02:06 25 Februar 2020
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    Kampf gegen den IS (813)
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    Bei der für die nächsten Tage geplanten Befreiung der von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) okkupierten irakischen Stadt Mossul könnten die Interessen der regionalen Akteure – des Iraks, der Türkei und des Irans – kollidieren, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Donnerstag.

    Experten zufolge will Ankara im benachbarten Land ein Aufmarschgebiet einrichten – wie im Norden Syriens bei der Operation „Euphrates Shield“.  Der Iran will einen Korridor nach Syrien freischlagen.

    Von einer möglichen ernsthaften Zuspitzung in den Beziehungen zwischen der Türkei und dem Irak wird seit Dezember 2015 gesprochen, als türkische Landstreitkräfte in den Norden des Nachbarlandes unter dem Vorwand des Kampfes gegen Extremisten der kurdischen Arbeiterpartei PKK einmarschierten. Die Auseinandersetzungen wurden durch die Verlängerung des Mandats der türkischen Präsenz im Irak zugespitzt, für die das Parlament in diesem Monat stimmte.

    Die Ambitionen der Türkei sind so hoch, dass sie die Bereitschaft erklärte, die IS-Hochburg Mossul zu erstürmen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nannte bereits ein mögliches Datum – 19. Oktober. Zugleich verurteilte er diejenigen, die gegen die türkische Teilnahme an dieser Operation eintreten, die anscheinend vom Stützpunkt Baschika aus geführt wird, wo die türkischen Kräfte stationiert sind. Zugleich bereitet auch die irakische Regierung eine Offensive vor. Laut dem US-Außenamtssprecher John Kirby soll Bagdad die Operation zur Befreiung der Stadt leiten. Für diese Offensive wurden nach Mossul hunderte Militärberater aus den USA und Westeuropa verlegt.

    Unklar bleibt die Frage der Teilnahme der für Ankara feindlichen schiitischen Selbstverteidigungskräfte, die Panik unter der sunnitischen Bevölkerung Mossuls auslösen können. Zunächst sagte der Regierungschef Iraks, Haider al-Abadi, dass es bei der Erstürmung Mossuls keine schiitischen Kämpfer geben werde, jetzt schwankt er jedoch. Wie „National Interest“ berichtet, ist es das Ergebnis des Drucks seitens Irans, der anscheinend via Mossul einen Korridor nach Syrien einrichten will. Dabei kann gerade der iranische Einfluss die Türkei zur Einmischung bewegen.

    Die Türkei betrachtet Mossul historisch als eigenes Territorium. „Sie bezeichnet die Stadt nach wie vor als Zentrum ihrer Interessen im Norden Iraks“, sagte der Sicherheitsexperte Stanislaw Iwanow.

    In Mossul leben vorwiegend eine arabisch-sunnitische Gemeinschaft und viele Kurden. „Mossul bleibt ein umstrittenes Gebiet zwischen dem irakischen Kurdistan und den zentralen Behörden“, sagte Iwanow. „Die Türkei nutzt dies, sie hat gute Beziehungen zur Führung des Irakischen Kurdistans. Mit seiner Genehmigung – damals war sogar Bagdad nicht dagegen – führte sie Präventivoperationen gegen die PKK durch. Es gab eine Vereinbarung zwischen Bagdad und Ankara, dass türkische Militärs bei der Ausbildung sunnitischer Aufständischen helfen werden, insbesondere als der IS sein Kalifat ausrief“, so der Experte.

    Ankara befürchte, dass Bagdad nach der Befreiung Mossuls dort seine Herrschaft aufstellt und sunnitische Kräfte verdränge. Falls es zu dieser Operation kommt, werden die Türken versuchen, aktiv teilzunehmen und Einfluss zu nehmen, wie jetzt im Norden Syriens, um ein Erstarken des Irans zu verhindern.

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    Terrormiliz Daesh, Irak, Mossul, Türkei