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    Experten: Militärische Konflikte Russland-USA möglich – „Globaler Krieg“ kaum

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    Das US-Verteidigungsministerium hält einen Krieg gegen Russland für ein hypothetisches Szenario. Allerdings sind die von der Zeitung "Iswestija" befragten Experten überzeugt, dass so etwas kaum möglich wäre, heißt es in der Montagausgabe der Zeitung.

    Der amerikanische Politologe von der New York University und Ex-Berater des Afghanistan- und Pakistan-Beauftragten des US-Außenministeriums Barnett Rubin sagte, die Pentagon-Generäle propagieren keinen Krieg gegen Russland, sondern planen Handlungen für den Fall unvorhersehbarer Umstände.

    „Die US-Generäle wollten vor allem sagen, dass ein neuer Weltkrieg dermaßen zerstörend wäre, dass wir uns so etwas nicht einmal vorstellen können. Deshalb besteht der einzige Ausweg darin, dass die USA und Russland jegliche Probleme gemeinsam lösen müssen“, betonte Rubin.

    Auf einer Konferenz im Pentagon am 4. Oktober hatten mehrere amerikanische Generäle vermutet, dass ein Krieg zwischen Moskau und Washington „schnell und tödlich“ wäre. So sagte der Stabschef des US-Heeres, General Mark Milley, ein Konflikt zwischen Washington und Moskau sei „fast garantiert“.

    Generalmajor William Hix unterstrich sogar, ein Krieg könnte „schon in der nächsten Zeit“ ausbrechen, so dass sich das Pentagon auf solch umfassende Kriegshandlungen gefasst mache, wie es sie seit dem Korea-Krieg nicht mehr gegeben habe.

    Russische Militärs denken jedoch nicht, dass ihre US-Kollegen tatsächlich an die Möglichkeit eines russisch-amerikanischen Krieges glauben. „Die USA  verstehen, dass sie im Falle eines globalen Krieges einen Schlag gegen ihr Territorium nicht verhindern könnten“, sagte der Präsident der Akademie für geopolitische Probleme, Generaloberst Leonid Iwaschow. „Das ist nichts als die Meinung einer Gruppe von Militärs. Das Pentagon sagt etwas, das US-Außenministerium sagt etwas anderes. Klar ist nur, dass diese Aussage das Ziel hatte, Russland einzuschüchtern und ihm die Hände in Syrien zu binden“, so der General.

    Auch der Abgeordnete der Staatsduma (Parlamentsunterhaus) Viktor Wodolazki sagte, er könne sich eine direkte militärische Konfrontation zwischen Russland und den USA unmöglich vorstellen, und stimmte der Meinung zu, dass es sich um die private Meinung mehrerer US-Generäle handele.

    Die Kontroversen zwischen Moskau und Washington sind vor allem in Syrien spürbar, wo es tatsächlich zu gegenseitigen Konfrontationen kommen könnte. Allerdings habe ein realer Krieg zwischen den beiden Großmächten keine Perspektiven, zeigte sich Yezid Sayigh vom Carnegie-Center in Beirut überzeugt. „Die USA zeigten mit ihren Handlungen in Syrien, dass sie keinen direkten militärischen Konflikt mit Russland wollen. Auch Moskau ist nicht an einem ‚heißen‘ Krieg gegen Washington interessiert. Möglich wäre nur eine indirekte Konfrontation in Syrien.“ 

    Der Syrien-Krieg als Probe für den Dritten Weltkrieg

    Der Experte des Washingtoner Zentrums Gulf State Analytics Theodore Karasik erklärte seinerseits, die Äußerungen der US-Generäle seien „die Meinung einiger Hitzköpfe von der Generation des Kalten Krieges“. „Sie sind immer noch überzeugt, dass ein neuer Weltkrieg unvermeidlich ist, und verstehen nicht, dass wir schon längst in einer ganz anderen geopolitischen Realität leben. Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit einer Konfrontation zwischen amerikanischen Kampfjets fünfter Generation und russischen S-300-Systemen in Syrien. Aber Perspektiven eines neuen globalen Krieges gibt es keine. Eine Eskalation der russisch-amerikanischen Beziehungen würde zur weiteren Destabilisierung der Situation nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in Osteuropa und in der Arktis führen“, so der Experte.

    Richard Weitz vom Hudson Institute stimmte zu, dass ein direkter russisch-amerikanischer Krieg so gut wie unmöglich sei, denn auf dem Spiel würde dann die Zukunft der ganzen Welt stehen.

    „In Washington hält man ein solches Szenario nicht für realistisch, auch wenn die Gefahr von spontanen Zwischenfällen besteht, bei denen russische oder amerikanische Militärs ums Leben kommen könnten, wie das mit dem von der Türkei im vorigen Jahr abgeschossenen russischen Kampfjet passierte“, so Weitz. Nach seinen Worten bereiten sich die US-Militärs auf „mögliche“ Kriege gegen Gegner wie Russland oder China vor, oder auch auf den Kampf gegen Terroristen. „Die größte Gefahr wäre, wenn diese Länder Angriffen von Terroristen ausgesetzt würden, die Atomwaffen in ihre Hände bekämen. (…) Gegen solche Gefahren kämpfen Moskau und Washington traditionell gemeinsam. Trotz der jüngsten Kontroversen um das Plutonium und das Abkommen über Nuklearforschungen hoffe ich immer noch, dass das Zusammenwirken auf diesem Gebiet künftig intensiviert wird.“

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    Tags:
    Mark Milley, Pakistan, Afghanistan, Russland, USA