Widgets Magazine
22:11 20 Oktober 2019
SNA Radio
    Rom

    Italien könnte dem Euro Arrivederci sagen

    © AFP 2019 / Filippo Monteforte
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Von
    10941
    Abonnieren

    Nobelpreisträger Joseph Stiglitz hat den Zerfall der Eurozone prophezeit, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

    Der weltweit bekannte US-Wissenschaftler und ehemalige Chefökonom der Weltbank, Joseph Stiglitz, sagte im Interview mit der Zeitung „Die Welt“, dass die Eurozone in der jetzigen Form früher oder später zerfallen werde und Italien schon jetzt bereit sei, sich von der Eurozone zu verabschieden.

    Ohne weitere tiefgreifende Reformen werde die Währungsunion nicht weiter funktionieren, sagt Stiglitz. Der Experte erwartet nicht, dass die europäische Politik die immer noch kriselnde Euro-Zone langfristig retten kann. Den Mitgliedsländern mangele es an dem Willen, die notwendigen tiefgreifenden Reformen wie etwa die Schaffung einer Bankenunion oder einer gemeinsamen Einlagensicherung anzugehen, schreibt „Die Welt“.

    „Mir macht die Geschwindigkeit Sorgen, mit der die Entscheidungen in Europa ablaufen. Die Politik einigt sich darauf, was getan werden muss, aber dann wird blockiert, getrödelt und sich Zeit gelassen“, sagte Stiglitz.

    Auf die Frage des Journalisten, ob es die Eurozone in zehn Jahren noch geben werde, sagte der Ökonom: „Es wird in zehn Jahren noch eine Euro-Zone geben, aber die Frage ist, wie sie aussehen wird. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie immer noch 19 Mitglieder haben wird. Es ist schwer zu sagen, wer dann noch dazugehören wird.“

    Allerdings wurde ein Kandidat für den Austritt aus der Eurozone konkret genannt – Italien. „Wenn ich mich mit Italienern unterhalte, spüre ich, dass die Menschen dort zunehmend enttäuscht sind vom Euro“, so Stiglitz im Gespräch mit „Die Welt“. „Den Italienern wird gerade klar, dass Italien im Euro nicht funktioniert.“

    Die fünf Schmerzpunkte der EU – ein Blick aus Russland

    Sitz der Bank im Palazzo Salimbeni in Siena
    © AFP 2019 / Ciuseppe Cacace
    Die italienische Wirtschaft befinde sich in einer tiefen Krise. Die Banken des Landes kämpften mit gewaltigen Beständen fauler Kredite, und die Wirtschaft wachse seit fast zehn Jahren nicht mehr, während die Arbeitslosigkeit im gleichen Zeitraum stark gestiegen sei, so Stiglitz.

    „Die Krise begann in den USA, aber die Wirtschaft dort erholt sich wieder, während die Euro-Zone vor sich hindümpelt“, sagt der Ökonom. Der Grund sei der Euro. Die Auflösung der Gemeinschaftswährung oder der Bruch in einen Nord-Euro und einen Süd-Euro seien deshalb die einzig realistischen Optionen, die lahmende Wirtschaft des Kontinents wieder in Schwung zu bringen, so Stiglitz.

    Die Analyse von Stiglitz ist ein weiteres Alarmsignal. Das Interview ähnelt nach seiner Botschaft mehreren europäischen Einschätzungen der Lage der EU und der Eurozone. So schreibt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, dass dem österreichischen Bundeskanzler Christian Kern zufolge die EU von ihren Bürgern primär als Promotor einer unfairen Modernisierung gesehen wird. Wenn man keinen Kurswechsel hinbekomme, dann werde die Idee Europa weiter erodieren, so Kern.

    Die Frage besteht darin, ob es die Spitzenpolitiker der EU schaffen werden, von Erklärungen zu realen Reformen überzugehen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    „Europa ist in Lebensgefahr“- US-Milliardär Soros empfiehlt Auswege
    Europa wird zur Lachnummer der Weltwirtschaft – Medien
    Fabio De Masi: Zerfall der EU durch Freihandelsabkommen
    Nach britischem Vorbild: Italienische Liga Nord wirbt für EU-Austritts-Referendum
    Tags:
    EU, Italien