnehmerländer einberufen, die damit ihre Verbindung mit dem Projekt des ‚friedlichen und demokratischen Afghanistans‘ vortäuschen.“

    Die versprochenen Finanzhilfen für Kabul, so der Experte, würden dann veruntreut oder nur für die Ausbildung afghanischer Offiziere und für neue Waffen ausgegeben.  „Was große Inflationsrateprojekte angeht, so bietet die aktuelle Situation in Afghanistan keine Chance für deren Umsetzung“, ergänzte Sotnikow.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Afghanistan: US-Luftangriff aus Versehen? Mehrere Tote unter Polizisten
    Vizepräsident Afghanistans: „Terroristen führen psychologischen Krieg“
    Afghanischer Vizepräsident: „Wir befinden uns im Visier der Taliban-Terroristen“
    Afghanistan – eine Sackgasse für Jung-Politiker?
    Tags:
    Taliban, NATO, John Kerry, USA, Afghanistan