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13:09 23 September 2019
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    Die russische Kriegsmarine in Tartus (Archivbild)

    Tartus: Russland errichtet ersten Marinestützpunkt im Ausland

    © Sputnik / Grigoriy Sysoev
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    Russland wird im syrischen Tartus einen vollwertigen Marinestützpunkt einrichten, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Dienstag. Es ist der erste dieser Art außerhalb des Landes.

    „Entsprechende Dokumente sind vorbereitet worden und durchlaufen die zwischenbehördliche Abstimmung“, teilte der Vize-Verteidigungsminister Nikolai Pankow gestern im Föderationsrat (Parlamentsoberhaus) mit.

    Ein Sprecher der syrischen Regierungstruppen erläuterte gegenüber der Nachrichtenagentur RIA Novosti, der Stützpunkt werde im Sinne der entsprechenden Vereinbarungen der Regierungen beider Länder entstehen. Eine Quelle aus dem Umfeld des russischen Verteidigungsministeriums verriet zudem, das Abkommen sei bereits unterzeichnet worden.

    Seit 1977 gibt es in Tartus eine Logistikstelle der sowjetischen bzw. russischen Seestreitkräfte. Nach der Schließung einer ähnlichen Einrichtung im vietnamesischen Cam Ranh im Jahr 2001 ist es das einzige russische Marineobjekt außerhalb des Landes. 

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    In der vorigen Woche hatte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, bestätigt, dass nach Tartus eine Abteilung von Flugabwehrsystemen S-300V4 verlegt worden war.

    Wie ein Insider der Militärbehörde erläuterte, ist ein Stützpunkt im Unterschied zur Logistikstelle, die lediglich für einen kurzfristigen Aufenthalt von Schiffen geeignet ist, für die vollwertige Versorgung von Schiffen mit Brennstoff, Munition, Lebensmitteln sowie für die technische Wartung bestimmt. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass Moskau in Tartus riesige Lagerräume einrichten und Tausende Militärs stationieren würde: Es handele sich um ziemlich geringe Ressourcen, die für die Versorgung von mehreren kleineren Schiffen ausreichend sein werden, die dort ständig bleiben werden. Die Ausgaben für den Stützpunkt in Tartus dürften vergleichbar mit denen für den Fliegerstützpunkt Hmeimim sein: einige Dutzende Milliarden Rubel pro Jahr. Zugleich dementierte der Insider die jüngsten Gerüchte, dass Russland Stützpunkte in Vietnam, Ägypten und Kuba bauen wolle.

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    Konstantin Makijenko vom russischen Zentrum für Strategien- und Technologienanalysen sagte, es sei vorerst kaum voraussagbar, wie lange der Stützpunkt in Tartus betrieben würde. Offensichtlich sei allerdings, dass seine Aufgabe sei, die Eroberung der syrischen Küste durch die Oppositionskämpfer zu verhindern. 

    Der Stützpunkt in Tartus sei ein offenbarer Trumpf, auf den Moskau unbedingt zurückgreifen müsse, zeigte sich Professor Andrej Korotajew von der Moscow Higher School of Economics überzeugt. „Präsident Baschar al-Assad setzt auf die gewaltsame Lösung der Situation, und die Opposition wird Bestätigungen dafür finden, was sie als russisch-iranische Okkupation bezeichnet.“

    Andere regionale Akteure lassen sich Moskaus Pläne nicht gefallen, aber eine heftige Gegenwirkung sei unwahrscheinlich, vermutete Nikolai Suchow vom Zentrum für arabische Studien am Institut für Orientalistik. „Washington wird darauf negativ und laut reagieren, die anderen aber leise, denn kurzfristig wird dagegen niemand kämpfen. Aber Kontroversen gibt es zwischen allen Akteuren, darunter auch zwischen Damaskus und Moskau: Assad will so viel Territorium wie nur möglich erobern, und Russland bestehe auf der politischen Regelung.“

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    Tags:
    Konstantin Makijenko, Andrej Korotajew, Nikolai Pankow, Russland, Syrien, Tartus